Das Motiv zeigt die Mitglieder des Pfetzergerichts (von links): Fürsprech Timo Wölfle, Richter Simon Blank und Ankläger Silvio Waimer mit dem Verurteilten Franz Vogt. Foto: Bernhard Lutz

Hier konnte er nichts ausrichten: Obwohl seine Argumente überzeugend klangen, räumte das Pfetzergericht in Blumberg ein, dass es noch nie einen Freispruch gab und verurteilte Franz Vogt. Dabei hatten die Blumberger Narren ihr eigenes Wohl im Blick.

So knapp schrammte das Hochlöbliche Pfetzergericht wohl selten an einem Freispruch vorbei.

 

Der angeklagte Franz Vogt aus Blumberg, vom Gericht als ehemaliger „Florian Silbereisen der Narrengesellschaft Blumberg“ tituliert und als äußerst eloquent bekannt, sein Fürsprech Tim Wölfle und sein eigens mitgebrachter Anwalt Sepp Anderhuber (Thomas Sausen) von der Münchner Kanzlei, entkräfteten die erhobenen Anwürfe wie beispielsweise „Verstoß gegen den närrischen Alefanz“ hör- und sichtbar.

Immer wieder gab es während der Verhandlung Beifall, Zwischenrufe und sogar Zwischengesänge.

Einen Freispruch gibt es nicht

Letztlich musste sogar das Hochlöbliche Pfetzergericht fast schon kleinlaut einräumen, dass es eben noch nie einen Angeklagten freigesprochen habe. Deshalb wurde der Angeklagte im vollen Gemeinschaftshaus Zollhaus verurteilt.

Den närrischen Frühschoppen im vollen Gemeinschaftshaus Blumberg-Zollhaus eröffnet der Fanfarenzug der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen Foto: Bernhard Lutz

Ihr Wohl im Blick

Das Urteil von Richter Simon Blank ließ erahnen, dass die Narren des Blumberger Ortsteils ihr eigenes Wohl im Blick hatten. Der von Gerichtsdiener Dirk Prager ins Joch geschlossene Franz Vogt, von Beruf bei einem Bonndorfer Unternehmen tätig, muss für die Pfetzer eine Besichtigung der Rothaus Brauerei organisieren, samt einer zünftigen Bierprobe und einem ordentlichen Schwarzwälder Vesper.

Närrischer Größenwahn, so die Anklage

Noch anspruchsvoller scheint die zweite Auflage des Gerichts: Der aus Altglashütten stammende und damit als „Wälder“ bezeichnete Angeklagte „übersetzt die Vorarlberger Wälder Hymne ins Schwarzwälderische und trägt diese beim Neujahrsempfang der Stadt Blumberg vor“. Bis zum Urteilsspruch erlebten die Anwesenden Narretei in Reinkultur. Mit einer Gruppe Burgpfeifer marschierte Franz Vogt singend in das Narrennest und musste gleich eine Zugabe geben.

Zur Verhandlung vor dem Pfetzergericht schließt Gerichtsdiener Dirk Prager (stehend) den Angeklagten ins Joch. Foto: Bernhard Lutz

Dann trug Silvio Waimer seine Anklage vor: närrischer Größenwahn sowie ein gröbster Verstoß gegen die fastnächtliche Grundordnung. Belegen lasse sich dies, dass er irgendwann ausgerechnet nach Blumberg gezogen sei und bei der Narrengesellschaft, der Gänselieselzunft, angeheuert habe: bei den Burgpfeifern und als Stimmungskanone vor der Pause.

Die Ankläger forderten die Höchststrafe

Vogts Anwalt Sepp Anderhuber stellte klar, dass Franz Vogt nur deshalb alleine auf der Bühne stand und sich Unterstützung aus dem Publikum holen musste, weil die Narrengesellschaft wegen eines Sparprogramms die Mittel für die Hintergrundunterstützung gestrichen habe. Nichtsdestotrotz forderte der Ankläger für Vogt die Höchststrafe: „Vom Schmotzige bis zum Aschermittwoch wird er auf die Schwäbische Alb verbannt. Dreimal in der Woche singt er in Blumbergs Altenheimen die Seniorinnen in den Schlaf.“

Beim Pfetzergericht wurde der Verjüngungsprozess abgeschlossen. Nach Richterin Alexandra Waimer und Fürsprech Thomas Volz gab nun auch Ankläger Werner Waimer sein Amt ab, als Nachfolger wählten die Pfetzer seinen Sohn Silvio Waimer.

Werner Waimer als Narren-Obris

Vor den Ehrungen freute sich Oliver Blank, dass sein Vorgänger Werner Waimer zum Narren-Obristen ernannt wurde, die höchste Auszeichnung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Den Verdienstorden der Narrenvereinigung in Silber verlieh Landvogt Raily Mink dann Thomas Grieshammer, seit 1997 im Narrenrat der Zunft, den Orden in Gold erhielten Silvio Waimer, der seit 38 Jahren am Fastnachtsgeschehen teilnimmt, sowie an Annette Grieshammer, sie ist seit 1991 in der Zunft aktiv.

Werner Waimer, langjähriger Zunftmeister der Pfetzerzunft Zollhaus-Randen, erhält den Narren-Obristen, die höchste Auszeichnung der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Foto: Bernhard Lutz

Den Wiebli-Orden der Pfetzerzunft verlieh Zunftmeister Oliver Blank an Birgitt Fischer, seit 1993 in der Zunft, ihrem Gatten Hardy Fischer, seit Jahrzehnten ein Aktivposten, sowie an Ernst Storsberg, seit 1995 in der Zunft. Den Verdienstorden der Pfetzer erhielt „Scheesemotter“ Ulla Urbanke, seit 1976 aktives Pfetzer-Wiebli. Sechs Mal vergab Oliver Blank auch den Mini-Petzer-Orden.

Das Pfetzergericht

Zum 29. Mal tagte es:
Das Hochlöbliche Pfetzergericht tagte zum 29. Mal. Ins Leben gerufen hat es der langjährige Zunftmeister Werner Waimer, um den Fasnetsdienstag zu beleben und zugleich ein paar Groschen für das Säckel der Pfetzerzunft zu gerieren. Von Werner Waimer stammten auch die Texte für die närrische Verhandlung. Zu den Angeklagten zählten zwei Bürgermeister, zwei Amtsleiter, für die sich die Anklage gar als Bürgermeister-Sprungbrett entpuppte, verschiedene Gastronomen und weitere markante Persönlichkeiten. Mit Bärbel Varona wurde bisher nur einmal eine Frau angeklagt.