Katharina Althaus gewann die erste Medaille für Deutschland bei den Olympischen Winterspielen in Peking. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Die deutsche Skispringerin leidet unter einer Entscheidung der Jury, über die kontrovers diskutiert wird. Sie freut sich trotzdem über ihre zweite olympische Silbermedaille – und hofft nun auf das Mixed-Team.

Zhangjiakou - Bei der Beurteilung einer sportlichen Leistung hilft es stets, genau hinzuschauen. Auf die erste Reaktion, auf die Emotionen, auf die Stimmungslage. Das taten die Beobachter, als Katharina Althaus beim olympischen Skispringen in Zhangjiakou den zweiten Versuch in den Schnee gesetzt hatte. Im Auslauf ging die Oberstdorferin in die Knie, schlug die Hände vors Gesicht, vergoss Tränen. Halb lachend, halb verärgert. Es war unmöglich einzuschätzen, was in ihrem Kopf gerade vor sich ging. Hatte sie Silber gewonnen? Oder Gold verloren? Fühlte sie sich gar um den Olympiasieg betrogen?

 

Kritik von Sven Hannawald an Kampfrichter

Es dauerte nicht allzu lange, bis Althaus (25) die Antworten gab. „Kurz war ich schon enttäuscht“, sagte sie, „aber jetzt bin ich megaglücklich, dankbar und stolz. Ich freue mich riesig.“ Andere taten das auch.

Bereits bei den Sommerspielen 2021 in Tokio hatte die Social-Media-Abteilung des Teams D nach jedem Podestplatz einen kreativen Post abgesetzt. Am Samstag lautete die Schlagzeile: „Völlig aus dem Althäuschen!“ Dazu passte der Empfang im olympischen Dorf. Die erste deutsche Medaillengewinnerin der Winterspiele in China wurde mit einem coronakonformen Spalier gefeiert – und meinte: „Ich bin absolut überwältigt.“ Verständlich. Gleichzeitig hätte es durchaus Grund gegeben, ein bisschen zu hadern. Meinte zumindest Sven Hannawald.

Der frühere Topspringer und heutige TV-Experte kritisierte nach dem Wettkampf die Jury hart. Althaus, die Führende nach dem ersten Durchgang, hatte vom slowenischen Kampfrichter Miran Tepes grünes Licht erhalten, obwohl der Wind kurzzeitig gedreht und plötzlich von hinten gekommen war. In Führung lagen zu diesem Zeitpunkt Ursa Bogataj und Nika Kriznar – zwei Sloweninnen. Althaus sprang 94 Meter, zu Gold fehlten der Zweitplatzierten letztlich 110 Zentimeter. Hannawald warf Tepes vor, seinen zeitlichen Spielraum nicht genutzt und die Oberstdorferin zu früh losgeschickt zu haben. „Sie hat keinen einzigen Fehler gemacht“, sagte er der „Bild“-Zeitung, „Tepes vergisst, dass es um große Entscheidungen geht. Ich rede jetzt nicht mit der deutschen Brille, sondern sage das generell: Ihm fehlt das Feingefühl! Man muss die Besten schützen.“

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Ähnliche Vorwürfe hatte es gegen den Slowenen auch schon bei der WM 2021 in Oberstdorf gegeben. Damals war von der Jury nur für die letzte Springerin, die nach dem ersten Durchgang überlegen führende Sara Marita Kramer, der Anlauf verkürzt worden. Die Österreicherin, die im Weltcup in diesem Winter dominiert und die Olympischen Spiele wegen einer Corona-Infektion verpasst, stürzte damals auf Rang vier ab. Weltmeisterin wurde Erna Klinec, auch sie eine Slowenin. Der österreichische Verband (ÖSV) legte Protest ein, der abgeschmettert wurde. Im Gegensatz zum ÖSV fühlten sich die Deutschen allerdings nicht um Gold gebracht.

Althaus („Ich habe zwei super Sprünge gemacht“) sah die Situation ziemlich pragmatisch. „Wäre, hätte, könnte – es gehört einfach zu unserem Sport dazu, den Wind nicht beeinflussen zu können“, meinte sie, „ich bin froh, dass es so ausgegangen ist.“ Ähnlich empfand Maximilian Mechler. „Wir sehen uns nicht als betrogen an“, erklärte der Bundestrainer, „ich war im ersten Moment sauer, weil ich befürchtet habe, dass bei diesen Bedingungen nicht mal eine Medaille möglich sein würde. Aber letztlich ging es nur um Glück und Pech. Katha hat richtig starke Nerven bewiesen und einen super Job gemacht.“

Deutsches Quartett startet am Montag

Ein Thema gab es trotzdem noch. Nach Silber bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang und Silber nun in Zhangjiakou hofft Althaus an diesem Montag (12.45 Uhr/MEZ) auf ihr erstes Gold, wenn der Wettbewerb der Mixed-Teams seine olympische Premiere feiert. Das deutsche Quartett geht als amtierender Weltmeister an den Start. „Ich freue mich mega, dass wir diesmal auch noch eine zweite Chance haben“, sagte Althaus, „und ich bin glücklich, dass ich die Erste sein durfte, die eine Medaille für das Team D holt. Nun hoffe ich, dass noch ganz viele folgen werden.“ Darunter vielleicht ja eine zweite für sie selbst.