Fleißig waren nicht nur die Kinder beim Vorbereiten der Nacoa-Aktionswoche für Freudenstadt. Fleißig waren auch die Pädagogen, Sozialarbeiter und Gruppenleiterinnen des „Eigen-Sinn“ mitsamt Geschäftsführerin Dina Bühler (stehend, Vierte von rechts). Foto: Kuhnert

Zur Nacoa-Aktionswoche setzt die Kinder- und Jugendwerkstatt Eigen-Sinn Zeichen für Kinder aus suchtbelasteten Familien.

Seit vielen Jahren beteiligt sich die Kinder- und Jugendwerkstatt Eigen-Sinn in Freudenstadt aktiv an der Nacoa-Woche.

 

Nacoa (oder Coa) ist eine bundesweit und international wirkende Gesellschaft, die Kindern aus suchtbelasteten Familien hilft und ihnen eine Stimme gibt. Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland wächst mit einem suchtkranken Elternteil auf. Nacoa verbessert auch durch bundesweite Kontakte zu Politik und Verbänden die Bedingungen, um den Kindern zu helfen.

Erstmals geht nun die Freudenstädter Kinderwerkstatt mit diesem Anliegen an die breite Öffentlichkeit, will mit ehrgeizigen Aktionen, unterstützt vom Klett-Verlag, in der Nacoa-Aktionswoche vom 18. bis 24. Februar Zeichen in der Stadt setzen und mit Bürgern ins Gespräch kommen.

Süße Pralinen hergestellt

„Wir schauen hin“, sagt Christian Fai, der mit Heide Wagner-Aescht die Kinderwerkstatt leitet. „Dafür waren die Kinder und Jugendlichen in allen unseren Gruppen mit ihren Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern in den letzten Wochen unheimlich fleißig“, erzählt Dina Bühler stolz, Geschäftsführerin des „Eigen-Sinn“.

So hatten sie zum Beispiel Unmengen von süßen Pralinen hergestellt, sie sauber verpackt und mit einem kleinen Briefchen versehen: „Nicht jeder hat ein süßes Leben“ steht drauf, „knapp drei Millionen Kinder, die mit einem suchtkranken Elternteil aufwachsen, brauchen unsere Hilfe“. Diese Pralinen werden von den Erzieherinnen und Pädagogen am Freitag, 23. Februar, auf dem Wochenmarkt verteilt.

Andere Kinder haben Dekorationsmaterial und Plakate kreiert, die sich mit dem heiklen Thema beschäftigen. Ein Thema, das sie zuvor in der Gruppe eingehend besprochen hatten, waren die Schimpfwörter, bei dem selbst die Gruppenleiterin verlegen wurde, als sie all die Varianten des F-Worts aus dem Wortschatz von 13-Jährigen hörte. Eingehend wurde erörtert, was derartige Kraftausdrücke bei Kindern auslösen können, und, dass man sie durchaus auch vermeiden kann.

Oder das Thema Depressionen bei jungen Leuten, die gerade in den dunklen Monaten immer stärker auftreten. Da ging es um die Abwehr von „Depressiv-Monstern“, Monster wie Angst, Wut, Trauer und schlimme Gefühle.

Gespräche in der Gruppe

So wie die Plakate in Schaufenstern von Leerständen in Freudenstadt über die Nacoa-Woche hinaus als Hoffnungsbotschaften zu verstehen sind, so sollen auch die Gespräche in der Gruppe den jungen Menschen nachhaltig Kraft und Sicherheit verleihen, Mut machen für ein sinnstiftendes Leben auch in Krisenzeiten.

„Deswegen“, so Heilpädagogin Heike Wagner-Aescht, Leiterin der Schmetterlingsgruppe, „ist ja auch der sichere Ort der Kinderwerkstatt so wichtig. Dort, mit den Gruppenleitern als Pfeilern, können Kinder so sprechen und so gestalten, wie sie es außen nicht können. Sie können loslassen, was sie belastet, können lernen, selbst handlungsfähig zu werden, aus Krisen herauszukommen und Hoffnung in ihr Leben zu bringen“.

Im Übrigen, so Bühler, waren die Kinder und Gruppen so fleißig, dass noch Dekorationsmaterial und Plakate übrig sind, mit denen man das eine oder andere leere Schaufenster in der Stadt bestücken könnte als weitere „Hoffnungsbotschaften“. Für Hinweise wäre sie dankbar.

Das Programm

Die Nacoa-Aktionswoche
in Freudenstadt beginnt an diesem Sonntag, 18. Februar, um 10 Uhr in der Stadtkirche Freudenstadt mit einem Gottesdienst, in dem auch die Kinderwerkstatt eingebunden ist. Am Mittwoch, 21. Februar, ab 19 Uhr wird in der Kinderwerkstatt, Badstraße 47, kostenfrei der Kurzfilm „Erinnerungen einer vergessenen Kindheit“ vorgeführt. Der Film zeigt aus Kindersicht, wie die Sucht der Eltern das Leben von Niklas beeinflusst. Nach dem Film besteht dann noch die Möglichkeit zu Gespräch und Austausch mit Mitarbeitern der Kinderwerkstatt Eigen-Sinn.