Die Plastik "Bewegung II" von Wander Bertoni bildet einen Gegensatz zum Opernhaus. Foto: Weber Foto: Schwarzwälder Bote

Ausflug: "Mit den Bürgern unterwegs" in Stuttgart / Kultur- und Technik-Tour

Oberndorf (wak). Rund 35 Personen hatten Lust, bei einer "Mit den Bürgern unterwegs"-Ausfahrt die Landeshauptstadt näher zu erkunden. Die mehr technisch Interessierten machten sich mit Robert Häring auf den Weg, um Stuttgart 21 näher zu ergründen. Peter Wolf hatte sich für "seine" Stadtwanderer das "Bohnenviertel" als Thema ausgesucht.

Schon beim Oberen Schlossgarten wusste er Interessantes zu erzählen; so zum Beispiel, dass das Stuttgarter Staatstheater europaweit das größte Drei-Sparten-Haus ist. Natürlich galt dem 1909 bis 1912 erbauten Opernhaus ein besonderer Blick. Einen Gegensatz dazu bildet die Plastik "Bewegung II" von Wander Bertoni. Nun führte der Weg am baden-württembergischen Landtagsgebäude vorbei, ein kleines Stück an der "Kulturmeile" (Konrad-Adenauer-Allee) entlang.

Dann führte Peter Wolf geradewegs ins "Bohnenviertel". Der Name des ältesten Stuttgarter Stadtviertels, das im 15. Jahrhundert von Graf Eberhard III. für Handwerker und Weingärtner gegründet wurde, komme von der Gartenbohne. Sie war das Hauptnahrungsmittel der armen Bevölkerung und konnte in Vorgärten angebaut oder auch an Hauswänden hochgezogen werden.

Die Bewohner galten als leicht verschroben, eben etwas Besonderes. In den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dieses Quartier saniert. Die Bevölkerung ist jetzt ein Mix aus Alteingesessenen und Neulingen, oftmals Künstlern.

Gleich am Beginn dieser kleinen Welt offeriert das Café Nast seit 1909 seine "Schneebergle", anderswo "Baiser" oder "Merinque" genannt. Der Weinhandlung Stetter wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet, kann man dort mehr als 500 Sorten Wein ordern. Der "Schellenturm", Rest der Stadtbefestigung, mit seinem kleinen Wirtschaftsgarten ist ein Insidertipp.

In der Rosenstraße kann man sich leicht in die Zeit um 1900 zurückversetzen: Hausfrauen nachempfinden, die gerade einkaufen, und sich Buben vorstellen, die sonntags in Bleyle-Matrosenanzügen zur Leonhardskirche gehen. Dann ging es zum Rathausplatz, wo das neue Rathaus mit dem erhalten gebliebenen alten Teil ein würdiges Anschauungsobjekt war. Nach dem Mittagessen in einem Lokal gegenüber der Markthalle, die wie die Oberndorfer evangelische Stadtkirche von Martin Elsässer erbaut wurde, ging es zum "Eingemachten".

Die Stiftskirche war einer der Höhepunkte. Ausgiebig wurde diese für Stuttgart so prägende Kirche betrachtet. Manche Gedanken zur Gestaltung wurden diskutiert, die Orgel gebührend bewundert.

Am ehemaligen Fruchtkasten vorbei, jetzt Haus der Musik, beeindruckten der Schillerplatz und vor allem die Fassade des Alten Schlosses, das am 21. Dezember 1931 bis auf die Grundmauern abbrannte.

Im prächtigen Hof schien an diesem fast heißen Herbsttag noch ein bisschen Renaissanceluft sanft zu wehen. Graf Eberhard im Barte, seit 1495 Herzog von Württemberg, scheint noch immer machtvoll, aber nicht herrisch, über seine Bewunderer zu blicken. Vorbei am Würfel des Stuttgarter Kunstmuseums endete dieser Rundgang vom gebürtigen Stuttgarter Peter Wolf.

Die "Gruppe Technik" ließ sich in die technischen Gegebenheiten der riesigen Baustelle für das Projekt Stuttgart 21 einführen. Der "Vorarbeiter" der Aktion "Bürger für Bürger", früher Mitarbeiter der DB, konnte alles verständlich erklären. Ein Blick vom Bahnhofsturm über die Baustelle eröffnete die Dimensionen dieses Bauwerkes.

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