Die Nagolder Vesperkirche steht zum zehnten Mal an. Am Sonntag, 25. Februar startet das ökumenische Projekt in der Friedenskirche für alle, die das menschliche Miteinander „gemeinsam an einem Tisch“ - wie das Motto der Vesperkirche lautet - erleben möchten. Im Vorfeld gab es das traditionelle Benefizkonzert in der Stadtkirche.
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) macht es sich mit der Vesperkirche zur Aufgabe, eine gleichberechtigte und barrierefreie Gesellschaft (wenn auch in einer begrenzten Zeitspanne) aufzubauen.
Die Erfahrungen der vergangenen zehn Jahren zeigen, dass es möglich ist, Menschen verschiedenen Glaubens, Sprachen oder Weltanschauung abseits der großen Politik zusammenzubringen und im direkten Kontakt Gemeinsamkeiten zu finden.
So ein Unterfangen verlangt von den Organisatoren sehr viel zeitlichen und finanziellen Aufwand. Nur mit großzügiger Hilfe von Sponsoren, stark motivierten freiwilligen Helfern und individuellen Geldgebern ist es möglich, die Vesperkirche im Gang zu halten.
OHG-Seminarkurs und -Vokalensemble unterstützen
Und hier springt die Jugend ein. Seit zehn Jahren unterstützen die Teilnehmer des Seminarkurses „Soziales Engagement“ und das Vokalensemble (beides vom OHG), das Projekt Vesperkirche durch eine wohltätige Veranstaltung in der Stadtkirche. Die Schülerinnen und Schüler von Esther Betz-Börries wurden auch in diesem Jahr aktiv und bereiteten ein umfangreiches Programm vor. Lea Leukam, Jonas Esslinger, Julian Seybold, Lena Reinholz und Finn Klose moderierten und führten aufschlussreiche Interviews mit ihrer Lehrerin Betz-Börries, mit dem Chordirigenten Matthias Flury, mit Veronika Rais-Wehrstein vom Vesperkirche-Vorstand und auch mit dem Codekan Tobias Geiger.
Jeder der Gefragten bestätigte, dass die Vesperkirche eine Herzensangelegenheit sei, dass das Miteinander und das „Stillen des Hungers an der Seele“ im Mittelpunkt stehen und dass „Menschen am gemeinsamen Tisch zueinander finden, die sich sonst nie begegnen würden“. Allen Helfern und Helferinnen im Hintergrund gebühre ein herzlicher Dank für ihr selbstloses Engagement. Diese Einstellung teilte auch der Schulleiter von OHG Ulrich Hamann in seiner herzlichen Begrüßung.
Stimmungsvoll ausgeleuchtete Kirche
Für eine wechselnde Atmosphäre in der voll besetzten, von Albrecht Schlierer fantastisch beleuchteten (oder stimmungsvoll abgedunkelten) Kirche sorgte der mehrstimmige Chorgesang des Vokalensembles. Dem feurigen „Jubilant Song“ folgte innige Ruhe des „La sera sper il lag“, dann breiteten die singenden Gymnasiasten in „The music is always there with you“ weite Spannungsbögen aus – alles zu Klavierbegleitung von Johannes Gneitling und nach der Hand von Flury.
Der Chorleiter spornte seine Sängerinnen und Sänger wie immer freundlich an, wofür sich die Formation mit Topleistungen und liebevollem Respekt dem Dirigenten gegenüber revanchierte.
Paul Brennings Kreativität schier grenzenlos
Für das jüngste Benefizkonzert gewann das Team von Betz-Börries einen besonderen Gast, der das Publikum aus dem Stegreif für sich gewann und für echte Furore sorgte. Der Songwriter und Klang-Illusionist Paul Brenning imitierte vorzüglich unzählige Geräusche aus dem Alltag von Brummen einer elektrischen Zahnbürste bis zum Wellenrauschen in der Brandung, einschließlich eines Nebelhorns und Möwengeschrei.
Der kreative Musiker improvisierte und amüsierte das Publikum köstlich, wobei seine Kreativität kein Ende zu haben schien. Als erstklassiger Alleinunterhalter und Spaßvogel führte Brenning einen Crashkurs in Bodypercussion (rhythmische Klangerzeugung mit Hilfe des eigenen Körpers) mit Zuhörern durch, so dass am Ende alle zischten, pusteten, glucksten und sich auf Schulter oder Knien schlugen in einem mehrstimmigen „Klatsch-Chor“.
Die Begeisterung entlud sich dann in einem Beifalldonner, der auch nach dem gemeinsamen Auftritt des Vokalensembles mit Brenning nicht nachließ. Im Gegenteil: Die Menschen sprangen auf und der Ständerling bei Brezel und Kaffee begann erst nach dem „Abendlied“ als Zugabe.