Die Choreografin, Performerin und Tanzpädagogin Doris Uhlich spielt selbst in dem Stück, das sie derzeit am Theater Rampe inszeniert. Foto: Juliette Collas

Das Theater Rampe inszeniert mit „Sonne“ den zweiten Teil der Melancholie-Trilogie von Doris Uhlich. Eine Tanzperformance voller Energie und mit Aufforderungen an die Zuschauenden.

Tiefes Dröhnen im Theatersaal, Dunkelheit rings umher, in der Raummitte lässt sich ein Mensch erkennen, vielmehr ein kauerndes Wesen. Ein Gefühl von Kälte ist es, das sich ausbreitet. Das Wesen in der Mitte beginnt sich langsam zuckend und zaghaft zu bewegen. Nur ein schmaler Lichtkegel liegt über der Figur. Die Musik wird lauter, ein praller Beat, das Wesen aktiver, bis es in seiner glänzend schwarzen Daunenjacke mutiger zu werden scheint, und, als wäre es von etwas angetrieben, das es von Minute zu Minute heftiger durch den Saal jagt. Diese Dynamik nimmt stetig zu.

 

Tanzperformation mit gewaltiger Energie

So der Eingang des Stückes „Sonne“ von Doris Uhlich, das derzeit am Theater Rampe inszeniert wird. Freitagabend war Deutschlandpremiere. Uhlich stammt aus Österreich und ist dort Choreografin, Performerin und Tanzpädagogin. Sie wurde unter anderem mit dem Nestroy-Spezialpreis ausgezeichnet. Tanzperformation ist das, was man hier bekommt. Denn dieses Wesen, Uhlich spielt selbst, bewegt sich mit gewaltiger Energie. Schon bald entledigt sie sich ihrer Kleider, trägt gelbe Moonboots, gelbe Federboa, knappes Oberteil und Pants. Die Haare vor dem Gesicht. Später wird sie gar nichts mehr tragen. Es ist keine zierliche Elfe, die da zu sehen ist, sondern eine starke präsente Frau. Die Künstlerin lotet in ihrer Arbeit Potenziale von Nacktheit jenseits von Erotisierung und Provokation aus, so das Programm.

Das Stück erscheint experimentell, die Struktur dramatisch. Eine Dystopie zum Klimawandel, die eine Aufforderung des Handelns in sich trägt. Ein Kind spielt mit einem Ball, es singt „Sonne, liebe Sonne“. Es entdeckt Solarfelder auf dem benachbarten Grundstück und fragt sich, warum sie dort sind und nicht hier. Und bei all der tänzerischen Darstellung erschließt nun auch endgültig das Sujet: Wie verhält sich die Beziehung des Menschen zur Sonne? Die Sonne selbst sei ja bloß ein Stern, der jedoch eine zerstörerische Kraft auf den Menschen hat. „Die Sonne wird geliebt und verehrt“ heißt es im Programm, „aber auch als bedrohlich und aggressiv dargestellt …dabei schaut sie selbst nur ohnmächtig zu“.

Eine Dystopie zum Klimawandel mit Aufruf

Das Stück ist Teil einer Trilogie namens Melancholie. Und diese Melancholie ist spürbar. Mit Nebelmaschine erinnert die dystopische Performance an Steam-Punk und auch an George Millers „Mad Max: Fury Road“. Eine starke Präsenz geht von der Kinderrolle aus, fabelhaft dargestellt von Romy Nagl. Das Kind schreit und ruft und auch die Sonne schreit und ruft, als wollten sie, aber könnten sich gegenseitig nicht finden - Fragen an die Zukunft, Fragen an das Jetzt. Manchmal geht diese experimentelle Inszenierung bis an die Grenzen und darüber hinaus. Eine Sonnenschau, die bewegt und womöglich Anlass für Bewegung ist.

Im Theaterfoyer findet sich denn auch als Teil des Projektes die „Soli-Dach-Initiative“, die sich für eine bessere Ausstattung mit Photovoltaik-Anlagen einsetzt. Das Projekt ist eine Kooperation des Theater Rampe mit dem BUND und dem Produktionskollektiv Region Stuttgart.