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Nagold Die echte Lisa Fitz gibt sich erst ganz zum Schluss die Ehre

Von
Am Ende ist sie endlich selbst da: Lisa Fitz. Foto: M. Bernklau Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Martin Bernklau

Nagold. Lisa Fitz war wieder mal da. Mit ihrem Programm "Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf" riss die bayerische Kabarettistin ihr Nagolder Publikum in der ausverkauften Alten Seminarturnhalle hin.

Man könnte Lisa Fitz die Grande Dame des deutschen Kabaretts nennen. Aber erstens hat sie so selten etwas Damenhaftes an sich außer als Parodie. Und zweitens wirbelt sie immer noch mit jungem Zorn, manchmal mit feministisch-aufmüpfigen Furor auf der Bühne herum. Nichts Abgeklärtes. Und sie hat, so gern sie sich auch als fast jugendlich attraktive Blondine darstellt, allen Mut zum Hässlichen, Alten, Verlebten – in gnadenlosen Kunstfiguren von der prolligen Putzfrau bis zur giftigen CSU-Schranze.

Lisa Fitz ist ja eigentlich gar nicht da: verspätet, im Verkehr steckengeblieben, was auch immer. Hilde, mit ihrem wilden Besen zwar schon eine professionelle Liebhaberin von Ordnung und Sauberkeit, aber deshalb nicht gleich blöd im Kopf und gewiss nicht von gestern, sie plaudert und schimpft an Stelle der Ausgebliebenen über Amazon-Laster, Smartphone-Wahn, über die Bahn und die Politiker; über protzige Geländewagen, "die nie im Leben ein Gelände sehen" und über unter die Haut verpflanzte Bio-Chips für die totale Kontrolle.

Während Hilde über ihren vertrottelten Männe nur mit mildem Mitleid höhnt, ist Inge von Stein eine Feministin der ersten Stunde, adlig versippt und geschieden, voll in der aufklärerisch linksliberalen Journalisten-Schickeria verwurzelt, wo die Meinung gemacht und den herrschenden Herrschaften auf die Finger geklopft wird, nein: wurde. Denn inzwischen trottelt alles, auch die ach so kritische Kritikerin Inge von Stein, irgendwelchen vorgegebenen Meinungs-Mainstreams hinterher, ob zu Putin oder Syrien, zu Nine-Eleven, NSA oder NSU.

Lisa Fitz ist ja auch eine Liedermacherin, und so fordert sie, immer noch als Inge von Stein, mit einem harten Gitarren-Song "Ich bin die Frau in Leder" dazu auf, nicht nur als Domina in der Sadomaso-Szene dominanter zu werden, anstatt zu "Laborratten mit Geldbeutel" zu degenerieren.

Die Politik-Kritik versteckt sie nur notdürftig

Nach der Pause ist die nächste Figur von Lisa Fitz die etwas mondän damenhafte russische Geheimdienst-Geostrategin Olga, die vor der Weltkarte den Globus mal aus anderer Sicht mit dem Laserpointer erklärt: etwas russische Seele, russische Zunge, russischer Wodka und viel Kalinka dabei und einer Menge echter Fakten und Infos, vom Irak-Krieg bis hin zu den jüngst vor der syrischen Küste entdeckten Ölfeldern oder den fünf amerikanischen Milliarden, mit deren Hilfe auf dem Majdan von Kiew zum zweiten Mal ein korruptes bis faschistisches Regime an die Macht geputscht wurde, um den Russen an den Kragen zu kommen. Das ist harte aufklärerische Polit-Kritik, in diesem Fall an den USA, nur notdürftig versteckt hinter der kabarettistischen Kunstfigur.

Für Bayern ist die Frauen-Unions-Funktionärin Gerda Wimmer sicher noch spannender als für Schwaben, die etwas weiter weg sind von den verwandtschaftlichen Verfilzungen, Amigo-Spezeleien und der Doppelmoral ("Zweikammern-System") im CSU-Freistaat. Aber selbstverständlich spottet die Karikatur nicht nur in eine Richtung: grüne Umweltheuchelei wird von dieser Gerda Kummer abgewatscht mit der Energie-Hochrechnung der methan-furzenden Kuh.

Erst ganz am Ende kommt, mit zerrissenen Jeans über High Heels, mit Gitarre und schickem weißem Jäckchen, das auf die Bühne, was Lisa Fitz selber darstellt, die öffentlich Echte sozusagen. Ein paar Scherzchen und Geschichten voll Selbstironie, und dann der gemeinsam mit Konstantin Wecker verfasste Song über Versäumtes, all die Aufgaben, die wieder unerledigt blieben: "Nacht wird’s scho wiader".

Lisa Fitz lässt sich feiern. Als Spross einer Künstlerdynastie huldigt sie in der Zugabe ihrem Vater mit einem ringelnatz-haften Blödellied aus den Dreißigerjahren: "Das Kamel".

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