Bernd Rau berichtete von steigenden Mitgliederzahlen bei Haus & Grund in Nagold. Foto: Priestersbach Foto: Schwarzwälder Bote

Wohnen: Haus & Grund glaubt an eine Marktbereinigung

Nagold. Gut besucht war die Hauptversammlung des Nagolder Vereins Haus & Grund im Sportheim. Neben den üblichen Regularien referierte Ottmar Wernicke als Geschäftsführer des Landesverbandes über aktuelle Themen. Ein Thema war bei Haus & Grund zudem der in Nagold geplante Mietspiegel.

Wie der Vorsitzende Bernd Rau mitteilte, steigen die Mitgliederzahlen der Interessenvertretung von Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern nach wie vor. Zählte der Verein am Jahresanfang noch 685 Mitglieder, habe man zwischenzeitlich die 700er-Marke gerissen. Gleichzeitig machte Bernd Rau darauf aufmerksam, dass Haus & Grund im kommenden Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern kann.

Bei dieser Gelegenheit wies der Vorsitzende auf den in Nagold geplanten qualifizierten Mietspiegel hin – der zu einer Marktbereinigung führen werde. Auf das Förderprogramm des Landes für die Erstellung von Mietspiegeln ging Tobias Eckel aus dem Nagolder Bauamt ein, der zugleich den Gutachterausschuss leitet. So sei der Mietspiegel in Nagold zwar schon immer ein Thema gewesen, doch bisher gebe es keinen.

"Wir gehen mit den Mieten durch Decke"

Das soll sich dank eines Landeszuschusses jetzt in der Verwaltungsgemeinschaft ändern, wobei für Nagold, Haiterbach, Ebhausen und Rohrdorf jeweils ein qualifizierter Mietspiegel erstellt werden soll. "Die Förderung hilft uns dabei, sich an das Abenteuer Mietspiegel heranzuwagen", machte Tobias Eckel aber ebenso deutlich, dass dazu die Unterstützung der Eigentümer notwendig sei.

Weil etliche Faktoren in das Thema einfließen, werde der Mietspiegel umso transparenter, je mehr Eigentümer sich beteiligen. Tobias Eckel verspricht sich davon eine Orientierungshilfe für Vermieter und Mieter – also eine gute Basis für beide Parteien.

"Wir gehen mit den Mieten durch Decke", erklärte Ottmar Wernicke. Vor allem an den Sonntagen nehme das Thema Wohnen richtig Fahrt auf – doch unter der Woche hapere es an der Umsetzung. Wie der Geschäftsführer des Landesverbandes von Haus & Grund in Erinnerung rief, wurden Anfang der 90er Jahre noch 90 000 Wohnungen jährlich fertiggestellt, doch 201 seien es gerade noch 22 000 gewesen.

Zwischenzeitlich pendele sich die Zahl bei 35 000 Wohnungen pro Jahr ein, "aber wir bräuchten die doppelte Zahl". Um den erforderlichen Wohnraum im Land der Häuslebauer zu schaffen, komme man an der Neuausweisung von Bauland nicht vorbei, ist der Geschäftsführer überzeugt.

20 000 Vorschriften gilt es zu beachten

Und dann ist das ja noch die deutsche Regelungswut – Ottmar Wernicke nannte es vornehm "Regelungsdichte". Um dann aber mit Zahlen nachzulegen: Galten 1990 im Jahr der Deutschen Wiedervereinigung noch etwa 5000 Normen, so seien es mittlerweile über 20 000 Vorschriften, die beim Bauen berücksichtigt werden müssten – "und die machen alles etwas teurer". Als Beispiel, dass es auch anders gehen, wies er auf die Niederlande hin, wo das Bauen nur halb so teuer sei, wobei die Niederländer ja aber kein Entwicklungsland wären.

So plädierte Wernicke jetzt dafür, von den hohen Standards wenigstens für eine gewisse Zeit runterzugehen.

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