Thomas Züfle, Chef der Polizei in Stuttgart, ist bei einem Verkehrsunfall mit seinem Motorrad am Sonntag im Kreis Calw tödlich verunglückt. (Archivfoto) Foto: Piechowski

Politiker und Weggefährten würdigen Thomas Züfle als "vorbildlichen, verlässlichen und geradlinigen Amtschef". Der Stuttgarter Polizeipräsident war am Sonntagnachmittag vor den Augen seiner Frau mit dem Motorrad tödlich verunglückt. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen.

Stuttgart - Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat den tödlich verunglückten Stuttgarter Polizeipräsidenten Thomas Züfle als „vorbildlichen, verlässlichen und geradlinigen Amtschef“ gewürdigt. Der Polizeipräsident war am Sonntagnachmittag bei einem Verkehrsunfall im Kreis Calw zwischen Jettingen und Sulz am Eck mit seinem Motorrad tödlich verunglückt.

„Züfle war ein Kommunikationstalent, tolerant im Denken und handelte mit Fingerspitzengefühl“, sagte Gall laut Mitteilung. Er habe sein Amt mit starker Persönlichkeit, sozialer Kompetenz und viel Erfahrung ausgefüllt. Gerade im Konflikt um das umstrittene Milliarden-Projekt Stuttgart 21 habe er darauf vertrauen könne, dass Züfle die Stuttgarter Polizei angemessen führe. Gall sprach der Familie des Toten sein tiefes Beileid aus. Auch CDU-Fraktionschef Peter Hauk würdigte den Toten. „Das Land hat einen sehr charakterstarken und verlässlichen Staatsdiener verloren.

Kondolenzbuch im Polizeipräsidium

Im Polizeipräsidium wurde am Montagmittag ein Kondolenzbuch ausgelegt. Auf Trauerflor an den Polizeiwagen des Landes wurde verzichtet, da Züfle nicht im Dienst ums Leben gekommen sei, hieß es.

Landespolizeipräsident Wolf Hammann erinnerte an die schwierige Situation rund um die Polizeieinsätze zu Stuttgart 21. „Thomas Züfle hat im Konflikt um Stuttgart 21 klargestellt, dass alle Menschen in dieser Stadt friedlich demonstrieren können, aber Gewalt nicht geduldet wird“, sagte Hammann laut Mitteilung.

Mitarbeiter loben soziales Gewissen Züfles

Auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Ordnungsbürgermeister Martin Schairer äußerten sich zutiefst bestürzt über den plötzlichen Tod von Thomas Züfle. "Mit Thomas Züfle verlieren die Landeshauptstadt und die Polizei einen hervorragenden, vor allem aber sehr menschlichen Präsidenten. Wir trauern mit allen, die ihm nahe standen, vor allem mit seiner Ehefrau und Familie, der wir unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen", sagten Kuhn und Schairer am Montag.

Kuhn lobte ausdrücklich die Besonnenheit Züfles im Hinblick auf Stuttgart 21 und die Kompetenz des Verstorbenen: "Thomas Züfle hat vor zwei Jahren seine Aufgabe in einer schwierigen Zeit angenommen und diese mit viel Augenmaß und einem hohen Maß an Kompetenz bewältigt. Durch seine ausgleichende und besonnene Handlungsweise hat er zur Befriedung der Stadtgesellschaft beigetragen. Dies gilt insbesondere auch für die Auseinandersetzungen beim Bahnprojekt Stuttgart 21." Er sei für ihn als Oberbürgermeister ein kompetenter und kluger Gesprächspartner gewesen, "weil Züfle Verständnis für das gehabt habe, was für das Klima in unserer Stadt wichtig ist.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Polizeipräsidium lobten sein soziales Gewissen und den mitmenschlichen Umgang, weil er immer den Menschen gesehen habe, ungeachtet seiner Position, ergänzte der Oberbürgermeister. Bürgermeister Schairer sagte: "Die Arbeit des Polizeipräsidenten und seiner Polizei hat dazu geführt, dass die objektive Sicherheitslage und das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart außerordentlich gut sind. Hier ist die Stadt Thomas Züfle ausgesprochen dankbar."

Ihm sei es durch seine besonnene Amtsführung gelungen, das Vertrauen in die Polizei zu stärken und das Verhältnis zwischen den Bürgern und der Polizei zu verbessern. Schairer hob hervor, dass es Thomas Züfle war, der zu den Gegnern des Bahnprojekts nach dem sogenannten Schwarzen Donnerstag, den 30. September 2010, die Distanz überwand und dazu beitrug, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Private Motorrad-Ausfahrt

Der 57-jährige Polizeichef war auf einem Motorrad privat unterwegs, als ihm am Sonntag gegen 17 Uhr von einem 65-jährigen Toyota-Fahrer, der von Jettingen in Richtung Sulz am Eck unterwegs war, die Vorfahrt genommen wurde.

Wie die Polizei mitteilte, wollte der Toyota-Fahrer nach links in die Wasenstraße einbiegen und ordnete sich dazu auf der Linksabbiegerspur ein. Ohne anzuhalten bog er links ab und missachtete die Vorfahrt des ihm entgegenkommenden Motorradfahrers. Laut Polizei leitete Züfle noch eine Vollbremsung ein, konnte einen Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern.

Der Unfallverursacher blieb unverletzt, seine 60-jährige Beifahrerin musste schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Tübinger Klinik geflogen werden. Für Thomas Züfle kam jede Hilfe zu spät, er verstarb noch am Unfallort. Seine hinter ihm ebenfalls mit einem Motorrad fahrende Ehefrau erlitt einen Schock und musste in einem Krankenhaus behandelt werden.

Ein Sachverständiger wurde in die Unfallermittlungen mit einbezogen.

Züfle stand seit dem 1. Juni 2011 an der Spitze der Stuttgarter Polizei. Er hatte Siegfried Stumpf abgelöst, der nach dem harten Einsatz gegen Stuttgart 21-Demonstranten in die Kritik geraten war.

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