Wehmut aber auch Dankbarkeit empfinden Martina und Josef Schreiner von der Oberen Kapfenhardter Mühle. Ende April schließen sie ihr Mühlelädle – für immer. Damit geht eine 400-jährige Familientradition zu Ende.
Unterreichenbach-Kapfenhardt - 1603 wurde die Familie Mönch als Besitzer der Oberen Kapfenhardter Mühle erstmals urkundlich erwähnt. "Wir sind die zwölfte Generation", berichtet Martina Schreiner. Die 59-Jährige ist eine geborene Mönch. Seit 1984 bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann Josef die Mühle. In diesem Jahr haben die beiden geheiratet. 1985 ging das Anwesen in ihren Besitz über. Bereits 1980 erhielt Martina Schreiner ihren Gesellenbrief als Müllerin. Ihr Mann Josef stammt aus dem bayerischen Furth im Wald. Der 67-Jährige ist seit 1977 Müllermeister.
Hauseigene Backmischungen
Seit 1985 gibt es das Mühlelädle. Im Laufe der Jahre ist es immer größer geworden und hat sich gut etabliert. Zehn Mitarbeiter beschäftigen die Schreiners im Laden und in der Produktion. Von Müslisorten über hauseigene Backmischungen bis hin zu Naturkostwaren gibt es im Geschäft ein breites Sortiment. Im Umkreis von 50 Kilometern beliefern Martina und Josef Schreiner 65 Märkte. "Ich war die letzten 20 Jahre jeden Tag unterwegs zu den Märkten", erzählt Josef Schreiner im Gespräch mit unserer Redaktion.
Doch das Mühlelädle wird Ende April geschlossen. Martina und Josef Schreiner haben für das Geschäft keinen Nachfolger. Sie selbst gehen in den Ruhestand. Die beiden Söhne des Ehepaares verfolgten andere Pläne. Sohn Josef hat zwar im Betrieb mitgearbeitet und sich vor allem um die EDV gekümmert, doch den Betrieb übernehmen will er nicht. Dafür haben die Eltern Verständnis. Da gibt es Wehmut. Immerhin geht eine 400-jährige Familientradition zu Ende. Das ist ein Stück Wirtschaftsgeschichte im Kapfenhardter Tal. Doch letztendlich empfinden die Schreiners vor allem große Dankbarkeit für die vergangenen Jahre. "Ohne die Familie und gute Freunde hätten wir dies so nicht stemmen können", sagt Martina Schreiner.
Bei Gesundheitsmessen
Gerne erinnert sich das Ehepaar an die Mühlentage zurück, an denen sie zwischen 1995 und 2019 dabei waren. Immer am Pfingstmontag öffneten Mühlen in ganz Deutschland ihre Pforten, um den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen werfen zu lassen. Auch bei verkaufsoffenen Sonntagen in Schömberg, Verkostungen in Supermärkten und Gesundheitsmessen waren die Schreiners dabei.
Exklusivrechte verkauft
Bis zum Jahr 2000 haben die Schreiners noch Getreide von Landwirten angenommen und gemahlen. Im gleichen Jahr stellten die Schreiners auch die Herstellung von Futtermitteln ein. In früheren Jahren gab es auch noch eine Gaststätte. Jetzt steht noch bis Ende April der Abverkauf von Waren auf dem Programm. Und ein bisschen weiter geht es trotzdem. Ein Müller aus der Pfalz kaufte das Exklusivrecht für die von Martina Schreiner ausgetüftelten Rezepturen für ihre Backmischungen.