Tobias Roller, Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins Calw (vorn Mitte), mit Förderern und Autoren des Jahrbuchs „Einst & Heute“ sowie mit Vertretern von Städten und Gemeinden. Foto: Alfred Verstl

Das historische Jahrbuch des Landkreises Calw befasst sich unter anderem mit dem „Gutbrod“, einem Anfang der 1950er-Jahre in Calw produzierten Auto. Insgesamt behandelt die elfte Ausgabe in elf Beiträgen ein breites Themenspektrum.

„Einst & Heute“, Ausgabe 2023/24, das historische Jahrbuch für den Landkreis Calw, hat ein neue Gesicht bekommen. Es wirkt modernder, mehr “Heute“ statt „Einst“, wenn man so will.

 

Die Neugestaltung stammt von der Calwer Architektin Marija Anisavets, Ehefrau von Kreisarchivar Kilian Spiethoff, und Michael Barth aus Bad Wildbad-Calmbach, Vorstandsmitglied des Kreisgesichtsvereins (KGV) Calw. Die alte Frakturschrift ist verschwunden und einer modernen, zeitgemäßen Form gewichen. Das verbindet sich mit einem flotten Bild eines Gutbrod Superior, ein Auto, das Anfang der 50er-Jahre in Calw produziert worden ist. „Im Zeichen Gutbrods“, nennt sich der Beitrag des Autohistorikers Otfried Jaus.

Über den Relaunch, wie das auf Neuschwäbisch heißt, sei im KGV-Vorstand lange diskutiert worden, sagte Spiethoff, der auch Redakteur des Bandes ist, bei der Präsentation in Schömberg. Man wolle damit ein jüngeres Publikum an die Heimathistorie heranführen und die Brücke von der Geschichte in die Gegenwart schlagen. Wie wichtig der Blick in die Vergangenheit sei, zeigten die gegenwärtigen Entwicklungen, sagte der Kreisarchivar mit Blick auf die Spaltung der Gesellschaft sowie auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.

Schicksale aus der NS-Zeit

Sarah Ohngemach, Abteilungsleiterin Schulen und Kultur beim Landratsamt Calw, verwies auf zwei Geschichten, die sich mit Schicksalen aus der NS-Zeit beschäftigen. So befasst sich Schuldekan Thorsten Trautwein mit Richard Goldschmidt (1889–1960) aus Neuenbürg, der als „Vierteljude“ lange um Anerkennung als NS-Opfer kämpfen musste. Friedrich Höger und Volker Mahnkopp schreiben über Walter Löffler (geboren 1898), Architekt aus Altnuifra, der sich nicht vom Nationalsozialismus vereinnahmen ließ und in seiner Verzweiflung zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud am 4. Oktober 1938 Selbstmord beging.

Man beschäftige sich heute wieder mit Themen, „die wir nicht erwartet haben“, sagte Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn. Das mache das Jahrbuch zu etwas Besonderem. Und längst seien nicht alle Geschichten erzählt.

Damit es weiter gehen kann, dafür braucht es Geld. Da fragte Tobias Roller als Vorsitzender des Herausgebers KGV gleich bei der Begrüßung, ob die Sparkasse Pforzheim Calw und der Landkreis das Jahrbuch weiter unterstützen werden. Das sagten die Vorstandsvorsitzender Hans Neuweiler und Ohngemach spontan zu.

Von der Volkshochschule bis zum Schäferlauf

Dass nunmehr die elfte Ausgabe von „Einst & Heute“ erschienen ist und es weitergehen kann, hob der Sparkassenchef hervor. Das sieht Neuweiler als gute Nachricht angesichts der vielen Hiobsbotschaften auf der Welt. Er verwies unter anderem auf den Beitrag von Antonio Cece über die Geschichte der italienischen Gastarbeiter in Calw. Mit ihnen habe das „Dolce Vita“ Einzug gehalten und ohne diese Mitbürger hätte es, so Spiethoff, kein Wirtschaftswunder gegeben. Und schon wegen der Namensgleichheit hat sich der Sparkassen-Chef über Hans Schaberts Beitrag „Vom ‚Ämtlein‘ Neuweiler und den Herren der Fautsburg“ gefreut.

Insgesamt umfasst der Band elf Beiträge. Dietmar Waidelich schreibt über „Das mittelalterliche Kloster Enzklösterle“, Robert Roller beschäftigt sich mit der „Gewinnung und Verwendung von Buntsandstein als Baumaterial in Bad Teinach-Zavelstein“. „Von Aulber bis Uhland – ein etwas ungewöhnlicher ‚Hirsau-Fokus‘“ heißt der Beitrag von Klaus-Peter Hartmann. Ulrich Schmelzer setzt sich mit der „Volkshochschule Nagold von 1919 und ihre ‚Neugründungen‘ 1938 und 1947“ auseinander, und Herbert Bantle lässt „300 Jahre Schäferlauf in Wildberg“ Revue passieren.