Lysann Masic-Reppe von der Stadtverwaltung, Bürgermeister Markus Huber und IHG-Vorsitzende Christina Braun (von links) laden zum Neujahrsempfang ein. Foto: Steinmetz

Beim anstehenden Neujahrsempfang in Dornhan referiert die ehemalige Vorsitzende von IBM Deutschland, Martina Koederitz. Bürgermeister Markus Huber äußert in der Vorbereitung Kritik an der aktuellen Politik.

Die Stadt und die Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe Dornhan laden zum Neujahrsempfang am Freitag, 2. Februar, in der Stadthalle ein. Gastreferentin ist die ehemalige Vorsitzende von IBM Deutschland, Martina Koederitz. Ihr Thema: „Was nun? Weitermachen oder aufgeben?“

 

600 Einladungen haben die Veranstalter verschickt, doch, wie IHG-Vorsitzende Christina Braun und Bürgermeister Markus Huber betonen, sind alle Interessierten eingeladen. Auch jüngere Besucher seien willkommen.

Reichlich Diskussionsstoff

Der Neujahrsempfang ist in Dornhan das größte gesellschaftliche Ereignis. Vertreter des Handwerks, der Industrie, Behörden, Politik und Vereine aus dem ganzen Landkreis Rottweil treffen sich. Statt übereinander soll miteinander geredet werden, wenn am Ende des offiziellen Teils die Stühle beiseite geräumt werden und der gesellige Teil beginnt. Diskussionsstoff wird nicht nur der Vortrag der Wirtschaftsexpertin bieten.

Bürgermeister Huber und Christina Braun wollen auch aus lokaler Sicht Themen ansprechen und auf den Punkt bringen, die sie bewegen. „Man darf alles sagen, nur nicht zu lang“, erklärt Huber, den allerdings momentan eine ganze Menge aufwühlt, wenn er an die Politik denkt. Von daher ist er diesmal ganz froh, dass kein Politiker den Vortrag hält. Gleichwohl erhofft er sich, dass der eine oder andere Abgeordnete den Weg nach Dornhan findet und so mitbekommt, wie an der Basis die Diskussionen verlaufen.

Huber beklagt überbordende Bürokratie

Was die Politik nicht schafft, das sollen, so Huber, die Kommunen richten. Dafür werden ihnen auch noch bürokratische Hindernisse in den Weg gelegt. Schnell etwas auf die Beine zu stellen, geht da schon gar nicht mehr. Huber nennt als Beispiel die Schulerweiterung in Weiden. Die Planung für einen einfachen Anbau musste europaweit ausgeschrieben werden. Dass dadurch das Bauvorhaben nicht nur verteuert, sondern auch verzögert wurde, sei nicht mehr zeitgemäß. Nur in Krisenzeiten wie 2009 oder während der Corona-Pandemie gehe es voran, in der Normalität aber sei man zu behäbig und dies ohne Qualitätszugewinn.

Er nennt ein weiteres Beispiel für überbordende Bürokratie. Wegen des neuen Dorfplatzes in Fürnsal sei die Stadt gleich zweimal geprüft worden. „Als ob wir Schindluder treiben würden“, ärgert sich Huber, „da sieht man das grundsätzliche Misstrauen.“ Zu schaffen macht den Kommunen nicht zuletzt die übertriebenen Standards. Wunschkonzerte aus Berlin müssten bezahlbar sein. Ganztagsbetreuung wäre auch für Huber wünschenswert, aber anderseits habe man Mühe, Personal für Kindergärten zu finden. Ein großes Problem sieht er auf die Wirtschaft zukommen, wenn die „Babyboomer“ in den Ruhestand gingen. „Die Politik muss sich mit der Wirklichkeit befassen“, fordert Huber.

Musik dazwischen

Der Neujahrsempfang beginnt am 2. Februar um 18.30 Uhr mit einem Sektempfang. Das Programm startet um 19.30 Uhr mit der Begrüßung und Ansprache der IHG-Vorsitzenden Christina Braun und Bürgermeister Markus Huber, danach hält Martina Koederitz ihren Vortrag. Dazwischen gibt es Musik: Es spielt das Dornhaner Quartett „Cool Vibes“.

Die Referentin: Martina Koederitz, geboren 1964, hat nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium 1987 ihre Karriere bei IBM als Systemberaterin begonnen. 1998 wurde sie als Sales-Managerin mit ersten Führungsaufgaben betraut, fünf Jahre später leitete sie den Betrieb in der Großrechnersparte Europa. Als erste Frau bei IBM Deutschland übernahm sie 2011 die Geschäftsführung und 2015 zusätzlich die Verantwortung für die Geschäfte in Österreich und der Schweiz. Von 2018 an war sie für weitere Bereiche des Unternehmens weltweit verantwortlich. Seit Mitte 2021 ist Martina Koederitz selbstständig tätig und berät mehrere Unternehmen im Aufsichtsrat beziehungsweise Beirat.