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Meßstetten Vielleicht rostet die alte Liebe doch noch nicht

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Als der Kelly-Barnes-Staudamm in Toccoa 1977 brach, fanden 39 Menschen den Tod, darunter 20 Kinder und Jugendliche. Foto: Schwarzwälder-Bote

Sie wurde nie besiegelt, allerdings auch nie beendet – die wenigsten erinnern sich noch an Meßstettens Partnerschaft mit Toccoa, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat-Georgia. Die Liebe währte nur kurz – warum?

Meßstetten. Bereits 1977 – die Flitterwochen waren eigentlich noch gar nicht zu Ende – hatte die Beziehung einen ersten Dämpfer erhalten, für den die Meßstetten trotz ihrer anfänglichen Reserve gegenüber den stürmischen amerikanischen Annäherungsversuchen nichts konnten: Am 6. November 1977 brach nach schweren Regenfällen der Kelly-Barnes-Staudamm bei Toccoa; in den Fluten fanden 39 Menschen den Tod, darunter 20 Kinder und Jugendliche. Mehrere Wohnhäuser, Wohntrailer und zwei Schulgebäude wurden zerstört; die Schäden betrugen 2,8 Millionen Dollar – man kann es den Toccoanern nicht übel nehmen, dass sie die Städtepartnerschaft erst einmal fünf Monate lang Städtepartnerschaft sein ließen; sie hatten genug mit sich selbst zu tun.

Bürgermeister Erwin Gomeringer musste, um zu erfahren, was passiert war, schon persönlich nachfragen, weshalb man so gar nichts aus der Neuen Welt höre. Er schickte danach sofort ein Beileidstelegramm, das sogar im Radio verlesen wurde und den Meßstettern weitere Sympathien einbrachte.

Danach schien sich die Partnerschaft gut zu entwickeln. 1978 besuchte Marcia Pauly aus Toccoa Meßstetten – sie wurde von Hauptamtsleiter Hans Ritter empfangen, da Erwin Gomeringer in Japan weilte. 1979 kam eine 14-köpfige Delegation aus den Blue Ridge Mountains auf den Heuberg und verbrachten mehrere Tage in Meßstetten – wäre der Bürgermeister mitgekommen, dann hätte man die Partnerschaft endlich beurkunden können.

Es sollte nicht sein – die Gäste verließen die Stadt mit Bildbänden, Gewürzsträußen, einer schwarzen Holztafel mit vier Ansichten Meßstettens, aber ohne signierte Dokumente. Nach ihnen stattete noch der Organist James Mellichamps der Partnerstadt einen Besuch ab – er gab sogar am 17. Juli 1980 ein Konzert in der Lamprechtskirche und soll Kontakt zu mehreren Chören gehabt haben.

Überhaupt muss in Toccoa die Vorstellung geherrscht haben, das Meßstetten eine wahre Heimstatt der Museen sei: Kunstpädagogin Paula Bladowski bat für eine Kunst- und Gewerbeschau um Exponate aus Meßstetten; wie ihrem Brief zu entnehmen war, hielt sie Meßstetten für eine Hochburg der Uhrenindustrie und Instrumentenherstellung. Man musste sie enttäuschen: Textilien – darin sei man gut. Mit Instrumenten schon weniger.

1979 war Roland Grimm aus Meßstetten in Toccoa; für den Spätsommer 1980 hatten sich Wolfgang Zaher und Reinhard Stengel angekündigt – danach wurden die Kontakte lockerer, die Besuche sporadischer.

Die Eheleute Schnell aus Toccoa, die von Anfang als Übersetzer in Erscheinung getreten und wahrscheinlich auch in Meßstetten gewesen waren, sorgten zwar über Jahre dafür, dass die Beziehungen nicht abrissen, aber aus einem Brief, den Bürgermeister Willi Fischer am 3. März 1987 an die beiden richtete, geht hervor, dass frühere Schreiben an seinen amerikanischen Amtskollegen unbeantwortet geblieben seien. Gewiss, eine Fernbeziehung sei nicht immer einfach, aber er wolle sich dennoch weiter bemühen und hoffe auf Antwort aus dem Rathaus von Toccoa. Dass Fischer eine erhielt, ist nicht überliefert.

Kein Interesse mehr an der spröden Schwäbin

Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass stürmische Avancen zu Beginn einer Beziehung noch keine Garantie für lange Dauer sind – irgendwann hatte der amerikanische Lover das Interesse an der spröden Schwäbin verloren. Warum? Wahrscheinlich aus denselben Gründen, aus denen sich auch andere Städtepartnerschaften schwer tun: Die Pioniere und engagierten Bürger waren älter geworden, mussten kürzer treten oder waren anderweitig engagiert. Auch die Entfernung dürfte eine wichtige Rolle gespielt haben.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Meßstettens neuer Bürgermeister Frank Schroft will versuchen, die Partnerschaft wieder zum Leben erwecken. Ein Brief an den Kollegen Evan Hellenga in Toccoa könnte der erste Schritt sein. Vielleicht rostet alte Liebe ja doch nicht.

 
 
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