Senioren werden häufig Opfer von Betrügern. Verbraucherschützer bieten jetzt spezielle Veranstaltungen zur Aufklärung an. (Symbolfoto) Foto: dpa

Der vermeintliche Enkel braucht rasch Geld, um ein Haus oder ein Auto zu kaufen - mit solchen Geschichten legen Betrüger häufig ältere Menschen rein. 2014 machten sie damit 900.000 Euro Beute. Und das sind nur die gemeldeten Fälle. Verbraucherschützer klären Senioren jetzt auf.

Stuttgart - „Hallo, ich bin’s“ - so melden sich häufig Betrüger am Telefon, um Geld abzuzocken, womit sie oft bei Älteren Erfolg haben. Mit einer Aufklärungstour durch das Land will das Verbraucherschutzministerium zusammen mit Verbraucherschützern und Seniorenräten die Generation 60plus für die Gefahr, die von Betrügern oder zwielichtigen Verkäufern am Telefon, an der Haustür oder auf Kaffeefahrten ausgeht, sensibilisieren. „Ältere Leute sind anfällig dafür, auf knapp an der Illegalität vorbeigehende Angebote reinzufallen“, sagte der Referatsleiter für Verbraucherpolitik im Ministerium, Peter Maier. Über den „Enkeltrick“ haben Betrüger im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg nach Angaben des Ministeriums 900.000 Euro erschlichen, rund 570 Fälle wurden gemeldet.

Dabei geben sich Anrufer als der Verwandte aus, erbitten Geld, das sie wenig später von einem angeblichen Bekannten abholen lassen, wie ein Polizeisprecher aus Stuttgart berichtet. Die Betrüger wählen sich oft eine Stadt aus, in der sie das Telefonbuch durcharbeiten. „Die Fälle kommen in Wellen bei uns an.“ Des Weiteren seien in Stuttgart schon Kochtopfverkäufer unterwegs gewesen, die an den Haustüren minderwertige Ware zu überhöhten Preisen verkauften.

Interesse an Präventionsveranstaltungen wächst

„Die Verkäufer sind so perfide“, sagte die Geschäftsführerin des Landesseniorenrates, Birgit Faigle. Der Seniorenrat hat schon länger registriert, dass das Interesse an Präventionsveranstaltungen zum Thema Abzocke wächst. Die 42 Land- und Stadtseniorenräte richten die Vorträge aus, die in Filderstadt (30. November), Enzklösterle (1. Dezember), Balingen (2. Dezember) und im badischen Offenburg (20. Januar 2016) stattfinden.

Nicht alle Methoden sind als Betrug strafbar. Bei der Polizei ist auch ein Ringtrick bekannt, bei dem jemand einen Ring an gutgläubige Passanten „verschenkt“, aber einen Finderlohn dafür erbittet - kürzlich in einem Stuttgarter Schwimmbad angewendet. „Das gilt als aggressives Betteln“, sagte der Stuttgarter Polizeisprecher, und sei damit lediglich eine Ordnungswidrigkeit.

Schon bei Rotkäppchen wird Seniorin betrogen

Dass ausgerechnet Ältere häufig auf die Maschen von Abzockern hereinfallen, erklärt ein Psychologe der Opferschutzorganisation Weißer Ring, Karl-Günther Theobald, unter anderem mit der „Atomisierung der Familienverbünde“. Viele Senioren lebten alleine und seien anfällig dafür, auf Beziehungsangebote einzugehen. Die Straftäter bezeichnet er als Profis, die den Weg des geringsten Widerstandes wählten - und somit die Senioren ins Visier nehmen. Das habe es schon immer gegeben: „Denken Sie an Rotkäppchen. Das ist eine Seniorenbetrugsgeschichte. Der Wolf geht rein, gibt sich als Rotkäppchen aus und frisst die Großmutter.“

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