Der Schein trügt: Der Schlichem täte in Tieringen eine Renaturierung gut, doch dazu wird es erst einmal nicht kommen.Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinderat: Weil Zuschüsse ausbleiben: Gemeinderat erteilt der Schlichemrenaturierung eine Absage

Vor drei Jahren votierten die Stadträte noch für die Renaturierung der Schlichem in Tieringen. Nun hat sich das Blatt gewendet: Da Fördergeld versagt bleibt, soll das Projekt das immerhin rund 123 000 Euro kosten soll, nicht weiterverfolgt werden.

Meßstetten-Tieringen. Eine Renaturierung der Schlichem in Tieringen hätte viele Vorteile: Die Gewässerstruktur könnte verbessert und damit könnten für Tiere und Pflanzen neue Lebensräume geschaffen werden. Hinsichtlich einer Fördermöglichkeit von 80 bis 90 Prozent der Kosten hatte das Argument, dass rund 123 000 Euro dafür anfallen würden, im Jahr 2018 gar nicht so schwer gewogen. Mit der Maßnahme würden Bausünden aus den 1970er-Jahren behoben werden, als landauf, landab Flüsse verdolt und aus ihrem natürlichen Bachbett genommen wurden.

Drei Jahre später sieht alles anders aus: Die Untere Wasserrechtsbehörde hat den Förderantrag abgelehnt: eine Renaturierung diene weder dem Hochwasserschutz noch der Regenwasserbewirtschaftung. Im Klartext: Wenn renaturiert wird, müsse die Stadt die Kosten von 123 000 Euro, die das beauftragte Büro "Fritz & Grossmann Umweltplanung" veranschlagt hatte, selbst tragen. Die Stadträte sollten daher in der jüngsten Sitzung des Gremiums das Vorhaben auf den Prüfstand stellen. Zu Bedenken gebe es allerdings, dass bisher knapp 25 500 Euro an Ingenieurhonoraren in das Vorhaben geflossen sind.

Der Tieringer Ortschaftsrat wurde bereits im April darüber in Kenntnis gesetzt. Auch wenn es teuer wird, wünscht sich das Ortsgremium, dass am Vorhaben festgehalten wird. Allerdings solle man prüfen, ob man bei der Renaturierung nicht irgendwelche Abstriche machen könnte, die sowohl der Natur als auch dem Geldbeutel guttun könnten.

Clesle sieht keinen Handlungsbedarf auf privatem Grund

Tristan Laubenstein vom Büro "Fritz & Grossmann" stand in der Sitzung für Fragen zur Verfügung und erklärte, dass die Kosten durch das Weglassen einiger Arbeiten, das aber der Sinnhaftigkeit der Maßnahme keinen Abbruch täte, auf 76 500 Euro gedrückt werden könnten. So könnte man sich beispielsweise nur auf den "Siedlungsbereich" hinter der Hausener Straße konzentrieren und den Wiesenbereich jenseits der Landesstraße 440 im Bereich der Unteren Mühle zurückstellen.

"Ich sehe keinen Handlungsbedarf", sagt Jürgen Clesle offen. Da die Schlichem im Siedlungsbereich von Privatgrundstücken umringt ist, käme kein anderer Bürger in Genuss einer naturnahen Schlichem. Das sieht Valentin Angst anders: Seiner Meinung nach geht es in erster Linie um die Schaffung von Lebensbereichen für Kleinstlebewesen. "Das wäre eine ökologische Aufwertung und eine Maßnahme für die Ewigkeit", sagte er. Zumal auch schon 25 000 Euro investiert worden seien, die wortwörtlich "den Bach runter" gingen, wenn das Projekt nicht weiter verfolgt würde.

Clesle hingegen sieht bei einer Weiterführung des Projekts noch viel mehr Geld schwinden. "Ich denke, hinsichtlich der Preissteigerung werden wir noch eine böse Überraschung erleben", sagte der Stadtrat und erinnerte daran, dass die Beschlussfassung 2018 darauf gefußt habe, dass eine Förderung in Aussicht gestellt wurde. "Ohne Förderung ist die Sache für mich erledigt", so Clesle.

Oliver Rentschler sieht das ähnlich: "Alleine nach Optik dürfen wir im Haushalt nicht gehen." Gäbe es Ökopunkte für die Renaturierung und könnte sie als Ausgleichsmaßnahme für kommende Projekte dienen, sähe für ihn die Sache anders aus. Laubenstein erklärte, dass es prinzipiell Ökopunkte gebe, doch nicht besonders viele. Das Thema scheint das Gremium zu spalten: neun Stadträte votierten für die Umsetzung der Renaturierung, die sich auf den "Siedlungsbereich im rückwärtigen Bereich der Hausener Straße beschränkt. Dem stehen allerdings 13 Gegenstimmen plus eine Enthaltung entgegen. Ergo: die Renaturierung ist vor dem Hintergrund der ausbleibenden Fördermöglichkeiten erst mal vom Tisch.

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