Sie können es noch: Die Band "Wendrsonn" auf der Bühne von Nagold Double Stage. Foto: Fritsch

Zeit, sich zurückzulehnen und den Sommerabend zu genießen. Genau so war es. Am Freitag fand im Hof der Seminarturnhalle das erste Open-Air-Konzert der Nagold-Alive-Saison 2021 statt. Pandemiebedingt etwas reduziert, es gab nur eine Bühne, nicht zwei (Double Stage), aber dafür drei Musikgruppen, die dem Publikum ordentlich einheizten.

Nagold - Den Anfang machte der "Liedschmied und Vers-Werker", wie er sich selbst nennt, Markus Klohr aus Vaihingen/Enz. Programmname: "Alles Klohr!" Ein Musikprojekt, ebenso poetisch wie poppig.

Pandemiebedingt mussten die gut 150 Konzertgäste auf ihren Bierbänken sitzen bleiben und durften nicht, wie sonst, vor der Bühne abtanzen. Klatschen und mit den Füßen wippen musste genügen. Aber es wurde viel geklatscht und gewippt, denn die zweite Band, "Sailorrats" aus Freiburg, hat mit frischem Pop-Rock richtig Stimmung gemacht. Sailorrats heißt Segelratten und ihre teils deutschen, teils englischen Texte drehen sich meist um das Thema "Meer". Am Schlagzeug ist Daniel Menn, Steffi Scarano singt und spielt Gitarre, Meli Graule singt ebenfalls und spielt dazu Bass.

Ihr "absoluter Lieblingssong" sei, rief sie ins Publikum, der Song "Zu spät". Ein toller Hit: "Eh ich mich verseh‘ ist mein Zeitbudget schon aufgebraucht – zu spät, zu spät, wie immer." Er steht auf der Webseite der Band zum Download bereit – "Falls jemand eine Entschuldigung schicken muss…"

Band-, Stil- und Generationenwechsel

Die drei Bandmitglieder sind alle Anfang, Mitte zwanzig, was man hier kurz erwähnen muss, denn als nächstes gab es auf der Nagold-Alive-Bühne einen Bandwechsel, einen Stilwechsel und vor allem einen Generationswechsel. Es folgte Wendrsonn – die Traditionsgruppe aus dem Schwabenland. Man singt Schwäbisch. "Schwäbisch isch sexy" (Zitat: Bandgründer Markus Stricker). Man darf das mit dem Alter auch erwähnen ohne zu diskriminieren, denn mit ihrem Alter kokettieren sie ständig: "Oh, mia duats Kreiz weih". Eines der sechs Bandmitglieder, Micha Schad, hatte am Freitag Geburtstag. Das Alter wurde dem Publikum vorenthalten, "irgendwann zur Zeit des Bauernkriegs". Ach ja, der Bauernkrieg. Immer ein Thema. Denn das Remstal, wo die Band her ist, war ja einer der Hotspots dieses Aufstandes. Wendrsonn spielt Volksmusik und Bauerntänze, Musik der einfachen Leute, aber mit Rockmusikcharakter. "Widele, wedele, henterm Städtele, hält der Bettelmann Haozich" oder das Lied vom buckligen Männlein: "Jetz gan i en mei Stüble nei, will mei Süpple essa, jetzt stoht des bucklich Männele do…"

Während sich die Sailorrats mit Gitarre, Bass und Schlagzeug begnügten, kamen bei den Schwaben unter anderem Flöten, Akkordeon, Waschbrett, Geige und Glockenspiel zum Einsatz. Vielfalt in der Musik, ein Schwaben-Rock-Mix, bei dem man sich hat "scho a bißle zwenga missa" auf den Bänken sitzen zu bleiben. Alle Bands brachten in irgendeiner Weise zum Ausdruck, wie sehr sie sich freuen, endlich wieder live vor Publikum zu spielen. Bei Wendrsonn hieß das schlicht: "Leck mi am Arsch, mir kennet’s no".

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