Philipp Lahm (li.) und Sami Khedira wurden 2014 gemeinsam Weltmeister, beide haben eine VfB-Vergangenheit. Foto: dpa/Marius Becker

Demnächst stehen die Gespräche über eine Vertragsverlängerung von Sportdirektor Sven Mislintat an. Zuvor präsentierte der VfB Stuttgart drei prominente Namen, die den Club künftig sportlich unterstützen werden. Was bedeutet das für Sven Mislintat?

Es gab schon Mitgliederversammlungen mit höherer Brisanz, größerem Nachrichtenwert und zahlreicherem Diskussionsstoff. Demgegenüber schien die Veranstaltung in diesem Jahr beim VfB Stuttgart eine eher unspektakuläre zu werden. Schließlich standen nicht einmal Wahlen auf dem Programm. Es wurden Finanzzahlen präsentiert, verschiedene Themen besprochen und Satzungsänderungen diskutiert. Die Mannschaft wurde nach dem 2:2 beim FC Bayern freundlich empfangen – doch womöglich wird über das Unentschieden beim Rekordmeister in den kommenden Tagen weniger gesprochen als über die prominenten Namen, die Alexander Wehrle am Sonntag nannte. Von Personen, die künftig die sportlichen Geschicke des VfB Stuttgart künftig mit prägen sollen.

 

Nicht ohne Stolz benannte der Vorstandsvorsitzende der VfB AG drei Personen und ihre künftige Aufgabe, die in der Historie des Clubs alle ihren Platz haben: Sami Khedria, Philipp Lahm und Christian Gentner.

Mehr oder weniger prominente Rollen sollen die drei ehemaligen VfB-Profis künftig spielen im Konstrukt der sportlichen Führung. Khedira und Lahm, die 2014 gemeinsam Weltmeister wurden, sollen dem VfB beratend zur Seite stehen. Christian Gentner wird derweil ein neu zu schaffendes Hauptamt bekleiden. Der frühere Kapitän der Bundesligamannschaft soll Leiter der Lizenzspielerabteilung werden. Eine Funktion, die es anderswo in der Bundesliga bereits gibt. So war etwa Sebastian Kehl bei Borussia Dortmund vor seiner Beförderung zum Sportdirektor in dieser Rolle tätig.

Weltkarriere mit Stuttgart als Basis

Sami Khedira durchlief zahlreiche Nachwuchsmannschaften des VfB, wurde in Cannstatt Profi und 2007 mit den Weiß-Roten Deutscher Meister. Bis 2010 blieb er beim VfB – und startete 2010 nach der WM seine Weltkarriere. Er wechselte zu Real Madrid, spielte später bei Juventus Turin, ehe Hertha BSC seine letzte kurze Profistation wurde. In Berlin gab er am 19. Mai 2021 das Ende seiner aktiven Laufbahn bekannt. Als Gewinner des WM-Titels, der Champions League, der Club-WM und als nationaler Meister in drei Ländern. Zuletzt war der 35-Jährige den USA und beim Streamingdienst DAZN als TV-Experte tätig. Zudem absolviert er einen Uefa-Lehrgang für Management.

Philipp Lahm kann noch eine größere Titelsammlung aufweisen, die meisten holte er mit dem FC Bayern. Bevor er beim Rekordmeister so richtig durchstartete, hatte er zwei wichtige Lehrjahre beim VfB Stuttgart absolviert. Zwischen 2003 und 2005 war der heute 38-Jährige an den VfB ausgeliehen und unter anderem am historischen 2:1-Erfolg gegen Manchester United in der Champions League beteiligt. Aktuell ist er Chef des Organisationskomitees der EM 2024 in Deutschland.

Meisterduo von 2007

Christian Gentner wurde wie Khedira 2007 mit dem VfB Meister, schaffte diesen Erfolg 2009 auch mit dem VfL Wolfsburg. 2010 kehrte er zum VfB zurück, wurde langjähriger Kapitän, Zweitligameister 2017 und kommt mittlerweile auf über 400 Bundesligaspiele. 2019 verließ er nach dem erneuten Abstieg den Club und wechselte zu Union Berlin. Aktuell spielt der 37-Jährige beim schweizerischen Erstligisten FC Luzern, absolviert parallel zu seiner letzten aktiven Saison aber bereits den neuen Management-Lehrgang der DFB-Akademie und der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Er soll am 1. Januar 2023 zum VfB zurückkehren.

Der VfB holt sich also sportlichen Know-how ins Boot. Einen neuen Sportvorstand wird es derweil nicht geben. Alexander Wehrle wird das Amt zusätzlich zu seiner Aufgabe als Vorstandsvorsitzender weiter bekleiden. Betont offen steht Mislintat Wehrles neuen Personalien gegenüber. Am Abend schrieb er auf Instagram: „Sehr cool, Euch ab jetzt im Team VfB zu haben. Insbesondere die Perspektive von absoluten Topspielern fehlte uns an verschiedenen Stellen seit dem Weggang von Thomas (Hitzlsperger; d. Red.). Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!“ Der Vertrag des Sportdirektors läuft im Sommer 2023 aus, die Gespräche über eine Verlängerung des Kontrakts stehen in den kommenden Tagen an. Und der 49-Jährige hat am Samstag in München seine Position noch einmal selbstbewusst formuliert.

„Ich glaube, dass ich eine gute Wahl bin“, sagte Mislintat nach dem Spiel beim FC Bayern mit Blick auf eine mögliche Vertragsverlängerung, „ich weiß ziemlich genau, was ich bisher für einen Job gemacht habe für den VfB Stuttgart.“ Erst in der vergangenen Transferperiode hat der Kaderplaner wieder einen deutlichen Überschuss generiert, der für den VfB finanziell extrem hohe Bedeutung hat. Auf Dauer will Mislintat diese Notwendigkeit aber nicht haben.

„Ich hoffe, dass unser Weg irgendwann dazu führt, dass wir das Geld, das wir einnehmen, auch ausgeben dürfen“, sagte der frühere Dortmunder. Denn nur so könne das selbst gesteckte Ziel mittelfristig auch erreicht werden, zwischen Platz sieben und zwölf in der Bundesliga zu landen. „Das ist etwas, was ich auch sehen möchte für meine Entscheidung, dass wir nicht immer so viel Transfereinnahmen generieren müssen, um den gesamten Club zu subventionieren“, sagte er.

Alexander Wehrle betonte, mit den aktuell handelnden Personen weitermachen zu wollen. Das „exakte Aufgabenprofil“ für Gentner, Khedira und Lahm soll gemeinsam mit Sven Mislintat und Markus Rüdt „erarbeitet werden“.