Evelyn Keilbach, Annette Lassel und Nadine Schifmann (von links) wollen Balingen kinderfreundlicher machen. Foto: Thiercy

Der Vierjährige muss vor der Tür Pipi machen, weil er im Laden nicht aufs Klo darf. Für die Zweijährige gibt es im Lokal keinen Hochstuhl und der Kinderwagen muss mühsam die Treppen ins Geschäft hoch gewuchtet werden. Es sind Kleinigkeiten – aber die Mamas sind genervt.

In welchem Café gibt es einen Wickeltisch? Wo im Städtle kann man sich zum Stillen zurückziehen? Welche Spielplätze sind toll? Das sind nur einige der Fragen, für die Annette Lassel und ihre Mitstreiterinnen Evelyn Keilbach und Nadine Schifmann Antworten und Lösungen suchen. Aus der Not heraus haben die drei jungen Mütter das „Netzwerk kinderfreundliches Balingen“ gegründet.

 

„Unsere Kinder und wir sind im täglichen Sein eingeschränkt“, sagt Nadine Schifmann. Die drei Frauen wollen aber „raus aus der Meckerhaltung“ und aktiv etwas für junge Familien in Balingen tun. Immerhin, räumen sie ein, sei Balingen kinderfreundlicher als Albstadt. Noch besser sei es in Hechingen. Dort gibt es die „nette Toilette“ – das sind Geschäfte, in denen dringende Geschäfte erledigt werden können. In Balingen gibt es zwar etwas Ähnliches, aber eher Unbekanntes. Der Kinderschutzbund hat 2019 eine Aktion initiiert, bei der Geschäfte per Aufkleber zeigen können: Hier kann die Toilette genutzt werden.

Im März haben die Mütter beim Stadtmarketing angeklopft. Sie haben mit Wirtschaftsförderin Katharina Ruoff gesprochen und sind auf offene Türen gestoßen, die allerdings wegen der Gartenschau erst jetzt ganz aufgehen. „Es gibt ganz wenige Cafés in Balingen, in denen es eine Kinderspielecke gibt“, sagt Lassel. Oftmals seien die Hochstühle kaputt oder verdreckt. „Dabei sind Kinder doch genauso Gäste wie Erwachsene.“

Kleine Gesten bringen Kinder auf Augenhöhe

Eigentlich, sinniert Lassel, ist alles schon da, wenn man nur miteinander spricht. So wie mit Landrat Günther-Martin Pauli: Im Gartenschau-Pavillon des Landkreises gab es ein Wimmelbild. Die Rechte daran liegen beim Kreis – das Bild könne für Platzsets zum Ausmalen in Restaurants genutzt werden, teilte Pauli den Müttern mit.

Gesprochen hat mit Lassel auch eine Personalchefin. Die wollte von der Mutter wissen, warum sich niemand auf eine seit Monaten ausgeschriebene Stelle in einem Balinger Unternehmen beworben hat. Lassel: „Ganz einfach, es stand nicht dabei, dass das auch in Teilzeit möglich ist.“

Schön finden die Mamas auch kleine Gesten, wie zum Beispiel eine Treppe vor der Kasse. So können auch die ganz kleinen Kinder ihren Einkauf auf Augenhöhe bezahlen. Und sie loben die Spielplätze und Wasserläufe in Balingen. Auch mit der Volkshochschule sind die Mamas im Gespräch. „Es wäre schön, wenn es samstags mehr Angebote für Kids und Eltern gäbe“, sagt Lassel. Unter der Woche bliebe dafür kaum Zeit.

Visionen von Mamas für Mamas

Die Vision der drei Frauen? „Wir wollen Balingen für Familien sensibilisieren und den Kindern eine Stimme geben.“ Denn die hätten schon die Kleinsten, auch wenn sie selbst noch nicht sprechen könnten.

„Mamas brauchen Mamas.“ So heißt eine Whatsapp-Gruppe des Netzwerks, in der mehr als 200 Eltern aus dem Landkreis aktiv sind und sich über Notdienst habende Kinderärzte, Ernährung oder altersgerechte Spielplätze austauschen.

Das Netzwerk ist zu erreichen unter der Mailadresse netzwerk.balingen@gmail.com

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