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Neubulach/Calw Reisebus-Branche kämpft weiter ums Überleben

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Die Busbranche ächzt derzeit unter dem Druck der Corona-Krise. Gerade die Unternehmen, die den Löwenanteil ihrer Einnahmen mit dem Reisebusverkehr bestreiten, sind in einer schwierigen Lage – und das trotz der Lockerungen, die für Busreisen seit 15. Juni gelten. (Symbolfoto) Foto: Igor – stock.adobe.com

Neubulach/Calw-Hirsau - Wochen, Monate vergehen, doch bei den Reisebusunternehmen dreht sich kein Rad. Jetzt dürfen sie wieder fahren, aber nur unter Auflagen. Das zieht nicht die Kundenströme an wie zuvor. Der Kampf ums Überleben wird wohl noch länger dauern.

Die Busbranche ächzt derzeit unter dem Druck der Corona-Krise. Gerade die Unternehmen, die den Löwenanteil ihrer Einnahmen mit dem Reisebusverkehr bestreiten, sind in einer schwierigen Lage – und das trotz der Lockerungen, die für Busreisen seit 15. Juni gelten. Das bestätigt auch Carsten Seeger von Teinachtal-Reisen aus Neubulach: "Die Lage ist äußerst angespannt. Seit dem Lockdown ist es schwierig." Allmählich versuche man zwar wieder, alles in Gang zu setzen, aber einfach ist das mit den ganzen Auflagen nicht. Beispielsweise erhält jeder Fahrgast einen zugewiesenen Sitzplatz, einfach im Bus hin- und herlaufen geht nicht. Des Weiteren herrscht Maskenpflicht während der Fahrt.

Drei Monate lang "null Umsatz"

Allerdings, und das überrascht dann doch, dürfe man theoretisch den ganzen Bus voll machen, so Seeger. Allerdings achte man auf den Abstand, das hänge auch mit den Buchungszahlen zusammen. Doch klar ist: "Wir stehen Gewehr bei Fuß."

Doch bis zu diesem Punkt war der Weg ein weiter und steiniger. "Wir hatten quasi ein Vierteljahr null Umsatz", klagt Seeger. Man habe deshalb zu Beginn der Krise acht Reisebusse abgemeldet, um Steuern und Versicherung zu sparen – jetzt sind wieder zwei in Betrieb. "Die Branche ist arg gebeutelt", auch weil es bis jetzt keine echten Hilfen gebe.

Die Mitarbeiter, allen voran die Fahrer, seien in Kurzarbeit geschickt worden, berichtet Seeger. Um Entlassungen sei man dank eines gewissen Polsters glücklicherweise herumgekommen. "Am schlimmsten war die Perspektivlosigkeit. Es ist schwer, wenn man keine Ziele vor Augen hat. Lange hat alles nur Geld gekostet und es war keine Arbeit in Sicht", berichtet er vom monatelangen Zwangsstillstand.

Einerseits versteht Seeger von Teinachtal-Reisen die Maßnahmen, doch der Geduldsfaden wurde verdammt dünn, als Flugzeuge, Busse und Bahnen wieder vollbesetzt loszogen, doch die Reisebusse nicht durften. "Da fragt man sich schon ›was ist bei uns anders?‹, ›darf das wahr sein?‹", berichtet Seeger. Das sei absolut nicht nachvollziehbar gewesen. "Das sind Momente, in denen man im Viereck springt", blickt der Bus-Unternehmer zurück.

Zunächst liegt der Fokus auf Deutschland

Doch bei aller Aufregung blickt Seeger voller Entschlossenheit in die Zukunft. Die Bereitschaft der Busreisenden sei durchaus vorhanden, wieder einzusteigen. Man arbeite gerade ein neues Programm aus, fokussiere sich aber zunächst auf Deutschland. Allein hier seien die Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. "Da gilt im Zweifel das Abfahrtsbundesland, aber vieles ist einfach noch uneinheitlich". Der Mann von Teinachtal-Reisen würde sich klarere Regeln wünschen. Fakt ist aber, dass man mit dem Winterprogramm "wieder voll durchstarten" wolle. Die Reiseplaner stehen schon lange mit den Skigebieten in Kontakt. Der Tenor: Das geht schon. Auch Seeger ist sich sicher: "Da fahren wir hin." Außerdem sei diese Zeit auch in gewisser Weise eine Chance, neue Wege auszuprobieren.

Auch bei Volz Reisen in Calw-Hirsau werkelt man mit Hochdruck an einem kleinen Sommerprogramm. So optimistisch wie der Kollege aus Neubulach blickt Geschäftsführerin Gisela Volz aber nicht in die Zukunft: "Die Leute sind noch nicht so begeistert." Die ganzen Maßnahmen von Maske bis Desinfektion würden eben noch abschreckend wirken, vermutet Volz. Doch eine Ankurbelung des Geschäftes wäre dringend nötig. Auch bei Volz sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit, Entlassungen konnte auch sie bisher abwenden.

Unternehmerin ist entschlossen zu kämpfen

"In der ganzen Zeit hatten wir nur einen Auftrag: Erntehelfer vom Flughafen in Stuttgart zu einem Bauer fahren", lässt Volz einen Blick ins nahezu leere Auftragsbuch zu. Schulen, Vereine, Musikgruppen, Privatveranstaltungen, all das sei weggefallen. Auch Kredite würden nicht wirklich helfen, meint Volz und erklärt auch warum: "Der Umsatz von einem halben Jahr fehlt. Eine Gruppe, die im Mai einen Ausflug machen wollte, holt den sicher nicht im September nach."

Viele weggebrochene Umsätze seien einfach verloren. Doch Volz hat noch ein anderes Problem, das ihr im Magen liegt. Ein nagelneuer Reisebus, der in Ulm auf die Abholung wartet. Der Kostenpunkt liege im sechsstelligen Bereich. "Das ist schon heftig, wenn man im Moment fast null Einnahmen dagegen hat", stellt Volz fest. Doch die Unternehmerin ist entschlossen zu kämpfen: "Meine Schwiegermutter hat den Betrieb durch die Kriegszeit gebracht, damals wurden ihr die Busse beschlagnahmt. Ich hab sie immerhin noch."

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