Angst vor einem Verbot: Die Nachfrage nach Ölheizungen ist bei Rottweiler Heizungsinstallateur gestiegen. Foto: © U. J. Alexander – stock.adobe.com

Ein regionaler Heizungsinstallateur sieht dem geplanten Verbot von Öl- und Gasheizungen ab 2024 skeptisch entgegen, denn Alternativen sind knapp. Auch der Fachkräftemangel macht der Branche zu schaffen.

Ein generelles Verbot von neuen Öl- und Gasheizungen soll ab 2024 in Kraft treten, so lautet ein neuer Gesetzesentwurf von Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck. Dem Vorhaben sieht Harald Reiser, Geschäftsführer des Rottweiler Heizungsbauer Albrecht GmbH mit gemischten Gefühlen entgegen: Zum einen stimme er zu, dass ein generelles Umdenken stattfinden müsse. In Zukunft müsse man von Öl und Gas wegkommen. Trotzdem sei der aktuelle Gesetzesentwurf laut Reiser „zu kurz gedacht“.

 

Ganz überraschend sei der Entwurf für die Branche nicht gekommen. Das Vorhaben sei „schon lange bekannt gewesen“, sagt Reiser. Die kurzfristige Entscheidung zu einem Verbot ab 2024 sei für ihn aber „nicht nachvollziehbar“. Ab Januar sollen demnach bereits keine reinen fossilen Heizungsanlagen mehr eingebaut werden dürfen – das sei laut dem Heizungsinstallateur zu kurzfristig.

Erlaubt sind laut dem Vorhaben nur noch Gasheizungen, die über das Jahr mindestens einen Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energien nutzen. Ein Betriebsverbot soll künftig außerdem für Öl- und Gas-Anlagen gelten, die älter als 30 Jahre sind.

Eine der Alternativen zu Öl und Gas ist die Wärmepumpe. Diese funktioniert in etwa umgekehrt zu einem Kühlschrank: Sie macht sich die Wärme aus der Umwelt zunutze und gibt sie in das Haus ab. Werden in Zukunft also nur noch Wärmepumpen in Neubauten eingebaut? „Das wird allein schon wegen der Materiallieferung schwierig sein“, erklärt Reiser.

Nicht alle Gebäude fürWärmepumpen geeignet

Das größte Problem sei, dass es gar nicht genug Wärmepumpen auf dem Markt gibt. Die Wartezeiten betragen aktuell etwa sechs bis neun Monate. Zudem seien bei Weitem nicht alle Gebäude für den Einsatz der Wärmepumpen geeignet. Gerade bei der Umrüstung von älteren Gebäuden, wie etwa in der Rottweiler Innenstadt, sei es oft nicht umsetzbar, so der Heizungsbauer, denn die Gebäude müssten vor einer Umstellung erst energetisch saniert werden. Das sei gerade in Mietwohnung meist nicht möglich, sagt Reiser. Auch Photovoltaik sei nicht überall praktikabel.

Bei einer Umrüstung sollte laut Reiser gut abgewägt werden, ob diese schon notwendig ist oder nicht. Sonst sei das sowohl monetär als auch ökologisch weniger sinnvoll. Er empfiehlt, Heizsysteme „nicht anhand von Zuschüssen auszuwählen“. Stattdessen sollten die Kunden ihre „Planung lieber mit Bedacht angehen und keine Kurzschlussreaktion machen“.

Am häufigsten werdenGasheizungen verbaut

Neben der Wärmepumpe sollen laut dem Gesetzesentwurf auch weiterhin Solarthermieanlagen, Holz und Pellets, Biogas und Fernwärme erlaubt sein. Die Kundenanfragen nach den Alternativen zu fossilen Heizungsanlagen seien in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen, sagt der Heizungsinstallateur. Am häufigsten werden in Rottweil aber noch immer Gasheizungen verbaut, am zweithäufigsten Pelletheizungen. An Ölheizungen sei in den vergangenen Jahren kaum Bedarf dagewesen – „höchstes ein bis zwei Anlagen im Jahr“, sagt Reiser.

Hersteller fahrenProduktion wieder hoch

Seit der Ankündigung eines möglichen Verbots hätten die Kundenanfragen nach fossilen Heizungsanlagen aber wieder enorm zugenommen: „Viele wollen Öl und Gas jetzt noch schnell einbauen, solange es noch erlaubt ist“, gibt Reiser Auskunft.

Besonders bei Heizungen mit Öl sei diese Entwicklung auffällig: Manche Hersteller, die ihre Produktion in den vergangenen Jahren schon fast eingestellt hatten, würden diese laut dem Heizungsbauer aktuell sogar wieder hochfahren. Dass Kunden diese fossilen Anlagen laut dem neuen Gesetzesentwurf nach 30 Jahren wieder umrüsten müssten – das sei laut Reiser meist kein Thema bei den Kunden. „Früher hat man sich auch keine Gedanken gemacht, was in 30 Jahren ist. Bis dahin kann noch viel passieren.“

Harald Reiser, Geschäftsführer der Albrecht GmbH: „Wir sind jetzt schon ausgelastet bis Herbst.“ Foto: Meene

Fachkräftemangel macht Branche zu schaffen

Der kurze Zeitraum bis zum Verbot sei für die Heizungsinstallateure aus einem weiteren Grund problematisch: „Der Fachkräftemangel ist auch bei uns ein großes Problem“, sagt Reiser. Daher müssten viele Anfragen nach hinten verschoben werden. „Wir sind jetzt schon ausgelastet bis Herbst, wir werden nicht allen Anfragen hinterherkommen.“ Die Heizungsbaubranche ist laut Reiser aber eine zukunftssichere. „Wir haben keine Bange vor einer Krise“, denn Heizungen werden immer benötigt.