Die Dächer des Wasserschlosses sind mit alten Biberschwanzziegeln eingedeckt. Foto: Steinmetz

Der Sturm hat auch auf dem Glatter Schlossdach Schäden verursacht. Die Löcher müssen wird dicht gemacht werden: ein gefährlicher Job.

Mit der Hebebühne im Innenhof geht es 18 Meter hoch bis zum First des Glatter Wasserschlosses. Dachdeckermeister Jürgen Herbst zeigt, wo der jüngste Sturm Schäden hinterlassen hat.

 

Etliche Löcher hat er bereits geflickt, andere sind noch offen. Sie wieder zu schließen, ist eigentlich kein Problem. Der Ziegel muss nur gelupft und dort, wo das Loch ist, ein neuer eingeschoben werden.

Nicht jedermanns Sache

Mit der Hebebühne kommt der Dachdecker allerdings nicht so nah heran. Er muss selber auf das steile Dach steigen. Und das ist Chefsache: „Da lasse ich nicht meine Mitarbeiter machen“, sagt Jürgen Herbst, „ich bin schwindelfrei und Bergsteiger.“ Er war bei diesem gefährlichen Job am Gebälk angeseilt. Dennoch: Das ist nicht jedermanns Sache.

Der Sturm hat stellenweise die Dachfirst-Ziegel heruntergeweht. Diese haben dann weiter unten Löcher gerissen. Auf der Hebebühne nimmt Herbst einige Ersatzziegel mit – sogenannte Biberschwänze. Ziemlich alt schon: „Der Bauhof hat sie gesammelt.“ Herbst schätzt, dass sie zwischen 1750 und 1800 hergestellt worden sind. Manchmal sehe man noch eine Jahreszahl.

Dachdeckermeister Jürgen Herbst hat keine Höhenangst. Foto: Steinmetz

Von der Hebebühne aus hat man einen guten Blick auf die faszinierende Dachlandschaft des Schlossensembles. In den 1990er-Jahren hat Herbst die Dachflächen des Glatter Wasserschlosses mit historischen Ziegeln eingedeckt.

Biberschwanz-Diskussion

Schon damals war es nicht einfach gewesen, sie zu besorgen. Es gab eine regelrechte Biberschwanz-Diskussion und die Überlegung, doch neue Ziegel fürs Schlossdach zu verwenden. Denkmalgerecht wäre es wohl nicht gewesen, und es ist dann auch gelungen, genug Biberschwänze zu besorgen.

Der Dachdeckermeister aus Sigmarswangen glaubt nicht, dass es heute wieder möglich wäre, davon genug für die große Dachfläche des Glatter Schlosses aufzutreiben. Herbst weist noch auf eine weitere Besonderheit des Schlossdaches hin. Die Kehle oder Rinne ist nicht mit Blech verkleidet, sondern ebenfalls mit Ziegeln zugedeckt.

First beschädigt

Der First ist an verschiedenen Stellen, unter anderem auch auf der Zehntscheuer mit dem Bauernmuseum, auf einer Länge von bis zu zweieinhalb Metern beschädigt. Die Firstziegel selbst sind rund 50 Jahre alt und, so Herbst, „von toller Qualität“. Einer davon stürzte auf den Innenhof, ohne zu zerbrechen. Mit Speis werden die neuen Firstziegel befestigt. Dann halten sie wieder, erklärt Herbst.

Schnell aufs Dach

Der Sturm traf Glatt vier Tage vor den Opernfestspielen auf dem Schlosshof mit ziemlicher Wucht. Jürgen Herbst musste am danach schnell aufs Dach, um loses Material zu beseitigen. Im Innenhof hätten die Ziegel auch Schirme und Tische zusammengeschlagen, teilt Ortsvorsteher Helmut Pfister mit. Im Schlossgarten mussten Baumschäden beseitigt werden.

Alles in allem stellt er fest: „Wir hatten trotzdem noch Glück.“ Feuerwehr und Bauhof hätten in kurzer Zeit auch gute Arbeit geleistet.

Wann es mit der geplanten Sanierung der Außenfassade am Wasserschloss losgeht, konnte der Ortsvorsteher noch nicht sagen. Man warte noch immer auf einen Zuschussbescheid aus Berlin.