Die schnelle Übersicht gibt’s am Stadtmodell im Rathaus.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Besuch: Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) bekommt in Nagold klare Worte zum Lockdown zu hören

Wenn in diesen Tagen ein deutscher Ministerpräsident auf einen Einzelhändler trifft, dann kann es nur um den Corona-Lockdown gehen. Der Nagolder Werberingchef Christoph Leins nutzte den Besuch des saarländischen Regierungschefs Tobias Hans (CDU) für klare Worte.

Nagold. Was die Lage des Einzelhandels angeht, so ließ Leins im kurzen Gespräch mit dem Ministerpräsidenten des Saarlandes keinen Raum für Spekulationen: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", machte er dem Politiker klar, der gemeinsam mit OB Jürgen Großmann, dem CDU-Bundestagskandidaten Klaus Mack und dem CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Blenke Nagold und speziell auch Leins und seinem Modehaus "Reichert 1880" einen Besuch abstattete.

Besonders ärgert den Unternehmer die unterschiedliche Behandlung von Einzelhandel und Discountern und Supermärkten. "Wir haben ein hundertmal besseres Hygienekonzept als Supermärkte und uns sperrt man zu", so Leins. "Da geht mir echt der Hut hoch." Was die Sache noch verschlimmere, sei die Tatsache, dass die Discounter jetzt verstärkt Kleidung oder etwa auch Blumen anböten und so den örtlichen Einzelhändlern das Wasser abgraben. Seine Forderung an die Politik ist klar: "Läden öffnen und die Inzidenz drücken, damit wir auch offen bleiben können", sagte Leins. "Die Menschen brauchen einfach Perspektiven."

Für die Öffnung des Geschäftes können sich Christoph und Anna Leins auch ungewöhnliche Modelle vorstellen: "Wir würden sogar Einzeltermine mit Kunden machen, die dann alleine im Laden mit unserem Personal wären", so Anna Leins.

"Nie profitabel"

Die von Tobias Hans immer wieder ins Spiel gebrachte Intensivierung der Online-Sparte, ist für die Inhaber nicht die Lösung. Man sei zwar schon länger online unterwegs, aber bis man mit dieser Methode wirklich Geld verdiene, vergehe "viel viel Zeit". Ein eigener Online-Shop wäre für das Nagolder Modehaus "nie profitabel".

Vor dem Besuch am Vorstadtplatz hatte Ministerpräsident Hans dem Nagolder Rathaus einen Besuch abgestattet und sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Schon dort hatte Oberbürgermeister Jürgen Großmann dem Gast aus dem Saarland berichtet, dass die Stimmung insbesondere beim Handel in der Stadt "auf dem Nullpunkt" sei. Man sei "gefrustet bis zum Gehtnichtmehr", so das Stadtoberhaupt. Um das Online-Geschäft aufzubauen, müssten die heimischen Händler aktuell einen sehr hohen Aufwand betreiben.

Dass die Händler eine klare Perspektive brauchen, dem stimmte Tobias Hans (CDU) ausdrücklich zu, machte aber auch klar, dass man nicht alle Geschäfte und Einrichtungen auf einmal wieder öffnen könne. Auf konkrete Öffnungstermine für bestimmte Branchen und Läden wollte sich der Ministerpräsident nicht festlegen – ganz im Gegensatz zum Nagolder OB, der eine Öffnung der Geschäfte im März forderte.

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