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Nusplingen Die Zahlen bekommen Gesichter

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Das Bild zeigt das Ehrenmal der Weltkriegstoten neben der Alten Friedhofskirche. Foto: Schwarzwälder Bote

75 Jahre ist es nun her, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen ist. Bürgermeister Jörg Alisch erinnert an das schreckliche Elend, das auch unmittelbar in Nusplingen präsent war, und betont dabei die Bedeutung des Gedenkens an jene Zeit.

Nusplingen. Auf dem Dachboden des Nusplinger Rathauses befindet sich eine große Tafel, bei deren Betrachtung sich gemischte Gefühle breit machen: zum einen das Gefühl der Bestürzung, der Unfassbarkeit. Zum anderen das Gefühl der Dankbarkeit für den Frieden und die Hoffnung, dass dieser künftig währt.

Die Tafel zeigt Fotos der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten aus der Gemeinde. 260 Nusplinger wurden in den Jahren 1939 bis 1945 zum Kriegsdienst eingezogen. 98 von ihnen kehrten nicht mehr zurück. 70 von ihnen haben im Krieg ihr Leben gelassen, 28 galten als vermisst. Am Volkstrauertag, der jährlich im November begangenen wird, wird der Opfer der Weltkriege besonders gedacht.

In diesem Zusammenhang verweist Jörg Alisch auf den Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge, der auf seiner Internetseite Informationen über Gefallene und Vermisste bereithält. Auch er selbst habe schon die letzte Ruhestätte von vermissten Verwandten über diese Gräbersuche gefunden.

"Sie wurden mitten aus dem Leben gerissen"

Beim Betrachten der Tafel auf dem Rathausdachboden stellt der Bürgermeister fest: "Die Zahlen und Namen bekommen hier Gesichter. Das damalige Elend wird bildlich." Viele, vor allem junge Gesichter, schauen einem entgegen. Es wird bewusst: All diese Menschen, die einen so arglos und unbefangen anblicken, wurden mitten aus ihrem Leben gerissen und hinterließen große Lücken in ihren Familien.

Die Tafel führt vor Augen, dass es sich bei diesen Gefallenen, deren Namen auch auf einem Ehrenmal bei der Alten Friedhofskirche in Nusplingen verewigt sind, nicht um Unbekannte handelt. Alisch stellt fest, dass die Nachnamen der Männer zum Großteil auch heute noch stark in der Nusplinger Bevölkerung vertreten sind. Dadurch wird deutlich, dass die Gefallenen keine Fremden sind. Ihre Nachkommen wohnen oft heute noch in Nusplingen; sie sind Teil der Dorfgeschichte.

"Wir können uns heute gar nicht vorstellen, welches Leid die Menschen damals erfahren mussten", meint Alisch. Als Bürgermeister besuche er unter normalen Umständen immer wieder ältere Dorfbewohner anlässlich ihres runden Geburtstages. Wenn diese ihm dann von den Kriegszeiten erzählen, dann geht ihm das unter die Haut. Er erinnert sich an eine Erzählung über ein Kind, das bei einem Tieffliegerangriff ums Leben gekommen ist. Weiter erinnert er sich an eine Frau, die ihm erzählte, dass sie mit Anfang 20 nach einem Jahr Ehe plötzlich verwitwet war. Wenn einem die Menschen, die das Geschehen damals hautnah miterlebt haben, von dieser Zeit erzählten, so Alisch, dann werde das Leid nachvollziehbar, spürbar.

In diesem Zuge äußert er einen Wunsch an die älteren Bürger: "Erinnern Sie Ihre Kinder und Enkel an die vielen Opfer auch aus unserer Heimat. Erzählen Sie den nachgeborenen Generationen, was Sie Schlimmes erlebt haben. Wenn Sie das Ihren Enkeln erzählen, wirkt das sicherlich besser als jede noch so gut gemachte Dokumentation im Fernsehen." Für den Bürgermeister ist das eine Mahnung, dass Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen sind.

"Hoffentlich waren sie die Letzten"

So bestürzend der Anblick der vielen Gesichter der Gefallenen auf der Gedenktafel auch ist, keimt in Alisch eine gewisse Hoffnung: "Die Hoffnung, dass diese Personen aus unserem Dorf, und natürlich auch darüber hinaus, die letzten sind, die einem Gewaltexzess zum Opfer fielen." Frieden, wie er in Europa seit Jahrzehnten herrscht, sei keine Selbstverständlichkeit. Deshalb findet Alisch es wichtig, sich an die Opfer des Weltkrieges zu erinnern und sich zu besinnen.

Besonders am Volkstrauertag werde dieses Gedenken in Nusplingen immer würdevoll begangen. In diesem Jahr musste der Trauermarsch zum Ehrenmal der Weltkriegstoten bei der Alten Friedhofskirche pandemiebedingt abgesagt werden. Trotzdem ruft Alisch die Bevölkerung zum Gedenken auf: "Wir alle tragen Verantwortung für Frieden und Versöhnung."

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