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Plagiatsjäger machen wieder Beute

Von

Von Marc Herwig und Michael Evers

Tübingen/Hannover. Wieder ist ein Politiker seinen Doktor los: Die Universität Tübingen hat dem CDU-Abgeordneten Matthias Pröfrock den begehrten Titel wegen zahlreicher Plagiate entzogen. Das steht Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vielleicht noch bevor. Seine Arbeit wird derzeit geprüft.

Der Waiblinger Landtagsabgeordnete Pröfrock muss künftig auf seinen Doktortitel verzichten. Wie die Universität Tübingen gestern mitteilte, weist seine Dissertation zahlreiche Plagiate auf. Die Hochschule entzog Pröfrock daraufhin den Titel.

Bei der Wahl am 27. März war Pröfrock erstmals der Sprung in den Landtag gelungen. Auf den Wahlplakaten hatte er noch in großen Buchstaben mit seinem Doktor geworben. Aber unmittelbar nach den Plagiatsvorwürfen gegen den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weckte auch Pröfrocks Doktorarbeit das Interesse von Plagiatsjägern, die sich im Internet zusammengeschlossen hatten.

Innerhalb weniger Tage wurden auf 57 der 222 Seiten Passagen gefunden, die aus anderen Arbeiten ohne Quellenangabe abgeschrieben waren. Pröfrock reagierte auf die Vorwürfe und ließ den Titel im Mai vorläufig ruhen.

Auch der Promotionsausschuss der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen nahm sich die 2007 eingereichte Arbeit mit dem Titel "Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union" noch einmal an – und zog Konsequenzen.

"Die Untersuchung seiner Dissertation hat ergeben, dass sie in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde", betonten die Prüfer.

"Für mein wissenschaftliches Fehlverhalten stehe ich ein und trage die Verantwortung für die Fehler, die ich gemacht habe", teilte Pröfrock mit. "Dass meine Doktorarbeit nach Auffassung der Universität wissenschaftliche Standards nicht erfüllt, ist ein harter Schlag für mich, und niemand ärgert sich darüber mehr als ich selbst. Ich entschuldige mich bei der Universität, meinem Doktorvater, den betroffenen Autoren und bei allen, die ich enttäuscht habe", schrieb der 34-Jährige.

Den Vorwurf, dass Pröfrock bei seiner Doktorarbeit die Prüfer bewusst getäuscht habe, erhob der Promotionsausschuss allerdings nicht. Man gehe "aufgrund der Schilderungen des Betroffenen zu seiner Arbeitsweise bei der Abfassung der Dissertation davon aus, dass die Übernahme der fremden Texte jedenfalls grob fahrlässig erfolgte", teilte die Universität mit.

Die Juristische Fakultät in Tübingen hat aus den jüngsten Plagiatsfällen jedenfalls ihre Lehren gezogen. Wissenschaftler müssen ihre Doktorarbeit zukünftig immer auch in elektronischer Form abgeben. Die Arbeit werde dann von einem Computer nach auffälligen Parallelstellen in fremden Texten durchsucht.

Auch in Niedersachsen muss derzeit ein Politiker um seinen Doktor bangen. Plagiatsjäger werfen Kultusminister Althusmann vor, in seiner Dissertation zahlreiche Fehler beim Zitieren fremder Quellen gemacht zu haben.

Der CDU-Politiker entschuldigte sich gestern für mögliche handwerkliche Fehler, versicherte aber, er habe nirgendwo von anderen Wissenschaftlern abgeschrieben, ohne dies zu kennzeichnen. "Es gab keinen Täuschungsversuch von meiner Seite", unterstrich er. Konsequenzen für seine politischen Ämter schloss der 44-Jährige zunächst aus.

Althusmann bat die Universität Potsdam um die Überprüfung seiner 2007 abgegebenen Arbeit. Die Ergebnisse dieser Prüfung wolle auch die Landesregierung abwarten, wie Sprecher Franz Rainer Enste mitteilte.

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