Stinksauer reagiert ein Eigentümer der Bertholdshöfe und mit ihm Hajo Böhm auf Pläne der Stadt VS und der Stadtwerke (SVS), einen riesigen Solarpark auf seinem Areal und der weiteren Nachbarschaft der Bertholdshöfe zu errichten.
Hajo Böhm vertritt Karl Schmieder und seine Frau, Eigentümer des Anwesens Bertholdshöfe 8, und geht an die Öffentlichkeit.
„Herr Schmieder ist herzkrank und kann keinerlei Aufregung vertragen. Aus diesem Grunde vertrete ich ihn. Er wird mit wem auch immer keinen Pachtvertrag unterzeichnen und verlangt aus den Planungen herausgenommen zu werden“, erklärt Böhm in einer Pressemitteilung an unsere Redaktion.
Nicht mit ihm gesprochen
Und weiter: „Mit Frau und Herrn Schmieder hat bis heute niemand gesprochen. Wie wenig emphatisch und unsensibel ist denn diese Vorgehensweise? Unglaublich!“
Nicht angemessen findet Böhm des Weiteren, wie die Stadt mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen ist. Es sei als letzter Tagungsordnungspunkt der Gemeinderatssitzung behandelt worden. „Entweder geht die Verwaltung davon aus, dass das sowieso niemanden interessiert oder wegen der fortgeschrittenen Stunde die Bürger einfach fernbleiben. In der Sitzung anwesende Bürger berichten, dass die Darstellung der Stadtwerke so rüber kam, wie wenn sowieso schon alles beschlossen ist. Echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus“, schreibt Böhm.
Der Villinger lehnt die Pläne ab und erklärt: „Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, dieses herrliche Gebiet, dass sowohl landwirtschaftlich als auch zur Naherholung genutzt wird, mit einer an Gigantomanie grenzenden Planung zu überbauen? Jahrzehnte hat man den Flächenverbrauch gegeißelt. Und jetzt?“.
An Sommertagen könne man zahlreiche Menschen zählen, die da spazieren gehen, sich erholen und die Flora und Fauna beobachten und genießen. „Und wenn mir jemand erzählt, die Fauna sei zu vernachlässigen, der hat nicht richtig hingeschaut oder war überhaupt nicht dort. Da leben Rehe, Hasen Füchse, Hermeline, Ringeltauben, Weihen, Milane, Mäusebussard, Schwalben und noch mehr“, so Hajo Böhm.
Schöne Sonnenblumenfelder
Ganz abgesehen von den herrlichen Sonnenblumenfeldern von Familie Wildi. Um alleine die zu sehen, seien die Menschen viele Kilometer angereist. Ein ganz tolles Image für die Stadt. „In Zukunft sollen sie dann, an mit hohen Zäunen eingezäunten Wiesen – die man ja dann nicht mehr sieht – vorbeilaufen, und die schwarzen Elemente der Photovoltaik betrachten? Ganz abgesehen davon, was da noch alles dazu gebaut werden wird. Wirtschaftswege müssen angelegt und betrieben, Umspanngebäude gebaut werden. Das Gebiet wird nicht mehr wieder zu erkennen sein. Eine schwarze PV-Wüste“, so Hajo Böhm in der Mitteilung an unsere Redaktion.
„Großteil gehört der Stadt“
Böhm macht darauf aufmerksam, dass der Stadt ein Großteil des Geländes gehört und fragt: „ Ist das der Maßstab nachdem halt dort gebaut wird, wo die Stadt schon das meiste Gelände besitzt? Verfahrenstechnisch sicher der einfachste Weg. Und die privaten Verpächter werden mit hohen Pachten gelockt – die im Übrigen zu versteuern sind, weitere Steuern wegen Werterhöhung der Grundstücke können dazukommen.“
Und noch etwas habe nach Ansicht von Böhm eine unglaubliche Konsequenz. Der Wert mancher Höfe und Gebäude dürfte vollständig vernichtet werden. Beim Anwesen Schmieder Bertholdshöfe 8 sei das auf alle Fälle so. Familie Schmieder werde sich rechtlich beraten lassen und den weiteren Fortgang sehr genau beobachten.
Böhm meint schließlich: „Tröstlich ist, dass sich mittlerweile viele Menschen für das, was da geschieht, interessieren, ungläubig den Kopf schütteln und bereit sind, sich dagegen zu engagieren. Ich fordere die verantwortlichen auf: Beenden Sie diese brutale Zerstörung einer einmaligen Landschaft. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und platzieren Sie PV-Anlagen auf Flächen, die sowie schon versiegelt sind. So können viele kleine autarke Stromanlagen entstehen. Auf den Höfen soll weiterhin Getreide angebaut, das Heu geerntet werden und Kinder sollen ihre Drachen steigen lassen“, hofft Hajo Böhm und das Ehepaar Schmieder, dass die Pläne nicht verwirklicht werden.