Für das Pferd von Elke Pordzik kam jede Hilfe zu spät: es musste krankheitsbedingt eingeschläfert werden. Heute, ist sie überzeugt, könnte sie ihm helfen. Denn sie nutzt ihr Wissen, hat sich stetig weitergebildet und sich zusätzlich zur Tierphysiotherapeutin ausbilden lassen. Seit nunmehr fünf Jahren betreibt sie eine mobile Praxis.
Chronische Schmerzen im Bewegungsapparat können viele Ursachen haben. Sie können sich auf die Psyche auswirken und eine allgemeine Minderung der Lebensqualität bedeuten. In der modernen Humanmedizin spielt im Rahmen des ganzheitlichen Ansatzes häufig Physiotherapie eine wichtige Rolle.
Doch Tiere haben genauso Schmerzen. Und da man wahrscheinlich sehr schief angeguckt wird, wenn sich in der Praxis herausstellt, dass „Bernd“ nicht der Ehemann, sondern ein 40 Kilogramm schwerer Labrador ist, gibt es Menschen wie Elke Pordzik: Die 55-jährige Sulzerin ist Tierphysiotherapeutin und betreibt seit fünf Jahren eine mobile Praxis.
Mehrere Faktoren spielten eine Rolle
Der Entschluss, sich damit selbstständig zu machen, sei bei ihr durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren entstanden, erzählt sie. Nach ihrer Ausbildung zur Zahnarzthelferin hat sie kurz in der öffentlichen Verwaltung und danach fast 16 Jahre als Produktionshelfer gearbeitet. „Irgendwann dachte ich mir ‚das kann’s nicht gewesen sein‘“, sagt sie.
Nebenbei hat sie Kurse gegeben
Privat habe sie Tiere und insbesondere Pferde schon immer geliebt. Prägend sei jedoch ihr zweites eigenes Pferd gewesen, das unter Arthrose im Knie litt. Damals habe sie Hilfe bei diversen Fachleuten konsultiert, „aber da waren viele Nieten dabei“, meint sie rückblickend. In Ihrer Verzweiflung habe sie dann selber einen orthopädischen Hufbearbeitungskurs besucht und sich allgemein weitergebildet. Jedoch zu spät für ihr eigenes Tier – es musste im Alter von 17 Jahren eingeschläfert werden. „Heute hätte ich ihm helfen können“, sagt sie wehmütig.
Danach hat sie nebenbei Kurse gegeben, um anderen Tieren und ihren Besitzern zu helfen. Aber den Stein wirklich ins Rollen gebracht habe ihr Hund, erzählt sie. Der Mischlingsrüde – ein polnischer Straßenhund, der bis er zu Pordzik kam, fast nur das Tierheim kannte – habe in seiner Zeit im Heim Rücken- und Hüftprobleme entwickelt. „Ich ging dann mit ihm zur Physiotherapie und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das ist es.“
Keine einheitliche Regelung
Theoretisch hätte sie da sofort beginnen können. Denn die Tierphysiotherapie ist als Behandlungsmethode in Deutschland staatlich nicht anerkannt und für den Beruf des Tierphysiotherapeuten gibt es weder gesetzliche Regelungen noch einheitliche Ausbildungsstandards. Doch sie begann eine Ausbildung um ihr über Jahrzehnte angeeignetes Wissen durch fundierte Kenntnisse zu stützen. Diese schloss sie 2018 erfolgreich ab.
Eigensicherung hat Vorrang
Seitdem behandelt sie mit ihrer mobilen Praxis Tiere im Umkreis von ungefähr 50 Kilometern. Und dabei hat sie keine Scheu. „Wenn mich ein Zoo anruft, dann würde ich auch einen Elefanten behandeln“, sagt sie schmunzelnd. Hauptsächlich habe sie aber Hunde und Pferde als Patienten, ab und an auch Katzen. Jedoch habe die Eigensicherung immer Vorrang. Und das sei insbesondere bei Katzen häufig schwierig.
Die häufigste Verletzung, die sie therapiert, seien Kreuzbandrisse. Aber auch Arthrosen stehen weit oben auf der Liste. „In solchen Fällen liegt der Fokus auf der Mobilisierung. Es geht darum, die verkrampfte Muskulatur zu lockern und das Tier wieder ins Laufen zu bringen“, erklärt sie.
Lasern ist einfacher als Nadeln setzen
Viele der Methoden, die sie dabei anwendet, kennt man genauso oder ähnlich von der Behandlung menschlicher Beschwerden. Dazu gehören beispielsweise Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen oder Wassertherapie.
Und auch die technischen Geräte, die sie einsetzt, kommen aus der Humanmedizin. So schwört sie auf die Schalltherapie und die vielseitig einsetzbare Lasertherapie, die auch Ersatz für die Akupunktur genutzt werden kann, erklärt sie. Schließlich sei das schmerzfrei und außerdem sei es einfacher, als einem Tier zu erklären, warum man ihm Nadeln setzt. „So ein Pferd schmeißt sich im schlimmsten Fall einfach in den Heuhaufen. Und dann suchen Sie mal die Nadeln“, sagt sie verschmitzt.
Sie denkt an alle gern zurück
Ihr Antrieb sei es dabei immer, Tieren zu helfen und ihnen zu einem Stück mehr Lebensqualität zu verhelfen. Darum habe sie sich auch kürzlich auf dem „Hun’nenhoff“ weiterbilden lassen, so dass sie nun Hunde vermessen kann, die einen Rollstuhl benötigen.
Natürlich habe sie auch besondere Erlebnisse und Therapieerfolge mit Tieren. „Aber insgesamt denke ich an jeden gern zurück. Ich liebe, was ich tue“, erklärt sie abschließend
Kontakt und Preise
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über Elke Pordzik, ihre mobile Praxis und ihre Leistungen findet man auf ihrer Webseite www.tierphysio-elkepordzik.de.