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Obernheim Ackern wie zu Großvaters Zeiten

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Ein starkes Trio: Hans Werner Moser (links), Shetlandpony „Donut“ und Joachim Schreijäg (rechts) bewirtschaften einen Acker wie zu Großvaters Zeiten. Moderne Maschinen kommen hier nicht zum Einsatz; trotzdem trägt das Feld reiche Frucht – natürlich alles bio. Am Ende eines arbeitsreichen Tages gibt es feine gebratene Nudeln vom Lagerfeuer.Fotos: Weiger Foto: Schwarzwälder Bote

Am Anfang war es ein Projekt. Zwischenzeitlich ist der Acker, den die beiden Obernheimer Hans Werner Moser und Joachim Schreijäg so bewirtschaften wie vor 100 Jahren, zur Passion geworden. Und über allem steht die Frage: Wie war das denn damals?

Obernheim/Deilingen. Ein herrlicher Morgen auf den Höhen der Alb. Der Herbst ist da. Auf den Wiesen blühen im Sonnenschein zartlila Herbstzeitlosen und ein paar späte Mohnblumen – Erntezeit. Blaukraut, Rosenkohl, Brokkoli, Tomaten, Zwiebeln, Kürbisse, Möhren und Kartoffeln lachen den Spaziergänger an. Wer denkt da nicht an einen wunderbaren Eintopf? Oder ein herrliches Schmorgemüse aus dem Ofen? Mit richtig viel Thymian? Doch bis zu dieser Pracht war es ein weiter Weg, mitunter auch etwas steinig – ganz sprichwörtlich. Denn Hans Werner Moser, Joachim Schreijäg und dessen Partnerin Anja Ströbel bewirtschaften das Stückchen Land hoch über der Obernheimer Nachbargemeinde Deilingen ganzjährig genauso wie vor 100 Jahren: ohne Traktor, ohne Chemie, ausschließlich mit traditionellen Geräten aus Großvaters Zeiten und der Kraft der Pferde.

Das Ackerprojekt bringt Zeitreisen besonderer Art mit sich. Heute beispielsweise soll die Erde des Felds etwas gelockert werden, weil das Unkraut wuchert. Vielleicht gibt es zusätzlich ein paar Kartoffeln. Statt eines PS-starken Traktors wird Shetlandpony Donut vor den Pflug gespannt. Ein wirklich historisches Gerät, lächelt Hans Werner Moser. Eines, das man vielleicht eher im Heimatmuseum erwarten würde als im alltäglichen Einsatz auf dem Gemüsefeld. "Doch, er funktioniert bestens", versichert der Obernheimer, "es dauert höchstens ein bisschen länger."

"Donut", mit seinen 24 Jahren ein älterer, aber durchaus rüstiger Pony-Herr, scharrt vergnügt mit den Hufen. Er kennt dieses Prozedere. Und los geht’s. Joachim Schreijäg, der "Donut" umsichtig führt, hält konzentriert die Spur auf den Ackerfurchen, das Pony läuft geduldig neben ihm her. Etwas mehr Kraft braucht da schon Hansi Moser, der das antiquierte Gerät lenkt. Bahn um Bahn legt das das Trio zurück und kommt schließlich ins Ziel. Eins wird schnell klar: Die drei sind ein eingespieltes Team. Der so genannte "Häufelpflug"“, ein Geschenk aus einem Deilinger Privathaushalt, lässt sich in Breite und Tiefe verstellen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Hightech aus längst vergangenen Zeiten.

Doch warum so viel körperliche Arbeit? Heutzutage, wo Acker und Wiesen deutlich müheloser bewirtschaftet werden können? Schreijäg und Moser müssen nicht lange überlegen. Zum einen mache es demütig – man erkenne, wie wenig selbstverständlich das modernen Leben sei, der Nahrungsmittelreichtum, der alltägliche Komfort, der Umstand, dass man nie hungern müsse. Zum anderen verändere sich der Bezug zum Lebensmittel: "Und zwar exakt in dem Moment, wo man selbst realisiert, wie viel Mühe dahintersteckt, es zu produzieren. Da wirft man nichts einfach weg", betont Moser, der sich in Obernheim seit kurzem als Gemeinderat engagiert. "Und man braucht weder Geschmacksverstärker noch Plastikverpackung."

Doch vor dieser Form von Ackerbewirtschaftung steht letztlich viel altes Wissen. Wissen, das Joachim Schreijäg und Moser nicht nur Eltern oder Großeltern verdanken, sondern auch Büchern: Informationen zu den Fruchtfolgen auf einem Acker oder den optimalen Pflanzzeitpunkten im Jahresverlauf beispielsweise. Oder Tipps für biologische Mittelchen gegen Unkraut und Ungeziefer oder für die richtige Mondphase. "Wir arbeiten im Einklang mit der Natur, aber wir tüfteln auch gern", lacht Schreijäg, der in Deilingen einen Pferdehof führt. Neben Shetlandpony "Donut" stehen dort zudem zwei Noriker-Kaltblüter für die Arbeit bereit.

Offen gibt Schreijäg zu, dass nicht immer alles auf Anhieb klappt: Mit dem Lauch hatten sie zum Beispiel kein Glück. Und Rosenkohl gab’s nur sehr spärlich. Doch spätestens, wenn die Sonne über die Wälder blinzelt und die gebratenen Nudeln auf dem Lagerfeuer duften, sind alle Mühen vergessen.

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