Der Platz hinterm Steuer ist immer öfter kaum noch zu besetzen. Es mangelt an Busfahrern. Foto: Marcus Brandt/dpa/Marcus Brandt

Der ÖPNV hat ein dickes Problem: Es fehlen Busfahrer. Wöchentlich klingelt das Telefon bei Aushilfe Ralf B. Am anderen Ende ist sein Chef, der verzweifelt einen freien Fahrer sucht – und das, obwohl es doch einige gebe, die man anheuern könnte, wenn man nur dürfte.

Egal, wo unsere Redaktion an diesem Tag anruft, ob bei den bekannten Busunternehmern oder Busfahrern und Aushilfen: Die Schilderungen ähneln sich und widerspiegeln eine Misere, die in eklatantem Gegensatz zu dem steht, was allgemein gefordert wird.

 

Der Nahverkehr soll gepusht werden, doch wie, wenn hinten und vorne Busfahrer fehlen.

Ständig am Limit

„Der Mangel an Busfahrern? Das ist bei uns täglich ein Thema“, berichtet Mathias Merz, Geschäftsführer von Merz Reisen. Schon seit Längerem bietet er nicht mehr das an, was früher Teil des Geschäftes war: Reisen, Tagestouren, Musicalfahrten.

Selbst Vereine, die einen Bus für einen Ausflug oder zu einer Veranstaltung buchen möchten, bekommen oft eine Absage, erzählt Merz, der seine Standorte in Unterkirnach und Blumberg hat. Nur noch Stammkunden können bedient werden. „Wir sind ständig am Limit.“

Immerhin erbringen die privaten Busunternehmen etwa die Hälfte der ÖPNV-Leistungen.

Kaum irgendwo ist der Führerschein so teuer

Doch warum fehlen Busfahrer, warum mangelt es an jüngeren Interessenten? Wie so oft liegt es am Geld. Für einen Busführerschein müssen Anwärter mittlerweile in Deutschland 10 000 bis 15 000 Euro aus eigener Tasche bezahlen, damit liege Deutschland an der Spitze, berichtet Merz. Zum Vergleich: In Österreich sind es nur 3000 Euro. „Da sollte etwas passieren.“

Ähnlich äußert sich auch Dieter Petrolli, Chef vom gleichnamigen Busunternehmen aus Niedereschach. „Der Fahrermangel ist eklatant“, beschreibt er die Situation. Zwar sind Reisen nach wie vor im Petrolli-Angebot, aber in Bezug auf Tagesfahrten sei das Geschäft eingeschränkt worden, regelmäßige Absagen an Vereine oder Gruppen etwa gehören bei ihm zum Alltag. Auch für ihn ist zumindest einer der wichtigsten Ansätze für eine Lösung des Problems: „Wir müssen runter mit den Kosten für den Führerschein.“

Aushilfe sieht eine andere Ursache

Aushilfe Ralf B. (Name von der Redaktion geändert), der mindestens jede Woche angefunkt wird, kennt das Personalproblem seit vielen Jahren. „Zu wenige Leute, das ist überall ein Thema“, meint er. Sicher, die hohen Kosten schrecken viele Interessenten ab. Doch der eigentliche Grund liegt in seinen Augen in einer Entscheidung aus dem Jahr 2011: Die Zäsur sei mit der Abschaffung der Wehrpflicht erfolgt. Beim Bund hätten viele junge Männer den LKW-Führerschein gemacht und später um den Busführerschein ergänzt, erinnert er sich. Und noch etwas taucht in seinen Erinnerungen im Laufe des Telefonats auf: Er habe schon als kleiner Junge gewusst: „Ich will mal Bus fahren.“ Über 40 Jahre später ist er noch immer als Aushilfsfahrer dabei, „wann immer ich das beruflich einrichten kann.“

Absagen an Vereine

Fabienne Maier, Geschäftsführerin von der Verkehrsgemeinschaft VS, bestätigt die Erfahrungen von Fahrern und Geschäftsführern anderer Unternehmen: „Das ist überall ein Thema.“ Ein Glücksfall für sie: Die Fluktuation in ihrem Unternehmen sei gering. Die VGVS beschäftigt etwa 100 Fahrer, auf die sie sich zu 100 Prozent verlassen könne. Doch „die Lage ist angespannt, im ganzen Raum“, so Maier. Oder um es mit den Worten eines anderen Fahrers auszudrücken, der ebenso von vielen Absagen an Vereine weiß: „Busse sind da, aber keine Fahrer.“

Anfragen gebe es nicht nur von potenziellen Fahrgästen, wie Merz bestätigt: Immer wieder rufen auch Unternehmer aus anderen Landkreisen an, „ob wir einen freien Fahrer hätten“.

Deshalb dürfen Ukrainer nicht fahren

Hohe Kosten und die Abschaffung der Wehrpflicht sind das eine, das andere bürokratische Hindernisse. Denn auch die schwerfällige Bürokratie streut hier Sand ins Getriebe. Mathias Merz liefert gleich das passende Beispiel dazu: Ukrainische Busfahrer dürfen nicht für Busunternehmen in Deutschland fahren, weil ihr Führerschein nicht anerkannt werde, „obwohl diese teils zehn Jahre Berufserfahrung haben“.

Mittlerweile heuere das Unternehmen Fahrer aus allen möglichen Ländern an, „doch die sind schnell wieder weg, wenn sie keine Wohnungen oder Perspektiven bekommen“.

Verband startet Kampagne

Die Ausgangssituation
Landesweit fehlen 2500 Fahrer, erläutert Ulrike Schäfer, die Pressesprecherin des WBO, Verband Baden-Württembergischer Busunternehmen. Bis zum Jahr 2030 werde es bundesweit an 87 000 Fahrern mangeln. Was tun gegen diesen „eklatanten Mangel“, zumal der Nahverkehr stark ausgebaut werden soll.

Das plant der Verband
Gestartet wird landesweit, auch in der Region in Tuttlingen und Rottweil, eine „Fahrpersonal-Beschaffungs-Kampagne“ am 23. September.