Beim Thema Heizen gibt es einiges zu beachten. (Symbolfoto) Foto: dpa /Thomas Banneyer

Herbstzeit ist Heizungszeit. Doch nach dem Hickhack um ein neues Heizungsgesetz sind viele bei dem Thema verunsichert. Was tun mit einer zehn Jahre alten Ölheizung? Sollten Kunden mit dem Wärmepumpen-Kauf besser warten? Ein Schwarzwälder Heizungsbauer gibt Tipps.

Der Herbst steht vor der Tür und bald ist es wieder Zeit, drinnen die Heizung aufzudrehen. Doch der monatelang Streit der Regierung um das neue Gebäudeenergiegesetz - umgangssprachlich auch Heizungsgesetz - hat viele Verbraucher verunsichert. Das Gesetz soll das Heizen in Deutschland klimafreundlicher machen und beinhaltet dahingehend bei Neubauten und Sanierungen neue Vorgaben. Der Bundestag hat die Novelle inzwischen verabschiedet, den Bundesrat muss sie allerdings noch Ende September passieren.

 

Dass die Verwirrung am Heizungsmarkt nach dem langen Hin und Her groß ist, berichtet auch Marcus Storz. Er ist Geschäftsführer von Storz Heiztechnik in Aichhalden und erklärt, was es beim Thema Heizen derzeit zu beachten gibt.

Sollten Kunden mit dem Wärmepumpen-Kauf warten, da bald neue Förderungen kommen?

Laut Storz ein klares Nein. Mit den aktuellen Förderungen würden viele Kunden deutlich mehr Geld erhalten. Die neuen Fördersätze sollen 2024 in Prozent zwar steigen, erklärt er. Die Deckelung der Investitionssumme sei aber halbiert worden. Er gibt ein Beispiel: Wer eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen wolle, der könne ein Projekt mit 60.000 Investitionssumme aktuell mit 40 Prozent fördern lassen. Ab nächstem Jahr soll man zwar 50 Prozent Förderung bekommen, allerdings nur noch auf 30.000 Euro Investitionssumme. Bei größeren Summen fahren Verbraucher also 2023 noch besser, obwohl der Fördersatz 2024 prozentual höher sein soll.

Marcus Storz von Storz Heiztechnik weiß, was es derzeit bei Anschaffung einer neuen Heizung zu beachten gibt. Foto: Emilija Milosevic

Wie sieht das bei anderen Heizarten aus?

Bei der Nutzung von Holzpellets- oder Hackgutanlagen soll die Förderung ab 1. Januar deutlich besser werden. Dort ist es lohnenswert, den Förderantrag erst im neuen Jahr zu stellen, so Storz.

Trotz oder wegen des neuen Heizungsgesetzes wurden mehr Gasheizungen und weniger Wärmepumpen verkauft. Auch bei Storz Heiztechnik?

„Die Nachfrage nach Öl und Gas ist ganz klar angestiegen“, bestätigt der Geschäftsführer. Seine Firmenphilosophie setze jedoch auf regenerative Energien. Deswegen würden seine Kunden auch in diese Richtung beraten, erklärt Storz. Trotz einer gestiegenen Nachfrage sei es eher eine Seltenheit, dass eine neue Öl- oder Gasheizung eingebaut werde.

Was tun etwa mit einer acht oder zehn Jahre alten Ölheizung?

„Da ist es sicher nicht nachhaltig, ich schmeiße die raus“, meint Storz. In solchen Fällen sei es aber möglich, die Heizung etwa mit einer Solarthermieanlage, mit einer Photovoltaikanlage, mit einer Brauchwasserwärmepumpe zu kombinieren. Beispiel Brauchwasserwärmepumpe: Wer hier 5000 Euro in die Hand nehme, brauche in den Sommermonaten keinen Liter Öl mehr. Durch solche hybriden Modelle könnten fossile Heizsystem durch Teilmodernisierungen sukzessive nachhaltig gemacht werden, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Wie sieht es mit der Lebensdauer von Heizsystemen aus?

Die Lebensdauer wird sich bei Heizungen generell verkürzen, so Storz. „Dass eine gute alte Heizung 35 Jahre gelaufen ist, das wird es so in Zukunft nicht mehr geben“, erklärt er. Moderne Gasheizungen hätten eine Lebensdauer von zehn bis 12 Jahren. Eine Wärmepumpe halte 12 bis 15 Jahre. Danach müsse aber nicht die ganze Pumpe ersetzt werden, hier gehe es vielmehr um den Austausch einzelner Teile und nicht um eine neuerliche Investition von 50.000 Euro, beruhigt er.

Was sollten Verbraucher in ihrer Rechnung noch bedenken?

Die CO2-Bepreisung wird laut dem Geschäftsführer ein Riesen-Problem. Öl und Gas seien damit bepreist und die Preise werden sich bis zum Jahr 2028 verdoppeln, da der Staat die C02-Steuer nach und nach umlege. „Das ist eine ganz empfindliche Stellschraube der Energiepreise, die der Staat da geschaffen hat“, meint er. Die Energiekosten gelte es, auf die Jahre hochzurechnen: Welche Heizung verursacht welche Energiekosten? Wer gerade mit seiner Ölheizung 2000 Euro Heizkosten habe, bei dem könnten das 2028 dann schon 4000 Euro sein. Storz ist überzeugt: Unter diesem Gesichtspunkt sind auch (Teil-)Sanierungen gar nicht mehr so teuer. Wer sich diese Rechnung vor Augen führe, sei eher bereit, in eine (Teil-)Sanierung zu investieren.

Gibt es eine generelle Empfehlung, welche Heizart die beste ist?

„Auf jeden Fall hin zu regenerativen Energien und weg von fossilen Brennstoffen.“ Und wenn fossile Brennstoffe unumgänglich seien, dann sei es wichtig, die Anlagen hybrid zu bauen. Jeder Liter Öl oder Kubik Gas, der ersetzt werden könne, sei langfristig der richtige Weg - so die Auffassung des Geschäftsführers.

Was sollte die Politik jetzt tun?

Marcus Storz wünscht sich von der Politik ein klares Bekenntnis zur Klimapolitik und transparente Kommunikation. Für den Endverbraucher sei es wichtig zu wissen, dass regenerative Energien die Zukunft sind. Dazu gehörten klar formulierte Förderungssätze. Genauso wie Förderungen, die dem Endverbraucher einen Umstieg finanziell ermöglichen.