Oft heißt es, dass Kinder aufgrund eines Kaiserschnitts gesundheitliche Nachteile davontragen. Tatsächlich erhalten Babys aber unabhängig von der Geburtsmethode in den ersten Lebenswochen essenzielle Mikroorganismen der Mutter.
Es ist ein Makel, der Kaiserschnitt-Kindern oft anhaftet: Sie haben gesundheitlich gesehen nicht die gleichen Voraussetzungen wie Kinder, die vaginal entbunden worden sind. Tatsächlich gibt es seit einiger Zeit Hinweise darauf, dass der Kaiserschnitt auch Langzeitfolgen für die Kinder haben könnte. Einige Studien ergaben, dass Kaiserschnittkinder möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Adipositas, Asthma und Diabetes haben.
Die Ergebnisse seien aber mit Vorsicht zu genießen, heißt es seitens der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Alle Studien hätten Schwächen, es bedürfe weiterer Forschung. So argumentiert auch der Gynäkologe und Geburtsmediziner Ulrich Karck vom Klinikum Stuttgart: „Die genauen Entstehungsmechanismen sind nicht bekannt, auch ist ein Kaiserschnitt nur einer von vielen Faktoren, die diese Krankheiten begünstigen können.“
Unbestritten unter Experten ist allerdings, dass das Mikrobiom der Mutter – also deren Keimbesiedelung – einen positiven Einfluss auf das kindliche Immunsystem und damit auch auf dessen Gesundheit hat. Mit einer der Hauptquellen, nämlich den Keimen der mütterlichen Vagina und ihrem Darmsekret, kommen Kinder aber nicht in Kontakt, wenn sie per Kaiserschnitt geboren werden.
Um diesen Verlust auszugleichen wurde die Methode des sogenannten vaginal seedings in den vergangenen Jahren untersucht und diskutiert. Dabei wird dem Baby nach der Geburt mit einem Tuch über Mund und Nase gestrichen, das zuvor mit Vaginalsekret versehen wurde. Dadurch soll das Kind nachträglich die nötigen Mikroorganismen erhalten. Von den Fachgesellschaften wird dieses Vorgehen allerdings bislang nicht empfohlen.
Übertragung von Mikroben
Inzwischen haben Forscher aus den Niederlanden auch gezeigt, dass diese Methode nicht zwingend notwendig ist: Die Besiedlung eines neugeborenen Kindes mit Mikroben der Mutter erfolgt nämlich über mehrere Wege – nicht nur per Vaginalsekret, sondern auch über den Hautkontakt, dem Speichel und der Muttermilch. Bleibt die Übertragung von Mikroben aus einer der Quellen aus, können die anderen diesen Verlust ausgleichen. Die Forscher wiesen beispielsweise nach, dass Kinder nach einer Kaiserschnittgeburt mehr Mikroben durch die Muttermilch übertragen bekommen hatten.
Weshalb Geburtsmediziner und Frauenärzte Eltern von Kaiserschnittkindern verstärkt dazu raten, ihrem Baby besonders viel Nähe zu geben – so auch Christoph Härtel, Direktor der Kinderklinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg: „Viele fragen sich häufig, ob sie für das Kind etwas tun können, um ihm und seinem Mikrobiom zu helfen.“ Seine Antwort laute: viel kuscheln, viel stillen. „Damit kann das fehlende erste Mikrobiom des Geburtskanals kompensiert werden.“