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Neuweiler Ein Teil württembergischer Flößergeschichte

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Dieses etwa 110 Jahre alte Bild des Hoffotografen Blumenthal zeigt Flößer oder Wiedendreher beim Herstellen von Bindematerial für die Langholzflößerei aus meist jungen Fichtenstämmen und ist auch in "Joggele sperr!" zu sehen. Foto: Digitalarchiv Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Hans Fischer ist 93 Jahre alt und lebt heute in Zwerenberg. Aber mehr als ein Drittel seiner Tage verbrachte er von 1954 bis 1988 als Einwohner von Calmbach. Von dort aus betreute er für das Forstamt Wildbad als Forstrevierleiter das Kleinenztal.

Neuweiler-Zwerenberg/Bad Wildbad-Calmbach. Beim Forstamt hat Fischer förmlich die Flößerei studiert und in seinem 108 Seiten umfassenden, bebilderten Buch "Joggele sperr!" dokumentiert.

Zum Aufgabengebiet gehörten auch Begehungen entlang dem Wasserlauf mit dem damaligen Wasserwirtschaftsamt Freudenstadt. Auffallend waren dabei für den jungen Forstmann die in bestimmten Abständen vorzufindenden Mauern. Diesen ging er in Gesprächen und Archiven sowie vor Ort auf den historischen Grund. Alle Erkenntnisse flossen in sein viel beachtetes Büchlein ein.

Guten Kontakt hatte Fischer zu dem früheren Landesforstpräsidenten Max Scheifele. Denn beide interessierte die alte Handwerks- und Heimatgeschichte des Schwarzwalds. Sie tauschten sich darüber aus, und manches von Fischer Erforschte fand auch Eingang in Scheifeles Buch aus dem Jahr 1996 über die Flößerei mit dem Titel "Als die Wälder auf Reisen gingen". Er gibt die Quelle in folgender Zusammenfassung an: "Fischer H.: Joggele sperr! Wissenswertes über die Flößerzunft im Zusammenhang mit der Geschichte Calmbachs. Pforzheim 1983."

Drei Abschnitte

Um die Jahrtausendwende war die erste Auflage von Fischers Band vergriffen. Es gab einen auf 120 Seiten erweiterten Nachdruck. Gegliedert ist das Büchlein im DIN A5-Format in die drei Abschnitte "Wie es einmal war", "Geografische und geschichtliche Zusammenhänge" sowie "Flößerei in der Praxis". Im Vorwort hält Hans Fischer fest: "Dass dieser Berufszweig einmal das älteste Gewerbe des Ortes war, und dass Calmbach der Mittelpunkt der Flößerei im Enztal war, ist leider in Vergessenheit geraten."

Der erste Abschnitt beschreibt – teils noch nach Informationen direkt von einem alten Calmbacher Flößer – anschaulich die Arbeit des Einbindens der Flöße etwa bei der Agenbacher Sägemühle und die schwere Arbeit. Nicht weniger hart wurde die Talfahrt auf dem Bach, die durch das Ablassen der Wasserstuben – so hießen die kleinen Stauseen – mit dem Kommando, "Joggele sperr!", zum reißenden Fluss für die Talfahrt des riesigen Wasserfahrzeugs mit einer Länge von bis zu 240 Metern bei vier Metern Breite wurde.

Die Geschichte im zweiten Abschnitt reicht von den Alemannen bis fast in die Gegenwart bezüglich allgemeiner Gepflogenheiten und rechtlicher Festlegungen. Es folgt dann insbesondere eine Transkription des ersten bekannten Vertrags über die Flößerei in Deutschland überhaupt aus dem Jahr 1342 zwischen Markgraf Rudolph IV. von Baden und Graf Ulrich von Württemberg über das Flößen auf Würm, Nagold, Enz und Neckar mit Vorschriften über die Arbeit an sich, zum Verhalten der Flößer, die Zuständigkeiten zum Unterhalten der Strecken sowie den oft in Naturalien zu leistenden Zoll.

Sieben aktive Mühlen

Warum sich Calmbach zurecht Flößerdorf nennt, zeigt die Aufschlüsselung im Buch von Fischer, wenn er schreibt: "Die Bevölkerung Calmbachs wurde 1850 auf 1650 Seelen gezählt. Unter den 306 aktiven Bürgern fanden sich 100 Holzfäller und Tagelöhner, 62 Flößer, 20 bis 30 Holzfuhrleute, ein Dutzend Holzhändler, 18 Schuster, Metzger, Bäcker Zimmerleute, Schmiede, Leineweber, Fischer, Seifensieder, Pottaschesieder, Ziegler, Rothgerber und noch andere Berufe."

Wem dies und die Tatsache von sieben damals aktiven Sägemühlen bekannt ist, der weiß, warum das Flößermuseum im Ort so viele Original-Exponate besitzt.

Im dritten Abschnitt geht Fischer auf die Praxis des Floßbaus und der Wasserstuben ein. Bis heute für Wanderer ein Ziel ist die Seelig-Wasserstube, die unter Fischers Regie teils renoviert, teils rekonstruiert wurde. Pläne und Bilder – auch von Werkzeugen – ergänzen den Inhalt dieses Kapitels.

Erhältlich ist der Band zum Preis von fünf Euro bei Alfred Kiefer (kiefer.alfred@t- online.de) vom Kreisgeschichtsverein Calw. Dem Verein hat Fischer ein Kistchen voll davon aus dem Restbestand der zweiten Auflage gespendet. Und was unternahm Hans Fischer als Ruheständler, was treibt er als hellwacher und vitaler 93-Jähriger? Zunächst zog es den passionierten Jäger 1988 nach Schottland. Dort schoss er nicht nur seine beiden letzten Hirsche, ehe er das Jagdgewehr beiseitelegte. Er betrieb eine Agentur für das Jagdwesen. Nach zehn Jahren zog es ihn zurück nach Deutschland.

Nach kurzer Zwischenstation in Bieselsberg lebt er seit nunmehr 20 Jahren mit seiner Ehefrau in Zwerenberg. Dort gefällt es ihm, und er verfolgt interessiert das Tagesgeschehen. Durch seine fast tägliche Spazierrunde von etwa drei Kilometern bleibt er fit und hat Kontakt zu den Menschen im Dorf.

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