Philipp Klotz hatte am Freitag seinen ersten Tag als Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen. Diesen verbrachte er jedoch nicht nur hinter seinem neuen Schreibtisch, sondern war auch im Wald und in Kitas unterwegs. Unsere Redaktion hat ihn begleitet.
Philipp Klotz empfängt unsere Redaktion am Freitagmorgen an dem Ort, den er von nun an für mindestens acht Jahre seinen Arbeitsplatz nennen darf: Dem Rathaus von Kappel. „Ich bin ein wenig angeschlagen“, erklärt der 26-Jährige. Kein Wunder: Denn hinter ihm liegen viele Wochen Wahlkampf und bis zu seinem Amtsantritt habe er noch Vollzeit in Waldkirch als Kämmerer gearbeitet. „Ich wollte dort noch alles zu Ende bringen“, so Klotz. Doch abgesehen von seiner leicht erkälteten Stimme ist ihm von dem Ganzen nichts anzumerken. Er macht einen ruhigen Eindruck, scheint sich in seinem neuen Büro gut eingefunden zu haben. „Ich bin tiefenentspannt. Ich wurde hier sehr freundlich empfangen“, bestätigt Klotz.
Um 7.15 Uhr habe sein erster Tag als Bürgermeister im Rathaus begonnen. „Es gab schon ein bisschen Post. Aber zuerst wollte ich die Räumlichkeiten kennenlernen“, beschreibt Klotz. Rund eine Stunde später ist er schon auf dem Weg in Richtung Gemeindewald. Es ist einer von vielen Orten, die er an seinem ersten Tag besuchen will. Konkret ging es zur Grafenhausener Unterwaldhütte. Revierleiterin Ronja Schneider und drei Forstarbeiter-Kollegen warten bereits auf den jungen Rathauschef mit frisch aufgesetztem Kaffee – passend zu den Brezeln, die Klotz für die Waldarbeiter mitgebracht hat.
Der ehemalige Kämmerer bringt Erfahrungen mit
Völlig fremd ist der Rathauschef den Naturexperten nicht. „Ich habe ihn schon in mancher Sitzung gesehen, er weiß, wo im Forst der Schuh drückt“, erklärt Waldarbeiter Joachim Leser, der gleichzeitig auch Gemeinderat ist. „Ich bringe auch Vorerfahrungen aus meiner Zeit in Waldkirch mit. Zur Planung des Haushalts habe ich damals mit dem Forstleiter den dortigen Wald besichtigt“, erinnert sich der ehemalige Finanzabteilungsleiter. Künftige Exkursionen in den Gemeindewald wünschen sich auch die Forstarbeiter: „Wir wollen uns gemeinsam die Gebiete anschauen und alle auf den gleichen Stand bringen. Zumal es viele Flächen gibt, die viel Geld kosten“, weiß Leser.
Ein weiteres Anliegen ist für die Revierleiterin der Müll, der von Wanderern hinterlassen werde. „Das ist Wahnsinn“, so Schneider. Auch mit Vandalismus habe man immer wieder zu kämpfen, etwa mit eingeworfenen Scheiben.
Klotz ist die Sicherheit der Forstarbeiter wichtig
Wie es um die Sicherheit der Waldarbeiter steht, will Klotz wissen: „Habt ihr Totmannmelder?“ Gemeint sind kleine Geräte, die etwa von Feuerwehrmännern getragen werden. Diese lösen Alarm aus, sobald sie erkennen, wenn sich der Träger in einer liegenden Position befindet. „Nein, haben wir nicht“, erklären die Forstarbeiter. Klotz versicherte, das Thema in das Rathaus mitzunehmen. „So was muss jeder hier haben“, begründet er.
Das nächste Besuchsziel führt den jungen Rathauschef in die Kita Taubergiesen, wo bereits viele Kinder auf ihn warten. „Hallo, Herr Klotz“, wird dem 26-Jährigen schon auf dem Parkplatz zugerufen. Leiterin Marion Krella führt Klotz durch die Räume der Einrichtung, in der insgesamt 82 Kinder betreut werden. „Damit sind wir komplett ausgelastet“, erklärt Krella. Dennoch stehe die Gemeinde in Sachen Kinderbetreuung gut dar. „Wir konnten allen Kindern in der Gemeinde einen Platz anbieten“, berichtet Hauptamtsleiterin Ulrike Conrad – ebenfalls bei der Tour durch Kappel-Grafenhausen dabei.
Kinder geben dem Rathauschef Geschenke
Beeindruckt zeigt sich Klotz von den verschiedenen Gruppenräumen: „Wirklich toll eingerichtet.“ Zumal er von jeder Gruppe ein Geschenk erhalten hat. Darunter ein großes Willkommensschild, eine bemalte Tasse und ein Brief des Kita-Teams. Und was erhofft sich Leiterin Krella von dem neuen Bürgermeister? „Ein gutes Miteinander und dass er stets ein Ansprechpartner für uns ist.“ Dass er mit seinen Besuchen dafür einen soliden Grundstein gelegt hat, zeigt sich, als der sich auf den Weg zur Kita Regenbogen macht. Kinder kleben förmlich der Fensterscheibe und winken dem jungen Bürgermeister zu.
Bei den Forstarbeiter, den pädagogischen Fachkräften und bei den Kindern scheint Klotz demnach einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Doch welches Fazit zieht er selbst zu seinem ersten Tag als neuer Rathauschef? „Es war echt schön. Ich wurde überall herzlich willkommen geheißen und freue mich schon auf die nächste Woche“, erklärt er auf Nachfrage. Diese sei auch bereits „von morgens bis abends“ voll mit Terminen. So wolle er sich unter anderem erstmal ein Überblick verschaffen und am Montag den Bauhof kennenlernen. Aber auch Besuche an den Schulen der Gemeinden stehen auf dem Plan.
Info – Amtskollege gratuliert
Auch Martin Aßmuth, Bürgermeister von Hofstetten und Mitglied im Bundesvorstand vom Netzwerk junge Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, gratulierte Philipp Klotz, der nun zweitjüngster hauptamtlicher Bürgermeister Deutschlands ist. „Wir haben uns bereits ausgetauscht. Er hat mich in Hofstetten besucht“, erklärte Aßmuth im Gespräch mit unserer Redaktion.