Regina Röcker und Verena Luippold (von links) sind fester Bestandteil des Teams. Auch Bianca Sauter (Dritte von links) freut sich über die tatkräftige Unterstützung von Daniela Roths Schwestern im Gasthaus Glöckle. Am Wochenende sind häufig auch die Kinder eingespannt. Foto: Retter Foto: Schwarzwälder-Bote

Dorfkultur: Wirtinnen Bianca Sauter und Daniela Roth wollen urigen Charakter bewahren / 50 Plätze sind meistens voll besetzt

Etwas Eigenes auf die Beine stellen, das Gute weiterführen und für eine Einkehrmöglichkeit im Geyerbad sorgen – so lässt sich zusammenfassen, was Bianca Sauter und Daniela Roth dazu motiviert hat, das "Glöckle" wiederzueröffnen.

Meßstetten-Oberdigisheim. Die beiden Wirtinnen möchten dabei Zeit für ihre Gäste haben. "Es war uns klar, dass die Leute gerne kommen würden, wenn das Gasthaus wieder offen hat. Aber mit so einem Riesenerfolg haben wir nicht gerechnet!", freut sich Bianca Sauter. Das "Glöckle" ist eine feste Institution in Oberdigisheim: Mehr als 60 Jahre lang führte Gerda Pfersich die Wirtschaft mit ihrer Familie. Nach dem Tod ihres Sohnes zog sie zu Tochter Anneliese Jenter und deren Mann Dieter. Das "Glöckle" wurde geschlossen. Vier Jahre lang beobachtete die Oberdigisheimerin Bianca Sauter, wie enttäuschte Spaziergänger vor verschlossenen Türen standen. "Gerade am Wochenende sind hier unwahrscheinlich viele Leute unterwegs, die das malerische Geyerbad besuchen. Die Wanderwege Hochalbpfade und der Felsquellweg führen daran vorbei. Immer wieder wurden die Nachbarn gefragt, wieso man hier nicht mehr einkehren kann", berichtet sie.

Insgeheim war man in der Umgebung davon ausgegangen, dass die Enkelin von Gerda Pfersich das "Glöckle" vielleicht wieder öffnen würde. Eines schönen Sonntags kam man im Gespräch auf der Terrasse der Sauters wieder einmal auf das Thema. "Da hat es meinem Mann irgendwie gereicht. Er hat gesagt, man müsse jetzt einfach mit der Anneliese sprechen und nicht immer nur gedanklich mit der Neueröffnung spielen", sagt Sauter und lacht. Sie war mit ihrer Freundin Daniela Roth vor einigen Jahren im Roßwanger "Café Klatsch" eingekehrt, und schon damals hatten die Frauen davon gesprochen, etwas Derartiges eines Tages selbst auf die Beine stellen zu wollen. "Wir telefonierten also mit Anneliese Jenter, und sie war sofort begeistert. Nach 20 Minuten rief sie zurück und sagte, wir könnten die Gaststätte neu eröffnen", erinnert sich Sauter.

Ein Neustart will gut vorbereitet sein. Die erste Besichtigung im September 2016 zeigte, dass einige Renovierungsarbeiten nötig waren. Mit viel Engagement machten sich die Wirtinnen in spe mit Unterstützung ihrer Familien ans Werk, besuchten außerdem ein Gründerseminar und Hygieneschulungen.

Wiedereröffnet wurde das Gasthaus am 13. April. Seitdem kommen die Gäste am Wochenende und am Donnerstagnachmittag wieder zu Kaffee und Kuchen oder zu einem deftigen Vesper mit Wurst und Käse. "Die Stadt hat sich sehr gefreut, dass das Geyerbad nun wieder eine Einkehrmöglichkeit hat, die Leute sowieso. Vom Seniorenstammtisch über Wandergruppen bis hin zum Frauentreff – die 50 Plätze, die wir bieten, sind am Donnerstag meistens voll besetzt", berichtet Daniela Roth. Sie hat ihre Tätigkeit bei der Sozialstation ebenso reduziert wie Bianca Sauter ihre Stelle in einer Metzgerei.

Für die beiden Wirtinnen erfüllt sich mit dem "Glöckle" ein kleiner Traum. "Wir sind den Jenters sehr dankbar für die Möglichkeit, hier etwas nach unseren Vorstellungen machen zu können", bekennen sie. Die Familien der Frauen sind ebenfalls engagiert mit dabei. Davon, dass man eine Gartenwirtschaft einrichten oder den Nebenraum zusätzlich öffnen könnte, möchten Roth und Sauter aber nichts wissen. Das sei das "Glöckle", wie es war, "das lassen wir ganz bewusst so", sagt Daniela Roth bestimmt. Die Fassade soll im kommenden Jahr noch etwas einladender werden, aber ansonsten will das Team nichts verändern. Kaffee, Kuchen und die Wurstspezialitäten kommen aus der Region. Denn: "Regionalität ist uns wichtig", betont Roth. Und Bianca Sauter ergänzt: "Wir möchten das ›Glöck­le‹ auf jeden Fall langfristig betreiben."

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