Am Sonntag beginnt die von vielen ungeliebte und auch von EU-Politikern abgelehnte Umstellung der Uhren auf die Sommerzeit. Wir haben mit dem Schramberger Schlafwissenschaftler André Alesi gesprochen.
Obwohl das EU-Parlament 2019 dafür stimmte, die Zeitumstellung 2021 abzuschaffen, und damit auf die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung reagierte, gibt es sie noch immer. „Der Ball liegt seit über vier Jahren im Spielfeld der Mitgliedstaaten, die diesen immer noch gekonnt ignorieren und das Thema der Zeitumstellung seit Jahren auf die lange Bank schieben. Das künstliche Drehen an der Uhr ist wie ein Mini Jet-Lag, den wir uns selbst jedes halbe Jahr auferlegen, und gehört so schnell wie möglich abgeschafft“, fordert Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Europagruppe.
Den Grund für den Stillstand sieht Ferber bei den den nationalen Regierungen: „Die EU-Staaten können selbst entscheiden, ob sie die Sommer- oder Winterzeit dauerhaft beibehalten möchten – Uneinigkeit besteht jedoch dabei, welche der beiden Zonen der neue Status Quo werden soll.“ Zur der Zeitumstellung am Sonntag, 26. März, haben wir dem Schramberger Schlafwissenschaftler André Alesi Fragen zur deren Folgen und den richtigen Umgang damit gestellt.
Herr Alesi, warum wirkt sich eine Stunde Zeitumstellung für viele so ungut aus? Welche physischen und psychischen Gründe sehen Sie?
Zunächst fällt es vielen Menschen schwer sich an die neue Zeit zu adaptieren. Gerade die Stunde die wir am Morgen früher raus müssen, führt zu einer höheren Müdigkeit, was wiederum zu Konzentrationsschwächen, Verdauungsproblemen und unethischem Verhalten führen kann. Es benötigt einige Zeit bis sich der Körper wieder an den neuen Schlaf-Wach-Rhythmus gewöhnt hat und die „gefühlte“ Zeit der tatsächlichen Uhrzeit entspricht..
Gibt es Menschen, die besonders empfindlich reagieren?
Gerade Babys, Kinder und ältere Menschen sind von der Zeitumstellung am meisten betroffen. Ihre inneren Uhren haben die größten Herausforderungen mit der Anpassung. Zudem leiden die Eltern, wenn die Kinder am Abend müde und gereizt reagieren und am Morgen so gar nicht in die Gänge kommen möchten.
Wie kann man sich vorbereiten?
Grundsätzlich kann ich bereits einige Tage vor der Zeitumstellung täglich 15 Minuten früher in Bett gehen und mich so langsam an den neuen Takt gewöhnen. Am Tag der Zeitumstellung sowie die nachfolgenden Tage, möglichst viel Zeit im Freien idealerweise mit moderater Bewegung verbringen und ansonsten den normalen Tagesablauf beibehalten. Gerade bei Kleinkindern das Einschlafritual nicht verändern und bei nächtlichen Wachphasen kein Spielen, Essen oder andere Aktivitäten zulassen.
Wann sollte man damit beginnen?
Wie bereits erwähnt, ist eine langsame Gewöhnung immer die Beste. Aber oftmals lassen die sozialen Rahmenbedingungen diese schrittweise Annäherung nicht zu. Deshalb gilt der Rat, in den folgenden Tagen nach der Zeitumstellung sich psychisch wie physisch zu schonen und sich nur moderaten Belastungen auszusetzen. Sobald man das Gefühl hat, wieder mit der Umwelt im Gleichklang zu sein, kann man seine persönlichen Ressourcen wieder verstärkt ausschöpfen.
Warum verschleppen die EU-Mitgliedstaaten die Rücknahme?
Wie immer in der EU ist es nicht leicht, alle Positionen auf einen Nenner zu bringen. Einige Länder wie Portugal, Zypern oder Griechenland sind völlig gegen die Abschaffung der Zeitumstellung, andere können sich nicht einigen, ob danach für sie die Sommerzeit oder die normale Mitteleuropäische Zeit – MEZ – gelten soll.