Der Move-Tarif ist nun schon über ein Jahr alt – Zeit, Bilanz zu ziehen. Foto: Marc Eich

Hat der neue Verkehrsverbund wirklich schon etwas bewegt – und wenn ja, was und wie viel davon?

Im Kreistag breiteten Marlene Volz und Michael Podolski vom Zweckverband Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar-Heuberg, kurz: ZV VV SBH, die Zahlen aus.

 

Zum ersten Mal seit Zusammenschluss der drei Verkehrsverbünde in den Landkreisen Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen zum Zweckverband und Einführung des einheitlichen Tarifsystems Move blickte man nun so tief ins Detail. Ein einfacheres und zugleich günstigeres Tarifsystem war das große Ziel gewesen. Wurde es erreicht?

Die Zahlen zu Move im Detail

Marlene Volz stellte im Kreistag die Zahlen und beachtliche Steigerungen vor. Wurden im Januar 2023 noch 4375 Erwachsenen-Abos gezählt, stieg diese Zahl bis Februar 2024 auf über 6000. Somit lag die Steigerung im Erwachsenenbereich bei 37 Prozent, 1600 Abos kamen binnen eines Jahres hinzu. Auch das Jobticket sei als Erfolg zu verbuchen – 14 Unternehmen und Institutionen sind mit dabei und nutzen die ÖPNV-Karte als Benefit für ihre Mitarbeiter.

Immerhin um 15 Prozent sei die Anzahl der Abos im Jugend-Bereich gestiegen – im Januar 2023 wurden 25 780 Jugend-Abos gezählt, im Februar 2024 waren es 29 770. Binnen eines Jahres sei das ein Zuwachs von 3850 Stück.

Auch der Blick auf die Gesamtzahlen stellte zufrieden: 30 150 Abos insgesamt waren es im Januar 2023, 35 800 im Februar 2024 – summa summarum macht das 5450 Abos plus und eine Steigerung von 18 Prozent.

Große Freude bei Landrat Sven Hinterseh

„Das ist eine Erfolgsgeschichte – wenige Monate alt“, freute sich Landrat Sven Hinterseh – „natürlich auch getriggert durch das Deutschlandticket, aber nicht nur!“ Und der Donaueschinger Oberbürgermeister und CDU-Kreisrat Erik Pauly pflichtete bei: „Es ist schon eine Erfolgsgeschichte, was die drei Landkreise angeht, wenn man sieht, wo wir herkommen und wo wir jetzt stehen.“ Alleine von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen habe man früher drei Zonen durchquert und sei man heute günstiger unterwegs. „Da sieht man mal, was man erreichen kann, wenn ein großer Konsens besteht“, fand Nikolai Reith (FDP).

„Wenn wir mal in zehn Jahren zurückblicken auf diese Zeit, was war schön, dann wird das sicherlich einer dieser Punkte sein“, prophezeite Grünen-Kreisrat Armin Schott.

Verbesserungspotenzial wird aber gesehen

Walter Klumpp von den Freien Wählern äußerte bei aller Freude aber auch eine Bitte: Viele Jugendliche hätten jüngst bei einer Wahl-Werbeveranstaltung im Landratsamt Verbesserungspotenzial beim ÖPNV aufgezeigt und bemängelten beispielsweise Defizite an der Schnittstelle der Landkreise und wünschten sich einen bedarfsgerechtere Bedienung, über den Schülerverkehr hinaus.

Nicola Schurr (SPD) kritisierte, dass die Move-Abfahrtszeiten nicht über Google-Maps angezeigt werden – „es wäre schön, wenn das gemacht würde“, denn einige Jugendliche planten genau so ihre Fahrten. Bei anderen Anbietern sei das bereits möglich. Das jedoch sei nur ein kleiner Kritikpunkt an einer tollen Sache – „wir finden das toll“, so Schurr. Und das fand auch der Landrat, der in der Realisierung dessen zum Beispiel ein geeignetes Projekt für Studenten sieht.

Die Fusion als echte Mammutaufgabe

Herausforderungen
Ein Spaziergang war die Umstellung im ÖPNV nicht. Einige Herausforderungen stellten sich den Beteiligten, so Michael Podolski. Welche, das skizzierte er im Kreistag:

Personelles
Mitarbeiter aus vier Organisationen mussten integriert werden.

Strukturelles
In ein neues Aboverwaltungssystem mussten rund 25 000 Kundendaten übernommen werden, die aus unterschiedlichen Ausgangssystemen stammen und über diverse Stammdaten verfügten.

Finanzielles
Die Fahrgeldeinnahmen mussten neu verteilt werden, es bedurfte neuer Regelungen in der IT und Abrechnungsverfahren mit den einzelnen Unternehmen.

Organisatorisches
Die drei Landkreise verfügen über unterschiedliche Abläufe bei der Abrechnung der Schülerbeförderung und unterschiedliche Eigenanteilssatzungen.

Innovatives
Ein digitales Chipkartensystem wurde in zwei von drei Landkreisen neu eingeführt.