In vielen Kommunen gehören Leih-E-Scooter bereits zum Straßenbild. Nun will auch Rottweil im Rahmen des Mobilitätskonzepts einsteigen. Schon kurzfristig könnte das Leih-System der Firma Zeus am Start sein.
Nicht nur im Jugendhearing sei der Wunsch schon vielfach geäußert worden, auch bei der Stadtverwaltung und den Mitgliedern des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses herrscht die Meinung vor, dass die Zeit nun reif ist. So gaben die Ausschussmitglieder am Mittwochabend grünes Licht.
Trotz einstimmigem Beschluss: Unumstritten ist die Einführung von E-Scootern in Rottweil nicht. Wo darf gefahren werden, wer darf fahren, wo müssen die dreirädrigen Rollen mit 22 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und 30 bis 40 Kilometern Reichweite wie abgestellt werden? Die Stadträte hatten viele Fragen, doch Sachbearbeiterin Miriam Ruess war gut vorbereitet und blieb wie auch Bürgermeisterin Ines Gaehn, die die Sitzung in Vertretung für Oberbürgermeister Christian Ruf leitete, kaum eine Antwort schuldig.
Gute Erfahrungen in anderen Kommunen
Waren es nun die „guten Erfahrungen“ der anderen Kommunen im Umland – in Villingen-Schwenningen, in Tuttlingen, Donaueschingen, Deißlingen oder auch Dauchingen ist Zeus schon vertreten – oder das Konzept des Anbieters, Befürworter wie Zweifler sprachen sich in der Abstimmung quasi für einen neuen Verkehrsversuch aus. „Wir können jederzeit nachsteuern“, hatte Gaehn deutlich gemacht. Reicht die Fußgängerzone als Fahrverbotsbereich nicht aus, häufen sich Klagen wegen abgestellter Scooter oder reichen gar die zum Start angekündigten 80 Roller nicht aus – Zeus habe Flexibilität und Gesprächsbereitschaft signalisiert.
Und: Entspricht die Ergänzung des Mobilitätsangebots doch nicht den Erwartungen, könne mit vierwöchiger Kündigungsfrist die Sache beendet werden, klärte die Bürgermeisterin auf.
Ab 18 Jahren
Spaßmobil für eher jüngere Nutzer (ab 18 Jahren), Touristenattraktion oder die schnelle Verbindung vom Bahnhof, aus Richtung Stadthalle und Aquasol oder dem Neckartal in die Innenstadt – wie die Stadträte das Potenzial einschätzen, fiel am Mittwochabend völlig unterschiedlich aus. Harald Sailer (FDP) zeigte sich als flammender Befürworter des „absolut begrüßenswerten Projekts“ und auch Ralf Banholzer (CDU) sieht es als Ergänzung zur Mobilität. Elke Reichenbach (SPD+FFR) vermisste indes den ökologischen Mehrwert. Peter Schellenberg (FWV) konnte sich die Frage nicht verkneifen, ob die Roller „safaritauglich“, sprich geländegängig sind, um damit auch über die Hochbrücke zu kommen. Doch am Ende waren sich alle einig mit Ira Hugger (Grüne): „Versuchen wir es, wir haben keine Risiken.“