So sieht der neue Entwurf für den Einstiegspylon der Hängebrücke – unspektakulär im Vergleich zu einem früheren Entwurf. Diese Lösung wurde dem Gemeinderat am Mittwoch präsentiert. Foto: Otto

Das Geheimnis ist gelüftet: Der überarbeitete Entwurf für die Rottweiler Hängebrücke wurde am Mittwochabend im Gemeinderat vorgestellt. Allerdings blieb der große Paukenschlag dabei aus. Der neue Einstiegspylon kommt recht unspektakulär daher.

Rottweil - Etwas "ganz Individuelles" wollte Investor Günter Eberhardt für Rottweil schaffen. Mit diesem Ziel vor Augen hatte er fast auf den Tag genau vor einem Jahr für eine faustdicke Überraschung gesorgt, und seine bisherigen Pläne für den Einstiegspylon auf der Felsnase am Berner Feld zurückgezogen. Denn dass das rote, 60 Meter hohe Gebilde unweigerlich an die Golden Gate Bridge in San Francisco erinnerte (wir berichteten), hatte ihm nicht gefallen.

Umso gespannter wurde nun erwartet, was sich der Investor mit seinem Team hat einfallen lassen. Er freue sich, dass das Geheimnis offiziell gelüftet werde, so Oberbürgermeister Ralf Broß in der Sitzung am Mittwoch. Wer erwartet hatte, dass Eberhardt erneut mit einem gewagten oder gar Aufsehen erregenden Vorschlag um die Ecke kommt, wurde jedoch enttäuscht. Beim von Projektleiter Roland Haag vorgestellten Entwurf handelt es sich im Vergleich zum Vorgänger um eine recht "normale" Stahlkonstruktion. Eine optisch fragiler Pylon, der nach oben hin breiter wird, nimmt nun die gewaltigen Kräfte der Hängebrücke auf. Der Entwurf habe sich als einer von vielen durchgesetzt – nicht zuletzt, weil er die statischen Herausforderungen am besten löst.

Etliche Varianten

Projektleiter Roland Haag zeigte den Räten den komplizierten Weg der Entwicklung auf. So waren verschiedene Varianten im Rennen, unter anderem eine namens "Tor zur Stadt", bei der man schließlich jedoch, wie bei vielen anderen, an der Statik gescheitert sei. Auch beim Entwurf des "Golden Gate Bridge"-Modells, so ließ Haag durchblicken, habe man noch nicht exakt gewusst, "was da statisch auf uns zu kommt". Vielen habe der rote Pylon gefallen, doch letztlich habe auch der Naturschutz angemeldet, dass "gedeckte Farben" gefragt seien. Im nun vorgestellten Entwurf, der sich gut in die Landschaft einfüge, würden derzeit noch Details zur Seilumlenkung geprüft, so Haag.

Oberbürgermeister Ralf Broß zeigte sich mit dem Sachstandsbericht zufrieden. Nun könne das Verfahren in Kürze weiter vorangehen. Die erneute Offenlage muss vorbereitet und die Änderungen müssen eingearbeitet werden. Es war herauszuhören, dass es weiterhin ein paar Kleinigkeiten auszutüfteln gibt.

Änderung im Bockshof

Auch "geringfügige Änderungen im Bockshof", dem sensiblen Andockpunkt in der Stadtmitte, seien noch vorzunehmen. Derzeit werde laut Haag auch geklärt, ob der Einstieg zur Brücke dort wie geplant mit Glas verkleidet werden kann.

Inzwischen sind mehr als vier Jahre vergangen, seit die "längste Hängebrücke der Welt" als neues Highlight für Rottweil und als Verbindung zwischen Testturm und Innenstadt angekündigt wurde. Aus den zunächst geplanten 950 Metern wurde nach einer zwangsläufigen Umplanung ein erster Bauabschnitt mit rund 600 Metern – vom Bockshof in der Stadtmitte bis zur Felsnase auf dem Berner Feld. Auf Brückenpfeiler wird verzichtet, stattdessen soll eben dieser große Pylon die Kräfte aufnehmen, an dem nun so lange getüftelt wurde.

Der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan soll im September fallen. Investor Günter Eberhardt hatte zu Jahresbeginn angekündigt, dass 2021 endlich gebaut werden soll. Ein Schritt in diese Richtung ist nun gemacht.

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