Hat einen Onlineshop für Designermode gegründet und betreibt Pop-up-Stores in Villingen und Schwenningen: Noa Hönig. Foto: Birgit Heinig

Mit seinem Second-Hand-Handel für ausgewählte Kollektionen hat Noa Hönig aus Villingen einen Nerv getroffen. Das Geschäft brummt. Das Konzept ist derzeit auch in einem Pop-up-Store in Schwenningen zu erleben.

Noa Hönig ist erst 21 Jahre alt, aber schon auf dem besten Wege, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu werden. Sein Onlineshop für Designermode aus zweiter Hand boomt. Sein Ziel: bald zu den erfolgreichsten drei der Branche zu gehören.

 

Soeben konnte man vier Tage lang in der Niederen Straße in Villingen sein Konzept in einem Pop-up-Store kennenlernen. Seit Donnerstag und noch bis einschließlich Sonntag, 12. November, betreibt er einen ebensolchen in der Schwenninger Muslen.

Er und seine beste Freundin Julia Ankiewicz, seit einem Jahr auch seine Geschäftspartnerin, genießen es, zu sehen, wie „die modebegeisterten Villingen-Schwenninger kommen und beeindruckt wieder gehen“.

Karriere im Nobelhotel

Noa Hönig kam im französischen Haguenau zur Welt, zog als Zehnjähriger zu seinem Vater nach Baden-Baden und begann nach der Mittleren Reife eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Da die ihm nicht herausfordernd genug erschien, wechselte er in den Service eines Fünf-Sterne-Hotels.

Nicht zuletzt aufgrund lobender VIP-Gäste machte er schnell Karriere, entfloh letztlich aber dem dort herrschenden „rauen Ton“. Gewillt, doch noch eine Ausbildung vorweisen zu können, wechselte er zu einer Immobilienagentur – und kündigte nach drei Tagen. „Schrecklich war es da“, erinnert er sich nur ungern. 2020 kam er der Liebe wegen nach Villingen und lebt hier mit seinem Partner zusammen.

Nachhaltige Geschäftsidee

Schon Jahre zuvor hatte Noa Hönig damit begonnen, das digitale Einkaufsportal www.revivepersonality.de aufzubauen. Mode war schon immer das, was ihn am meisten interessierte. Als Jugendlicher genoss er es, mit seiner Oma in Straßburg shoppen zu gehen und freute sich über jedes modische Teil, das sie ihm spendierte. „Ich begann, mit Mode meine Persönlichkeit, aber auch meine jeweiligen Stimmungen auszudrücken“, erzählt er.

In seiner Zeit im Nobelhotel, in der er täglich mit den Reichen und Schönen zu tun hatte, war ihm besonders deren Garderobe aufgefallen. Und da es in jenen Kreisen unüblich ist, ein Kleidungsstück mehrmals zu tragen und in den Kleiderschränken immer wieder Platz für die neuen Kollektionen geschaffen werden muss, kam ihm seine nachhaltige Geschäftsidee: ein Second-Hand-Handel mit edler Mode – und mit Designertaschen. Letztere sind teilweise begehrte Sammlerstücke, die als bewusst verknappte Neuware schon kaum zu bekommen und „wenn sie den Laden verlassen schon das Doppelte wert sind“ weiß der „taschenverrückte“ Noa Hönig. Als Beispiel nennt er sein Wunschobjekt, die „Hermès Birkin“, benannt nach der Sängerin Jane Birkin, die momentan rund 20 000 Euro wert ist.

In der Regel sind seine qualitativ hochwertigen Produkte allerdings zum Schnäppchenpreis zu haben. Nachdem er das passende Shopsystem gefunden hatte, ging es an die Akquise. Gefunden werden mussten Menschen, die sich von ihrer Garderobe aus den bekannten Designerhäusern dieser Welt trennen und sie ihm auf Kommission anvertrauen würden. „Das ist natürlich eine Sache des Vertrauens“, sagt er.

Plagiate schnell entdeckt

In diesem Jahr gab er richtig Gas. Eine durchdachte Werbekampagne in den sozialen Netzwerken schlug ein wie eine Bombe. Innerhalb kürzester Zeit hatte er 130 Kunden, zumeist weibliche. Aktuell bietet er rund 2000 Damen-, aber nur 40 Herrenartikel im Netz an. Seine eigene Mode muss er daher selbst suchen und findet sie unter anderem auf Flohmärkten. Das Kaschmir-Shirt, das er beim Interview trägt, hat er für zwei Euro erstanden.

Er kleidet sich schlicht und achtet auf natürliche Fasern. Die Fälschung eines echten Designerstückes erkennt Hönig sofort. Die nach dem vermehrten Aufkommen von Plagiaten seit 1990 in jeder echten teuren Klamotte eingenähten Data-Codes helfen dabei. Jedem seiner Stücke, das er verkauft, liegt ein Echtheitszertifikat bei.

Beratungsfirma gegründet

Auch wenn das Online-Geschäft brummt, können Noa Hönig und sein Team noch nicht davon leben. Sie alle sind berufstätig. Er selbst ist gerade dabei, die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce abzuschließen. Ab Februar wird er in einer Agentur als Projektleiter anfangen. „Dank der Investition in Schulungsplattformen lernen wir alle jeden Tag dazu“, sagt er.

Sein Wissen gibt er an Gründer und andere Selbstständige weiter. Mit einem früheren Klassenkameraden gründete er noch eine Beratungsfirma, in der er Tipps für den Aufbau von Online-Shops und Webseiten, für Online-Werbung und den optimierten Auftritt bei Suchmaschinen gibt.