Besondere Architektur gibt es im ganzen Schwarzwald zu entdecken – auch direkt vor der eigenen Haustür. Denn die St. Georgener Stadtterrasse wurde nun vom Verein Bauwerk Schwarzwald ausgezeichnet. „Nachhaltig und vorbildhaft“, urteilte die Jury.
Vorbildliche Architektur im Herzen der Bergstadt – so kann man die Stadtterrasse nun wohl offiziell bezeichnen. Denn sie wurde jüngst als eines von 95 Objekten vom Verein Bauwerk Schwarzwald ausgezeichnet. Bei einer Übergabe in Lahr gab es von Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, eine Urkunde sowie eine Plakette zur Anbringung vor Ort. Damit ist die Stadtterrasse offiziell Teil der Architekturroute von Bauwerk Schwarzwald.
Was steckt hinter der Architekturroute?
Ziel von Bauwerk Schwarzwald ist es, „die regionale Baukultur Einwohnern wie Touristen gleichermaßen näherzubringen“, teilt der Verein mit. Aus diesem Grund rief man die Architekturroute ins Leben. Das Ergebnis: „eine vielfältige Zusammenstellung 95 herausragender Beispiele für die Schwarzwälder Baukultur“, findet der Verein.
Die Route entstand in Zusammenarbeit mit der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG). Sie stellt exemplarisch gutes regionales Bauen im Schwarzwald vor und macht das Zusammenspiel aus Tradition und Moderne für Besucher erlebbar. Dabei steht die Vielfalt im Fokus: „Da wären etwa die imposanten Schwarzwaldhöfe als eines der zentralen Symbole der Ferienregion Schwarzwald, die sich idyllisch in das Auf und Ab der Landschaft einfügen. Daneben gibt es in dieser Region jedoch auch viel hochkarätige moderne Architektur, die sich von historischen Bauweisen, -stilen und Materialien inspirieren lässt, Altes modernisiert, Neues initiiert und die ebenfalls als schwarzwaldtypisch gelten kann“, heißt es von Bauwerk Schwarzwald.
Was macht die Stadtterrasse aus?
Entworfen wurde die Stadtterrasse vom Landschaftsarchitekturbüro Faktorgrün in Rottweil. Auftraggeber für den Bereich auf dem Dach des dortigen Edeka-Markts war die Stadt – Kostenpunkt: rund 600 000 Euro. Fertiggestellt wurde sie im Frühsommer 2010, und im Oktober desselben Jahres feierlich eingeweiht.
„Die Platzfläche ist ein bedeutender historischer Ort – hier verlief ehemals die Außenmauer eines Klosters – und bildet das Bindeglied zwischen Stadtgarten und Stadtzentrum“, beschreibt Faktorgrün das Projekt. Die ehemalige Klostermauer ist daher im Belag auch noch erkennbar.
„Der Entwurf entwickelt eine neue Aufenthaltsqualität und stärkt die unverwechselbare Identität von St. Georgen, indem er typische Schwarzwaldelemente wie die Höhenrücken und das Sandstein-Deckgebirge in einem ruhigen Pflasterrahmen inszeniert“, heißt es weiter. Verwendet wurden dafür natürliche Belagsmaterialien wie Sandstein-Krustenplatten und Natursteinpflaster aus Schwarzwaldgranit.
Wieso wurde die Stadtterrasse ausgezeichnet?
Die Stadtterrasse überzeugte die Jury, wie auf der Webseite von Bauwerk Schwarzwald zu lesen ist. „Der gut umgesetzte Entwurfsansatz und die Auswahl der Materialien schaffen ein neues Stadtteilzentrum mit hohen Aufenthaltsqualitäten“, heißt es dort. „Die Nutzung eines Gebäudedaches als gestalteter Freiraum ist nachhaltig und vorbildhaft.“
Wie lief die Auswahl ab?
168 Objekte sind insgesamt zur Bewertung eingereicht worden. Ein Auswahlgremium aus zwölf Planern, Architekten, Tourismus- und Kultur-Experten begutachtete und bewertete sie im Sommer 2022. Dabei spielten Aspekte wie zeitgemäße Architektur, Konstruktions- und Ausführungsqualität, energetische Effizienz und ökologische Aspekte eine Rolle.
95 Objekte wurden ausgezeichnet und sind Teil der Architekturroute. „Sie verteilen sich über die gesamte Schwarzwaldregion und repräsentieren die Bandbreite der Schwarzwälder Baukultur zwischen Tradition und Moderne“, wird Geschäftsführer Rolf Schrader in einer Mitteilung zitiert. „Damit sind sie Inspirationsquelle für eigene Neu- oder Umbauten und auch attraktiv für Urlauber im Schwarzwald.“
Wurden in der Umgebung noch weitere Bauwerke ausgezeichnet?
Ja, im Kreis konnten noch mehr Bauwerke die Jury überzeugen. Nur ein paar Kilometer entfernt liegt etwa der Unterkirnacher Lippenhof. Auch ein Wohnhaus mit Ferienwohnung in Schonach und das Produktions- und Verwaltungsgebäude des Unternehmens Scherzinger Pumpen im Furtwanger Stadtteil Neukirch konnten punkten, genauso wie gleich zwei Projekte bei Gütenbach: das Ganterhäusle und ein Ziegenstall im Schwarzwälder Stil. In Brigachtal wurde das neu gebaute Dorfhaus ausgezeichnet, in Bräunlingen die Neugestaltung der dortigen Altstadt. Die Bauwerke des Schwarzwald-Baar-Kreises liegen dabei am östlichen Rand des Gebiets, über das sich die prämierten Objekte erstrecken. In westlicher Richtung reicht es bis nach Freiburg-Tiengen, wo ein Wohnheim für Geflüchtete ausgezeichnet wurde. Vom Außenbereich des Palais Thermal, eines Thermalbads in Bad Wildbad, im Norden verteilen sich die Bauten auf den ganzen Schwarzwald bis an die Grenze Deutschlands mit der Schweiz im Süden.
Kommen in St. Georgen vielleicht noch weitere Objekte hinzu?
Ausgeschlossen ist das nicht, denn zur Architekturroute werden kontinuierlich neue Bauwerke hinzugefügt, wie es vonseiten des Vereins Bauwerk Schwarzwald heißt. Vorgeschlagen werden können fertiggestellte Objekte aus den Baujahren ab 2001. Noch in diesem Jahr erfolgt die nächste Bewertungsrunde.