Die Notrufnummer 112 ist immer erreichbar und in der ganzen Europäischen Union gültig. Foto: Pixabay/Golda

Anlässlich des Tags des europäischen Notrufs am 11. Februar hat das Regierungspräsidium eine Notrufstatistik veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der Notrufe im Zollernalbkreis um mehr als 22 Prozent gestiegen ist.

Ein Auto hängt im Graben, auf dem Fahrersitz eine verletzte Person. Die gestürzte Seniorin die sich etwas gebrochen hat, oder ein lodernder Brand in einem Wohngebäude – die erste Reaktion ist „112 wählen“.

 

Die europäische Notrufnummer,die 1991 vom Ministerrat der EU eingeführt wurde, ist rund um die Uhr besetzt und in der gesamten EU gültig. Täglich werden darüber tausende Notfälle bearbeitet.

Notrufzahlen sind im Zollernalbkreis deutlich gestiegen

Für den Zolllernalbkreis verzeichnet das Regierungspräsidium Tübingen für 2023 einen Anstieg von mehr als 7000 Notrufen gegenüber dem Vorjahr. Bei insgesamt 40 497 Notrufen im Kreis entspricht das einem Zuwachs von 22,33 Prozent. Im gesamten Regierungsbezirk stieg die Zahl an Notrufen um 20,16 Prozent.

Doch woher kommt diese Steigerung, insbesondere im Zollenalbkreis? Unsere Redaktion erkundigte sich bei Kreisbrandmeister Sven Röger und bei der Leitstelle des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Blick in die Integrierte Leitstelle Balingen Foto: DRK

Laut Dietmar Dieter, stellvertretender Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Zollernalb lasse sich der Anstieg hauptsächlich auf die acht Unwetterlagen im vergangenen Jahr zurückführen. Weil so viele Notrufe eingengangen sind, musste die Leitstelle teilweise weitere Mitarbeiter anfordern. Allein im September musste zwei Mal Verstärkung geholt werden, um der Anzahl der eingehenden Notrufe und Einsatzstellen Herr zu werden.

An einem „Unwetterabend“ im September wurden zwischen 20 Uhr und Mitternacht beispielsweise 500 Notrufe dokumentiert. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2022 gab es nur vier Anlässe, an denen die Leitstelle Verstärkung gefordert hat.

Die meisten Notrufe sind wegen akuter Verletzungen

Die meisten Notrufe gehen wegen akuter Verletzungen und Erkrankungen ein. Anrufe zu Brandeinsätzen und Verkehrsunfällen werden im Gegensatz dazu seltener verbucht. Das DRK appelliert an die Bürger, Erste-Hilfe Kurse zu besuchen. „Die zeitliche Überbrückung der ersten Minuten bis zum Eintreffen der Helfer-vor-Ort-Gruppen oder der Rettungsdienste sind oftmals maßgeblich für den weiteren Genesungsverlauf“, erklärt Dieter. Nichtsdestotrotz vermutet das Regierungspräsidium Tübingen den Anstieg der Notrufzahlen darin, dass die Hemmschwelle, einen Notruf abzusetzen, gesunken sei. Daher werden die Einsatzkräfte vermehrt in Anspruch genommen.

Falsche Notrufe binden Ressourcen in den Leitstellen

Dieter vom DRK ergänzt: „Wenn die anderen Systeme im Gesundheitssystem und der Gefahrenabwehr funktionieren, landen tatsächlich nur die ‚richtigen Notfälle‘ bei der Leitstelle. Leider ist es so, dass die Nummer 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes noch nicht so reibungslos funktioniert, wie wir es uns wünschen.“ Anrufer, die beim Bereitschaftsdienst in der Warteschleife hängen, würden oft auflegen und alternativ die Notrufnummer 112 wählen, selbst wenn kein akuter Notfall vorliegt. „Das ist ärgerlich und bindet Ressourcen in den Integrierten Leitstellen“, sagt Dieter weiter.

Die 112 ist die richtige Wahl

Dennoch sind sich Kreisbrandmeister Sven Röger und der DRK-Kreisverband einig: „Die Einrichtung des Europäischen Notrufs 112 war eine richtige und wegweisende Entscheidung“. Die Nummer habe sich bewährt und führe insbesondere bei den integrierten Leitstellen zu einer schnellen und qualifizierten Hilfe für die Bevölkerung.

„Ob bei Bränden, Unglücksfällen, lebensbedrohlichen Verletzungen oder medizinischen Notfällen – die 112 ist die richtige Wahl“, sagte bereits der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl mit dem Blick auf den Tag des Europäischen Notrufs.

Welche Nummer rufe ich wann an ?

Die 112
ist bei Bränden und akuten, möglicherweise lebensbedrohlichen Notfällen die richtige Nummer. Dazu gehören beispielsweise Unfälle mit Verletzungen/ Verbrennungen sowie Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die 116117
ist die ärztliche Bereitschaftsnummer und für dringende, aber nicht Lebensbedrohliche Situationen vorgesehen, insbesondere wenn die Arztpraxis geschlossen ist. Hierzu gehören beispielsweise Infektionen von Hals, Nase und Ohren, Magen-Darm-Infekte oder ein Hexenschuss.