Das SRH-Krankenhaus schreibt 2019 erstmals keine schwarzen Zahlen. Foto: Danner

Zu wenig Personal. Geschäftsführung will Berufsbild der Pflegekräfte attraktiver machen. Mit Kommentar

Oberndorf - Werner Stalla und Jochen Glöckner redeten nicht drum herum: Der Geschäftsführer der SRH Kliniken und der Geschäftsführer des SRH-Krankenhauses Oberndorf erklärten im Gemeinderat frei heraus: Das Krankenhaus der Neckarstadt wird 2019 erstmals keine schwarze Zahlen schreiben.

Das erwartete Negativ-Betriebsergebnis ist nicht etwa schlechter Belegung geschuldet. Ganz im Gegenteil, die Fallzahlen steigen kontinuierlich. Die wirtschaftliche Situation hat sich jedoch abermals verschlechtert – vor allem durch den Einsatz von externen Personal.

Die Leistungen des SRH-Krankenhauses sind gefragt, betonte Jochen Glöckner, der seit 1. April Geschäftsführer in Oberndorf ist. Um dem gerecht zu werden, bedarf es natürlich Personal –­ Pflegekräfte und Ärzte, die nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Also kauft sich das SRH-Krankenhaus externe Mitarbeiter ein. Und diese kosten im Vergleich zum angestellten Personal im pflegerischen Bereich das Zweifache, im ärztlichen Bereich gar das Vierfache. Das schlägt ordentlich aufs Budget. "Wenn wir nicht gezwungen wären, auf Leihkräfte zurückzugreifen, hätten wir das beste Ergebnis aller Zeiten. So gehen unsere Zahlen in den Keller", brachte es Werner Stalla im Gremium auf den Punkt.

Man sei jedoch positiv eingestellt und wolle das Ergebnis im kommenden Jahr wieder ins Positive führen. Die SRH Kliniken stünden zu ihrem Standort Oberndorf. Stalla nannte es eine "Perle, die sie hier haben".

Glöckner und Stalla machten kein Hehl daraus, dass sich die kleinen Krankenhäuser angesichts der politisch vorgegeben Rahmenbedingungen heutzutage schwer tun. Doch Oberndorf schlage sich "sehr, sehr wacker". "Wechselhafte Entscheidungen der Politik" machten das nicht einfach. Einerseits werde die wohnortnahe Krankenhausversorgung als notwendig dargestellt, anderseits schwächten die aktuellen gesetzlichen Entwicklungen gerade die kleinen Häuser. Man könne den Einruck gewinnen, dass kleinere Krankenhäuser die Personalreserve für große Klinken darstellten.

Mit moderneren und individuellen Arbeitzeitmodellen will die SRH das Berufsbild der Pflegekräfte und der Ärzte im Oberndorfer Krankenhaus attraktiver machen. Der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wolle man stärker Rechnung tragen, um wieder mehr Kräfte in der Pflege und Ärzte vor allem für die Innere Medizin zu bekommen.

Ein weiterer Baustein ist die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, die mit 40 Plätzen ans Oberndorfer Krankenhaus angegliedert ist. Für deren räumliche und kapazitative Ausweitung wurde ein Antrag beim Krankenhaustrukturfond in siebenstelliger Höhe gestellt. Die Schule soll auf 60 Plätze erweitert werden.

Kommentar: Kränkelnd

Das Bekenntnis des Geschäftsführers der SRH Kliniken zum Standort Oberndorf dürfte den Gemeinderäten und der Verwaltungsspitze gut getan haben. Die Stiftung Rehabilitation Heidelberg hat 27 Millionen Euro in die Generalsanierung gesteckt – zwei Drittel stammen aus Eigenmitteln. Diese Summe belastet das Ergebnis mit jährlich stattlichen 850 000 Euro. Das muss erst mal erwirtschaftet werden. Jetzt kränkelt die Oberndorfer Klinik erstmals selbst. Ein Rezept, das aus den roten Zahlen wieder schwarze macht, lässt sich nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln. Zumal der Gesetzgeber bei der "Behandlung" gerne mal dazwischenfunkt. Die SRH will den Heilungsprozess einleiten – sei es mit attraktiveren Arbeitzeitmodellen oder mit mehr Ausbildungsplätzen. Bleibt zu hoffen, dass der Patient Krankenhaus sich erholt.

Info: SRH-Krankenhaus in Zahlen

Das SRH-Krankenhaus hält 120 Planbetten vor, wovon 70 der Inneren Medizin und 50 der Chirurgie/Unfallchirurgie zugeordnet sind. Im Bereich Knie- und Hüftendoprothetik werden jährlich 400 Eingriffe vorgenommen – Tendenz steigen. Dazu werden Leistungen von Kooperationspartnern in den Bereichen Augen, Hand-, Wirbelsäulenchirurgie und Urologie angeboten, um das medizinische Angebot für die Bevölkerung auszuweiten. 18 Betten stehen in der Kurzzeitpflege zur Verfügung. Leistung: 6200 Fälle und 5420 Case-Mix-Punkte. Der sogenannte Case-Mix-Index beschreibt für einen bestimmten Zeitraum die durchschnittliche Schwere der Patientenfälle gemessen an einer Skala, die dem Gesamt-Ressourcenaufwand entspricht. Er stellt ein Maß für den relativen ökonomischen Ressourcenaufwand aller behandelten Krankenhausfälle dar.