Die Männer, die in Rheinland-Pfalz zwei Polizisten getötet haben, könnten Wilderer sein. Auch im Südwesten werden immer wieder illegal Rehe geschossen. Und manchmal sogar ein Wolf.
Stuttgart - Die Mörder der beiden Polizisten, die am Montag bei Kusel in Rheinland-Pfalz ein Auto kontrolliert hatten und dabei erschossen wurden, könnten Wilderer gewesen sein. Denn im Kofferraum des Wagens lag laut Medienberichten totes Wild, und bei einem der festgenommenen Tatverdächtigen handelt es sich um einen Wildhändler aus dem Kreis Neunkirchen im Saarland. Gibt es das also tatsächlich noch – Wilderei?
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Ja, und auch in Baden-Württemberg kommt sie immer wieder vor. So hat erst vor wenigen Wochen ein Wilderer bei Amstetten (Alb-Donau-Kreis) für etwas Aufsehen gesorgt: Er schoss zwischen Ende Oktober und Anfang November vier Rehe, nahm diese aber nicht mit, sondern ließ sie bewusst am Rand von Straßen zurück. Bis heute kann die Polizei nicht sagen, welches Motiv der Unbekannte für seine Wilderei hatte.
Nur selten kann die Polizei den Täter ermitteln
Aufwendige Ermittlungen waren im Juli 2017 angestellt worden, nachdem man im Schluchsee im Schwarzwald einen toten Wolf entdeckt hatte, der ebenfalls erschossen worden war. Die ballistischen Untersuchungen führten aber ins Leere.
Jörg Lauenroth, der Sprecher des Landeskriminalamtes, nennt konkrete Zahlen: Im Jahr 2019 kamen 79 Fälle von Wilderei zur Anzeige, im Jahr 2020 dann 115. Den Tätern kam man lediglich in 16 beziehungsweise 24 Prozent der Fälle auf die Spur. Erhard Jauch, der Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbandes, betont, dass viele Fälle erst gar nicht zur Anzeige kämen: „Es ist wahrscheinlich, dass es eine größere Dunkelziffer gibt.“ Juristisch muss man korrekt auch unterscheiden zwischen „Jagdwilderei“, bei der jemand in fremden Revieren Tiere tötet, und „illegaler Tötung“ von streng geschützten Tieren, die grundsätzlich nicht bejagt werden dürfen, wie Wölfe oder Luchse.
Große Dunkelziffer bei der Wilderei
Der WWF setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass beide Spielarten nicht länger als ein Kavaliersdelikt angesehen werden. Vielmehr müsse die Fachkenntnis bei der Polizei erhöht und es müssten eigene Personalkapazitäten aufgebaut werden, heißt es in einem Papier. Gerade bei Luchsen kann die Tötung von wenigen Tieren die gesamte Population einer Region gefährden. Bei Rehen ist der Eingriff nicht ganz so dramatisch. Jährlich werden in Baden-Württemberg rund 170 000 Tiere geschossen oder durch Wildunfälle getötet. Da fallen 100 zusätzliche Tiere durch Wilderei nicht sehr ins Gewicht.
Jagdwilderei wird mit einer Geldstrafe belegt, in schwereren Fällen auch mit Gefängnis von bis zu drei Jahren.