Die Diskussion um eine Bahnanbindung des Oberen Nagoldtals nach Stuttgart ist uralt. Auch die Gemeinde Ebhausen würde davon profitieren. Foto: Thomas Fritsch

Eine Bahn ins Obere Nagoldtal? Die gab es ja bereits, mit dem legendären Altensteigerle. Mittlerweile hätte man diese Schienenanbindung wohl liebend gerne wieder. Denn nicht nur Nagold hofft auf eine bessere ÖPNV-Anbindung in den Stuttgarter Raum.

Die Kreistage in Calw und Böblingen sowie die Raumschaft Nagold beschäftigen sich schon seit Jahren mit der Anbindung des südlichen Landkreises an die Region Stuttgart und Böblingen.

 

Erste Überlegungen einer Schiene von Nagold nach Herrenberg gab es vor deutlich mehr als 100 Jahren. In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Ebhausen war der Anschluss des Oberen Nagoldtals an den Schienen-ÖPNV Thema.

Bürgermeister Volker Schuler betonte, dass die Kommune versuche, einen Fuß ins Thema Zug zu bekommen. „Wir dürfen auch bei der geplanten Stadtbahn nicht durchs Raster fallen“, so Schuler. Man müsse hier auch Altensteig und Ebhausen mit einbeziehen.

Einiges im Fluss

Derzeit sei – auch hinsichtlich des MEX – einiges im Fluss. Maßgeblicher Knackpunkt der Anbindung sei, so Schuler, die teure Überwindung des Höhenunterschieds von Jettingen nach Nagold. Die Schiene sei nur „begrenzt steigungstauglich“ und verursache daher hohe Kosten für eine längere Streckenführung oder einen Tunnel – dies schränke die Wirtschaftlichkeit sehr ein.

Seit 1996 gebe es immer wieder Untersuchungen und Gutachten zur Anbindung der Raumschaft an die Schiene. Meist seien diese als Verlängerung der S-Bahn ausgelegt gewesen. Die Ergebnisse der Untersuchungen hätten keine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufgezeigt. Mit dem MEX, der Anbindung der Kulturbahn über Hochdorf/Eutingen nach Stuttgart und dem technischen Fortschritt bei der Höhenbewältigung, etwa bei einer Stadtbahnvariante hat die Diskussion neue Fahrt aufgenommen.

Hierzu gab es ein neues Gutachten vom Juni 2023, bei dem alle Varianten auf ihre Machbarkeit untersucht wurden. In dem Gutachten wird die Strecke zwischen Nagold und Herrenberg betrachtet. Das Ergebnis der Studie lautet, dass eine Stadtbahnvariante zur weiteren Untersuchung empfohlen wird.

Vorteile für Ebhausen

Bei einem S-Bahnanschluss oder der MEX-Variante wird wohl der Endpunkt Nagold sein – bei einer kleineren, schmaleren und filigraneren Stadtbahn sei dies nicht zwingend der Fall. „Eine solche Linie könnte auch über Nagold hinaus bis nach Altensteig betrieben werden“, erklärte Bürgermeister Volker Schuler. Die Stadtbahn wäre, so Schuler aktuell die einzige Variante mit einem denkbaren durchgängigen Anschluss ohne umzusteigen von Nagold über Rohrdorf und Ebhausen nach Altensteig – analog dem früheren Altensteigerle.

Volker Schuler warnte aber, dass „denkbar“ noch nicht automatisch machbar und wirtschaftlich bedeutet. Aber eine solche Perspektive sei für die Raumschaft hochattraktiv und sie sollte für die Zukunft im Sinne der angestrebten Verkehrswende möglich bleiben. „Unser Ziel ist es deshalb, dass im Rahmen der Machbarkeitsuntersuchung mit Vertiefung innerhalb der Stadtbahnvariante auch die Durchbindung nach Altensteig mit aufgenommen wird“, so Schuler. Man wisse aber, dass die Umsetzung der Schienenanbindung bis Nagold und darüber hinaus eine Zeitschiene „von Jahrzehnten“ bedeuten wird. Der technische Fortschritt gehe aber weiter, möglicherweise werden dann künftig neue Varianten möglich. Trotz allem sollte Ebhausen die Möglichkeit nutzen, eine Schienenanbindung des Oberen Nagoldtals politisch einzubringen und in den Entscheidungsprozess einzuführen. „Das wäre eine große Chance für unsere Raumschaft“, betonte Schuler.

Schnelle und effektive Lösungen

Als weitere Optionen nannte der Bürgermeister die fahrtechnische Optimierung des Schnellbusses nach Herrenberg und die verlässlichere Gestaltung der Verknüpfungen mit der S-Bahn. Insgesamt aber dränge man auf schnelle und effektive Lösungen zur Verbesserung des Schienen-ÖPNV in der Raumschaft. In der Diskussion sagte Ratsmitglied Hans Barucha (BWG) dass das Ganze ein „Zukunftsthema“ sei. „Es muss auf jeden Fall Verbesserungen geben, auch bei den Anbindungszeiten – ein Viertelstundentakt muss hier angestrebt werden.“

Bürgermeister Schuler sprach sich dafür aus, den Busverkehr zu optimieren – die Schiene sei aber oftmals der akzeptiertere Weg. Immanuel Deuble (BWG) sagte, dass er den Visionen Respekt zolle, „das Altensteigerle lebte 100 Jahre.“ Bürgermeister Schuler meinte, dass man „einige Aufgaben auch der nachfolgenden Generation lassen“ müsse. Doch setze man jetzt den Fuß in die Türe.