Der Musikverein Oberweier feiert am Samstag sein 40. Frühjahrskonzert mit Adam Kalbfuß in der Sternenberghalle. Viele zusätzliche Proben waren anberaumt. Unsere Redaktion hat eine der letzten Proben vor dem Auftritt begleitet.
Nur noch wenige haben Erinnerungen an die Zeit vor 40 Jahren. Viele saßen damals in den Zuschauerreihen und schauten ihren Eltern begeistert zu. Heute sitzen sie selbst oben, wie Johannes Kopf am Schlagzeug. Jetzt sollen am Samstag beim Frühlingskonzert die vier Jahrzehnte thematisiert werden. Ab 19 Uhr wird es in der Sternenberghalle demnach ausgewählte Werke zu hören geben, die das Oberweierer Orchester in den vergangenen 40 Jahren bereits einmal bei Auftritten zum besten gegeben hat. Der Eintritt zum Konzert ist frei. Um Spenden wird gebeten.
Unsere Redaktion hat bei einer der letzten Proben vor dem großen Auftritt einmal zugehört. Gegen 9.30 Uhr rauschten die Musiker auf den Grundschulhof in Oberweier. Im Probenlokal standen die Stühle bereits im Halbkreis auf den Dirigenten ausgerichtet. Adam Kalbfuß saß auf einem Stuhl und dieser wiederum auf einem kleinem Podest. Kalbfuß ist immer einer der Ersten, der zu den Proben kommt. Lange brauchte es aber nicht und das Orchester war vollzählig.
Kalbfuß habe seinem Orchester eine Wahl bei der Auswahl der Stücke gelassen. Sie bestimmten das Konzert mit Stücken, die sie gern spielen. Im Orchester finden sich jedoch gerade einmal drei bis vier Musiker, die alle Stücke bereits mitgespielt haben. Das Trompetenkonzert von Vivaldi war im Jahr 1983 dran. Da zwei Solotrompeter damals einen Tag vor der Generalprobe ausgefallen waren, habe Kalbfuß das Trompetensolo für zwei Oboen spontan umgeschrieben. In diesem Jahr wird es jedoch das Trompetenkonzert geben. Die beiden Brüder Max und Julius Moldenhauer übernehmen die Solostimmen.
Wichtig ist Kalbfuß Verständnis für die Werke
Mit von der Partie ist auch Charlie Chaplin. Eigens für das 40. Frühjahrskonzert hat sich auch Peter Bühler mit seinem Tenorsaxofon auf den Weg nach Oberweier gemacht. Eigentlich lebt er in Neustadt, erklärte Kalbfuß gegenüber unserer Redaktion.
Seit 43 Jahren ist Kalbfuß Dirigent und Ausbilder im Musikverein Oberweier. Als junger Mann kam er im Alter von 24 Jahren nach Oberweier. Er, dessen Lehrmeister und Freund Sergiu Celibidache (1912 bis 1996), der große Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, war.
Vorgefunden habe Kalbfuß in Oberweier ganz schön viel Rohmaterial, aus dem er in den vergangenen Jahren ein sinfonisches Blasorchester entwickelt habe. Gezielte Ausbildung und die Umsetzung von großen Werken der Musikgeschichte haben nicht nur das Orchester geformt, sondern auch das Publikum mitgenommen. „Es braucht sieben Jahre, um ein Orchester aufzubauen“, sagte Kalbfuß im Gespräch mit unserer Redaktion. Kalbfuß will mit seinem Orchester mehr als nur Musik machen. Mit der Auswahl der Stücke wolle er jeden einzelnen Musiker auch seelisch formen. Unterhaltungsmusik spiele sein Orchester aus dem Handgelenk. Wichtig seien ihm die Fertigkeit und das Verständnis, Phrasen der großen Werke zusammenhängend zu spielen. Gelungen ist dies dem Orchester vielfach mit Werken von Mahler oder Beethoven. Immer wieder geht es Kalbfuß um den Klang musikgeschichtlicher Zusammenhänge und die Gedankengänge der großen Komponisten zu erfassen und musikalisch umzusetzen.
Historie
Der Musikverein Oberweier ist im Jahr 1925 gegründet worden. Im kommenden Jahr feiert er sein 100-jähriges Bestehen gemeinsam mit der Feuerwehr-Abteilung Oberweier, die ihr 125-Jähriges feiert. Geplant ist ein großes gemeinsames Festwochenende. Der Musikverein besticht auch immer wieder mit kleineren Besetzungen. Jüngstes Beispiel ist das „Edelblech“, das mit einem Neujahrskonzert in Anlehnung an die Wiener Philharmoniker im Januar in der Waldmattenhalle begeisterte. Der Verein zählt aktuell 35 aktive Musiker.