Wildberg ist nicht nur Heimat für Uhus. Seit Jahren nisten Turmfalken im Sulzer Kirchturm. Dort finden sie ein geschütztes Zuhause für ihre Küken. In diesem Jahr konnte die Aufzucht erstmals mit Webcam dokumentiert werden.
Vier kleine Augenpaare blicken die Mesnerin an – groß aufgerissen und sehr aufmerksam. Seit Mai ist der Turm der Sulzer Michaelskirche wieder zum Zuhause für die Turmfalken geworden. Wobei sie schon seit einer gefühlten Ewigkeit da sind, meint Mesnerin Birgit Menzler.
„Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue, wenn die Falken im Kirchgarten schreien“, erzählt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Erst dann wird der Nistkasten weit oben bei den Glocken geöffnet. Dort brüten die Greifvögel schon seit einigen Jahren. Doch sobald sie nicht da seien, versuchen andere Tiere, den Nistkasten für sich zu beanspruchen. Darunter vor allem Tauben – aber auch Steinkäuze haben ihren Weg in den Kirchturm schon einmal gefunden. 2015 und 2017, erinnert sich die Mesnerin.
Neuen Nistplatz gewählt
Eigentlich ist der Kasten für die Turmfalken gedacht – also wird er erst zugänglich gemacht, wenn diese sich – meist im März – bemerkbar machen. Am 21. Mai entdeckte Menzler bei einem ihrer regelmäßigen Kontroll- und Putzgänge dann die vier Eier. Seitdem wird der Turm nur noch wenn nötig betreten, um den Falken Ruhe zu bieten. Und auch nur noch von wenigen ausgewählten Personen.
Doch die Eier lagen nicht wie gewohnt und gedacht im Nistkasten. Die Mesnerin entdeckte sie zwei Stockwerke tiefer in einem kleinen Fenster des Turms. Warum sich die Falken dafür entschieden, ist nicht klar. „Eventuell wurden sie im Nistkasten gestört“, vermutet Menzler. Denn dort fand sie zwei verlassene Falkeneier.
Der Nestwechsel spielte der Kirchengemeinde allerdings ein wenig in die Karten. Bereits bei der Planung der Kirchenrenovierung war angedacht, eine Webcam am Nistkasten zu installieren, um die Brutzeit der Falken zu dokumentieren. Das Fenster bietet nun jedoch einen einfacheren Blick auf das Gelege.
Webcam dokumentiert Küken
Schnell holte Menzler Timo Roller, Kirchengemeinderat und Mitglied im Technikteam, ins Boot, der nur zwei Tage später eine Kamera beim Fenster aufstellte. So konnte das Brüten, Schlüpfen, Füttern und Aufwachsen des Nachwuchses dokumentiert werden, ohne die Greifvögel unnötig zu stören.
Nach knapp vier Wochen, am 14. Juni schlüpfte auch schon das erste Küken, einen Tag später das zweite und am 16. Juni waren alle vier von ihrer Schale befreit. „Am Anfang waren die Küken noch etwas unbeholfen“, erzählt die Mesnerin. Eines der Elterntiere sei dann auch noch meistens bei den Jungen geblieben, während das andere auf die Jagd ging. Immer mal wieder wurden Mäuse in den Turm geliefert, die dann für die kleinen „portioniert“ wurden.
Auch Roller verfolgte die Küken per Webcam gespannt. Der erste Versuch der Dokumentation ist zwar nicht öffentlich geteilt – doch auch hier gibt es bereits Pläne. Die Idee: Aus den Aufnahmen einen kleinen Film zusammenstellen, der auch während Kirchenführungen gezeigt werden kann. So bleiben die Falken auch in den kommenden Jahren geschützt. Und die Gäste der Michaelskirche bekommen einen Einblick, was der Sulzer Kirchturm alles bietet. Aber erstmal warte man nun gespannt auf die erste Flugstunde der Küken.