Noch ist kein Kollektor auf dem Dach und schon entbrennt eine Diskussion um Photovoltaikanlagen in der historischen Villinger Innenstadt.
Was spricht gegen den Ausbau erneuerbarer Energien vor allem im doch meist sonnenverwöhnten Süden und damit auch in Villingen-Schwenningen?
Die Stadt möchte nun, auch auf Initiative der politischen Fraktionen im Gemeinderat hin, den Druck erhöhen und vor allem den Ausbau auf öffentlichen Dächern forcieren. Parallel dazu sollen auch private Bürger dazu ermutigt werden, Kollektoren auf ihren Dächern installieren zu lassen.
Doch wenn es um PV-Anlagen in der Villinger Innenstadt geht, sind sich nicht alle einig. „So schnell wie möglich her damit“, fordern manche Bürger eine Lockerung der Innenstadt-Satzung, die PV-Anlagen nur dann ermöglicht, wenn diese nicht sichtbar sind. Anderen stehen bei dem Gedanken die Haare zu Berge.
Hohe Preise
Wie sehen die örtlichen Fraktionssprecher im Gemeinderat eine mögliche Änderung der Satzung? Für Cornelia Kunkis, Stadträtin der Bündnisgrünen, sind die Dächer der Innenstadt künftig keine Tabuzone mehr. Selbst exponierte Dächer wie das Münster kämen für sie in Frage, spielt sie auf die rasante Entwicklung im Anlagenbau und die neue Generation integrierbarer Solarziegel an. Doch derzeit sind die Kosten für die Eindeckung mit solchen Solarziegeln zwischen 60 und 80 Prozent teurer als herkömmliche Anlagen.
Andere Gemeinderats-Kollegen sind da zurückhaltender. Eine Solaranlage auf historischen Dächern? Das ist für Andreas Flöß von den Freien Wählern zunächst eine Frage der Optik, aber nicht nur. Um wirtschaftlich zu arbeiten, so der Villinger Architekt, brauche es eine gewisse Größe.
Große Skepsis
Große Skepsis gibt es mit Blick nach oben, auch wegen der vielen Schornsteine, Giebel, Dachgauben und der unterschiedlichen Höhen. Damit sei eine gegenseitige Verschattung ein zentrales Problem. „Es gibt deutlich effektivere Flächen“, fügt Flöß hinzu. Nicht umsonst gebe es einen entsprechenden Passus in der Innenstadtsatzung, bewertet auch FDP-Sprecher Frank Bonath eine Lockerung der Vorgaben eher skeptisch.
„Wir haben ja eine historische Verantwortung.“ Wenn alles andere erledigt sei, spielt Bonath auf viele noch ungenutzte große Dachflächen (auch der Kommune) an, dann „wird das vielleicht ein Thema.“
Für Dirk Sautter, CDU-Fraktion, ist zwar „jede PV-Anlage eine gute Anlage“, aber in der historischen Innenstadt kann er sich herkömmliche Kollektoren nicht vorstellen. „Das ist für die Optik schädlich.“ Auch für ihn käme eine Lockerung der Satzung derzeit nicht in Frage. Wenn sich allerdings Module integrieren ließen, wäre auch für ihn ein Kompromiss denkbar. Zumindest herkömmliche schwarze Kollektoren, das kann sich auch Edgar Schurr, SPD-Fraktion, nicht vorstellen. „Das passt in die Innenstadt nicht hinein.“
Im Solarpotenzial der Stadt Villingen-Schwenningen (solare-stadt.de) können Eigentümer nachlesen, ob sich ihr Dach überhaupt für eine Solaranlage eignet, ungeachtet der derzeit gültigen Vorgaben für den Denkmalschutz.
Ein Blick auf das Land: Die Zahl der Anträge auf PV Anlagen auch auf Kulturdenkmalen habe im Zuge der Energiewende zugenommen, ergänzt das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.
Neue Leitlinien
Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen hat im Mai 2022 neue Leitlinien erlassen, um die Installation von Photovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden zu erleichtern. Im April 2023 wurden diese aktualisiert und angepasst. Der denkmalfachliche Belang wird nun stärker zurückgestellt, um noch mehr PV-Anlagen zu ermöglichen. Ob und wie gelockert wird, dies obliegt jedoch der jeweiligen Kommune, also VS .