In der Loipe wieder mal super schnell unterwegs war Nathalie Armbruster auch im kalten Finnland. Foto: Matthias Schrader/AP/dpa

Beim Weltcup der nordischen Kombination im estnischen Otepää zeigen die deutschen Starterinnen und Starter starke Leistungen. Auf dem Treppchen landen aber andere.

Was für ein Gepoker: Beim Ringen um Kompensationspunkte auf der Schanze ist die Freudenstädterin Nathalie Armbruster von einem norwegischen Trio von einem möglichen Podestplatz auf Rang 4 zurückgedrängt worden, während die Baiersbronnerin Svenja Würth sich erfolgreich vom drittletzten Platz nach dem Lauf auf Platz 9 hievte.

 

Manuel Faißt mit maximalem Pech

Bei den Männern hatte Manuel Faißt (SV Baiersbronn) nach einer superstarken Laufleistung Pech mit dem Wind: Bei den schlechtesten Bedingungen aller 48 Starter musste er nach Rang 6 im Laufen mit minimalem Rückstand nach ganz vorn mit Platz 10 vorliebnehmen.

In dem wieder vermehrt angesetzten Massenstartrennen, das im Gegensatz zum neuen Compact Race die guten Springer bevorteilt, wird zuerst der Langlauf absolviert, und die Zeiten werden als Minuspunkte mit auf die Schanze genommen.

Schnelle Rennen auf hartem Schnee

Die Loipe bot genau die Bedingungen, die die Kombiniererinnen und Kombinierer lieben und die sie im österreichischen Seefeld vermisst hatte, wie vor allem Manuel Faißt kritisiert hatte: Bei minus 10 Grad war sie hart und schnell. Und so entwickelte sich bei Frauen und Männern spannende Rennen mit Tempoverschärfungen und taktischen Manövern.

Nathalie Armbruster macht Tempo

Im schnellen 5-Kilometer-Rennen der Frauen gaben die beiden Norwegerinnen Ida Marie Hagen, Gyda Westvold Hansen und Nathalie Armbruster (SV/SZ Kniebis) das Tempo vor. Im Ziel hatte Hagen 10,9 Sekunden Vorsprung auf Westvold Hansen und 11,4 auf Armbruster. Jenny Nowak hielt sich als Fünfte (+31,1) sehr gut, Svenja Würth, die trotz ihrer Handverletzung antrat, musste in der Loipe ein paar Federn lassen (+1:33,1).

„Misses Pokerface“ gesucht

Doch dann war sie die Erste, die auf der Schanze zwei Luken weniger Anlauf nahm als die Konkurrenz und sich mit den 9,4 Bonuspunkten für lange Zeit nach ganz vorne setzte. Am Ende reichte es für Platz 9 – und sie konnte miterleben, wie die norwegische Konkurrenz den Titel „Bestes Pokerface“ ausspielte.

Wer geht die meisten Luken runter?

Mari Leinan Lund, nach dem Langlauf nur Zwölfte, verkürzte den Anlauf um drei Luken, kam trotzdem auf 92,0 Meter und flog nach ganz vorn. Während Nathalie Armbruster einen sehr guten Sprung zeigte – aber eben ohne Zusatzpunkte für Anlaufverkürzung – setzte Gyda Westvold Hansen noch einen drauf: Mit vier Luken weniger Anlauf ersprang sie einen riesigen Vorsprung, den Laufsiegerin Hagen nicht wettmachen konnte – Hagen blieb Platz 2 vor Leinan Lund und Armbruster.

Bei den Männern fegten die Deutschen nur so durch die Loipe: Vinzenz Geiger, Johannes Rydzek und Manuel Faißt gingen mit unter einem Punkt Abzug auf die Schanze, wo das Schicksal dann für den Baiersbronner seinen unguten Lauf nahm.

Eric Frenzel bemängelt fehlendes „Windglück“

„Speziell bei Manu hatten wir kein Windglück“, musste Bundestrainer Erik Frenzel mit ansehen, wie Faißt beim Erfolg von Dauersieger Jarl Magnus Riiber (vor Kristjan Ilves und Johannes Lamparter) auf Platz 10 geblasen wurde. Bester Deutscher war am Ende Johannes Rydzek auf Platz 6.

Weitere Chancen in Otepää

Am Samstag (11.30 Uhr/15.30 Uhr Frauen; 13.00/14.45 Uhr Männer) und Sonntag (09.30/12.00 Frauen; 10.15/13.15 Männer) haben nicht nur die deutschen Kombinierer nach der gewohnten Gundersen-Methode (erst Springen, dann Langlauf) weitere Chancen, in Estland das Podest zu entern.