Paulo Fritschi, Laurin Ulrich, Samuele di Benedetto, Dennis Seimen und Alex Azevedo sind Namen, die man auf dem Schirm haben sollte aus der U17 des VfB (v.l.n.r.). Foto: Imago/StZN

Die U17-Junioren des VfB Stuttgart stehen im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Wir haben uns den Kader genau angesehen und stellen fünf Toptalente vor, die aus der Mannschaft herausstechen.

Seit 1977 wird die Deutsche Meisterschaft der B-Junioren ausgetragen. Das erste Endspiel überhaupt gewann Eintracht Frankfurt gegen den FC Schalke 04 mit 2:1. Es wurde in Niefern-Öschelbronn gespielt, einem kleinen Ort bei Pforzheim. An diesem Sonntag steht das Finale wieder an, gespielt wird im Gelsenkirchener Parkstadion. Die U17 des VfB Stuttgart trifft auf den FC Schalke 04.

 

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Es ist die insgesamt 15. Teilnahme einer VfB-Mannschaft am Endspiel. Schon die vorherigen 14 Teilnahmen stellen einen Rekord dar, kein anderer Club stand öfter im Finale. Sieben dieser Endspiele gewann Stuttgart – auch das ist ein Rekord. Gemeinsam mit Borussia Dortmund teilt sich der VfB den Titel des Rekordsiegers. 2013 gelang der letzte Sieg – damalige VfB-Youngsters wie Timo Baumgartl (1. FC Union Berlin) und Marius Funk (SpVgg Greuther Fürth) spielen heute in der Bundesliga. Bernd Leno, Sami Khedira, Andreas Beck, Serdar Tasci, Pascal Breier, Kevin Kuranyi, Tobias Rathgeb, Andreas Hinkel… die Liste der VfB-Spieler, die den U17-Titel gewannen und später zu gestandenen Profis wurden, ist sehr lang. Fiedlers Mannschaft hat nun die Chance, sich in diese Historie einzureihen. Wir stellen fünf Spieler vor, die man besonders im Auge behalten sollte.

Dennis Seimen – der Rückhalt

Mit 15 Jahren hat Dennis Seimen einen langfristigen Vertrag beim VfB unterzeichnet. Sehr froh war man darüber im Lager der Weiß-Roten, schließlich gehört Seimen zu den besten Torhütern des Jahrgangs 2005. Sein Lernwille, seine körperlichen Voraussetzungen, sein Linienspiel und sein ambitioniertes Auftreten machen ihn zum perfekten Führungsspieler. Doch noch vor nicht allzu langer Zeit sah es nicht unbedingt danach aus, dass der Keeper schon so weit sein würde, wie er es jetzt ist. Seimen verließ sich zu sehr auf sein Talent und ließ es an Fleiß in der Trainingsarbeit vermissen. Das änderte Yusaburo „Yu“ Matsuoka. Der Torwarttrainer, mittlerweile in Japan aktiv, impfte Seimen das entsprechende Mindset ein. Disziplin, Fleiß, Lernwille und Opferbereitschaft. Mittlerweile ist Seimen der beste Torhüter Deutschlands in seiner Altersklasse und beim VfB spricht man hinter vorgehaltener Hand sogar davon, dass es seit Odisseas Vlachodimos keinen so talentierten Keeper mehr im Stuttgarter Nachwuchs gab.

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Verantwortlich dafür ist auch Dennis Rudel, der Torhütertrainer der U17, der mit Seimen viel arbeitet und ihn weiterentwickelt hat. Der groß gewachsene Keeper ist Stammtorhüter Deutschlands, hat sich gegen einige Konkurrenten durchgesetzt und ist seit vier Spielen im deutschen Tor gesetzt. Auch in der U19 wurde Seimen in dieser Saison bereits eingesetzt – und stand auch da seinen Mann. In beiden Einsätzen behielt er ein „Clean Sheet“, blieb also ohne Gegentor. In der U17-Bundesliga gelang ihm das achtfach in 13 Einsätzen. Dass er nicht öfter zum Einsatz kam, lag an einer Verletzung, an der er zu Saisonbeginn laborierte und die auch eine frühere DFB-Nominierung verhinderte. In der kommenden Saison wird Seimen eine Altersklasse höher spielen und soll auch dort der große Rückhalt der Mannschaft werden. Auch wenn er es dann mit teilweise drei Jahre älteren Gegenspielern aufnehmen muss.

Paulo Fritschi – der Abwehrchef

Monatelang fiel der Abwehrspieler für die U17 in dieser Runde aus. Ein Wachstumsschub und damit verbundene Patellasehnenprobleme nahmen den 16-Jährigen komplett raus. Zum Glück für ihn schlug eine konservative Behandlung bei Müller-Wohlfahrt in München an, eine OP war damit obsolet. Paulo Fritschi kommt lediglich auf 12 Saisoneinsätze und steht dennoch auf dieser Liste. Aus guten Gründen. Seit der Abwehrspieler 2020 vom SC Freiburg zum VfB gewechselt ist, ging es für ihn steil nach oben. Fritschi ist Junioren-Nationalspieler und unumstrittener Abwehrchef bei Markus Fiedler. Der ihn übrigens teilweise auf der Sechs einsetzte – um Fritschis Stärken – Passqualität, Übersicht, Aufbauspiel – noch weiter zu fördern.

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Doch auch wenn der Youngster mit seiner guten Antizipation viele Situationen schon abräumt, bevor es wirklich brenzlig wird, ist er ein guter Zweikämpfer, der nur selten im direkten Duell den Kürzeren zieht. Dazu ist er für einen groß gewachsenen Innenverteidiger auffallend schnell, nur zwei Spieler im Kader von Fiedler sind schneller als Fritschi. Dieses Gesamtpaket führt nicht nur dazu, dass Fritschi bei Fiedler absolut gesetzt ist, wenn er fit ist. Sondern auch dazu, dass er trotz so langer Ausfallzeit noch Chancen hat, auf den U17-EM-Zug aufzuspringen. Trotz aller Qualitäten gibt es noch Themen, bei denen Fritschi zulegen muss. Das taktische Rüstzeug gilt es zu verbessern und auch in der Luft kann der Abwehrspieler noch deutlich zulegen, das Kopfballspiel gilt es zu verbessern. Diese Aufgaben wird in der nächsten Saison das U19-Trainerteam mit Fritschi angehen.

Alex Azevedo – der Schienenspieler

Seit Thomas Krücken die Leitung des Stuttgarter NLZ übernommen hat, agiert man in der Stuttgarter Nachwuchsschmiede nach der sogenannten Spielerzentrierung. Das Individuum steht im Mittelpunkt. „Jeder Spieler hat eine Waffe, die wollen wir stärken“, sagt Krücken. Bei Alex Azevedo liegt auf der Hand, dass seine Waffe die Geschwindigkeit ist. Bei den Speed-Messungen im Nachwuchsbereich über die 30-Meter-Distanz gibt es beim VfB kaum einen Spieler, der so schnell die Seitenlinie entlang flitzen kann wie Azevedo, dessen Werte ihn auch in der Leichtathletik relativ weit vorne einsortieren würden. In seiner aktuellen Mannschaft schlägt ihn nur einer: Stürmer Luca Raimund. Dazu hat der Deutsch-Portugiese einen guten linken Fuß, weiß mit seinen Flanken die Mitspieler zielgenau zu finden. Er traut sich aber auch zu, ins Innendribbling zu gehen. Konsequenz: fünf Tore und 15 (!) Vorlagen sammelte der Nürtinger in 18 Ligaspielen in dieser Saison.

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Nach einer verletzungsbedingten Auszeit von einigen Spielen (Leistenprobleme) ist der Flügelflitzer wieder fit und am Abend gesetzt gegen die Hertha-Bubis. Azevedo kann auf der linken Seite alle Positionen begleiten. Er ist der klassische Schienenspieler. Egal, ob Außenverteidiger in einer Viererkette, Wingback in einem 3-5-2 oder als Flügelstürmer in einem 4-3-3 eine Reihe weiter vorne – Azevedo stellt seine Gegenspieler überall vor nahezu unlösbare Aufgaben. Auch in der kommenden Saison können sich die Gegner in der U19-Bundesliga schon einmal warm anziehen, wenn ihnen der Youngster die Hacken zeigen wird. Azevedo ist fest bei Nico Willig eingeplant und soll seine Waffe auch in der nächst höheren Spiel- und Altersklasse gewinnbringend einsetzen.

Samuele die Benedetto – der Anführer

Wenn man Samuele di Benedetto auf dem Spielfeld sieht, kommt einem sofort Gennaro Gattuso in den Sinn. Giftig, gallig, hochaggressiv gegen den Ball und hart, aber nie unfair gegen den Gegner. Di Benedetto ist der Prototyp eines „Aggressive Leaders“ und der Anführer der Mannschaft. Das ist insofern interessant, da es intern gehörige Widerstände gegenüber einer Verpflichtung des Youngsters vom 1 FC Heidenheim gab. Zu klein, zu schmal, nicht spielstark genug lautete das Urteil. Doch der Transfer kam zustande - und di Benedetto straft seine Kritiker seither Woche für Woche Lügen. Der zentrale Mittelfeldmann hat er das Spiel verstanden, weiß es aus der Tiefe zu leiten. Beschleunigt, wenn es sich anbietet und drosselt, wenn nötig. Läuft es bei „Samu“, wie seine Kollegen ihn rufen, läuft es bei der Mannschaft. Dabei gibt es doch markante Unterschiede zu Gattuso. Denn anders als der italienische Ex-Nationalspieler kann di Benedetto auch treffen oder den Kollegen auflegen, hat einen feinen linken Fuß.

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Vier Tore und vier Vorlagen in 18 Ligaspielen hat der Youngster aus Schwäbisch Gmünd diese Saison bereits aufgelegt. Vor einigen Tagen entschied er das Stadtderby gegen die Kickers mit einem sehenswerten direkten Freistoß. Doch bei allen Lorbeeren hat der zentrale Mittelfeldspieler auch Baustellen. Zum einen muss er körperlich zulegen. Zum anderen muss er an seiner Effizienz arbeiten. Oder, besser ausgedrückt, aus seinen Emotionen noch mehr Energie ableiten und diese zielführender einsetzen. Oftmals powert sich di Benedetto zu sehr aus, will überall sein und immer anschieben. Mit der Konsequenz, dass er schon einmal in der Schlussphase einer Partie von Krämpfen geschüttelt wird. Daran wird man in der kommenden U19-Saison mit ihm arbeiten.

Laurin Ulrich – der Hochbegabte

Analog zu Raul Paula in der U19 gibt es auch in der U17 des VfB Stuttgart einen Hochbegabten: Laurin Ulrich. Der offensive Mittelfeldspieler sticht heraus – auch, weil er körperlich schon weiter ist als viele seine Alterskollegen des 2005er-Jahrgangs. Seine Präsenz auf dem Feld ist unübersehbar. Ulrich kommt viel aus der Tiefe oder auch einmal über außen, entwickelt dabei eine kaum zu stoppende Wucht und hat ein starkes Dribbling. So kann er die Eins-gegen-Eins-Situationen eigentlich immer zu seinen Gunsten entscheiden oder sich zumindest einen vielversprechenden Winkel für den Torabschluss verschaffen. Das weiß man auch beim DFB zu schätzen, Ulrich ist unumstrittener Stammspieler in der U17-Nationalmannschaft (Elf Spiele, zwei Tore) und gehört auch dort zu den Anführern in der Mannschaft von Marc-Patrick Meister.

In 18 Ligaspielen für den VfB gelangen ihm acht Treffer und fünf Vorlagen. Auch vier Einsätze in der U19 kann er diese Saison schon vorweisen. Darunter der Startelfeinsatz im wichtigen DFB-Pokal-Halbfinale gegen die Bayern. Ulrich gehörte zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz. Doch trotz aller (Abschluss-)Qualitäten hat der Offensivspieler auch noch Themen, die er abzuarbeiten hat. Ulrich macht aus seiner Überlegenheit zu wenig, müsste viel öfter aufs Scoreboard kommen und Spiele noch mehr an sich reißen. Eine auffällige Parallele zu Raul Paula aus der U19, der in diesem Bereich ebenfalls noch zulegen muss. Sein guter Abschluss ist ebenfalls ausbaufähig, gerade unter Druck. Dazu muss er auch lernen, öfter die Übersicht zu behalten, vielleicht das eine oder andere Dribbling weniger zu nehmen. Die Gelegenheit dazu wird er nächste Saison in der U19 bekommen.