Edwin Weindorfer spricht im Fall Djokovic Klartext. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Der Mercedes-Cup-Turnierchef Edwin Weindorfer spricht über das Einreise-Theater um die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste.

Stuttgart - Der Tennispromoter Edwin Weindorfer schätzt Novak Djokovic als Menschen sehr. Deshalb hat ihn der Ärger um den Spieler auch so enttäuscht.

 

Herr Weindorfer, war es richtig, Novak Djokovic das australische Visum zum zweiten Mal nicht zu geben?

Ich persönlich bin der Meinung, dass es Auflagen gibt, die für jeden zählen. Vor allem was generell die Einreise betrifft. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen und Familien in Australien oder Neuseeland wegen der Pandemie für einen langen Zeitraum voneinander getrennt worden sind, dann muss man sich schon an die Regeln halten.

Das hat Djokovic nicht getan?

Die Wahrheit ist: Novak Djokovic hätte ja die Möglichkeit gehabt, sich impfen zu lassen. Oder er hätte natürlich auch die Möglichkeit gehabt, dass er bei dem gesamten Prozess so agiert, wie man es macht, wenn man in ein fremdes Land reist. Da muss man dann alle behördlichen Dinge sauber regeln. Das ist anscheinend nicht passiert.

Wie sehr schadet das tagelange Einreise-Theater seinem Ruf als Topsportler?

Ich schätze Novak Djokovic sehr. Er hat zwar noch nie bei uns in Stuttgart beim Mercedes-Cup gespielt, aber bei unserer anderen Veranstaltung in Wien war er schon dabei wie auch im vergangenen Jahr auf Mallorca. Als Person schätze ich ihn extrem, auch sein Umfeld und sein Team. Deshalb bin ich irgendwo auch enttäuscht. Aber noch mal: Wenn sich australische Staatsbürger einem strengen Regulativ unterwerfen müssen, dann zählt das für jeden – egal ob es ein Künstler ist, ein Superstar, ein Rockstar oder ein Tennisspieler oder ein anderer Sportler. Hier hat Novak Djokovic viele, viele Fehler gemacht mit seinem Team.

Welche Fehler?

Nun, man weiß ja, wie streng die Australier im Hinblick auf die Einreisebestimmungen sind, auch in der Vergangenheit schon. Und man weiß, dass die Australian Open jedes Jahr Ende Januar stattfinden. Darauf hätte man sich konsequent und perfekt vorbereiten können, so wie das die anderen Spieler ja auch gemacht haben.

Die Veranstalter der Australian Open hätten ja auch von vorneherein sagen können: „Ein ungeimpfter Spieler kommt uns nicht auf die Tennisanlage.“

Das kann ich schwer beurteilen. Ich verfolge das nicht im Detail, ich versuche die Angelegenheit aus der Sicht eines normalen Bürgers zu sehen. Was ich damit meine: Wenn ich heute bei einem Tennisturnier in Russland mitspielen möchte, dann muss ich auch dort das Visum ordnungsgemäß ausfüllen und mich den Bestimmungen anpassen. Novak Djokovic als neunfacher Australian-Open-Sieger weiß ja, was auf ihn zukommt. Er kann ja nicht einfach sagen: „Ich bin jetzt einfach mal nach Australien geflogen, und hinterher bin ich draufgekommen, dass ich einen Impfnachweis brauche.“

Würden Sie einen ungeimpften Spieler beim Mercedes-Cup auf die Anlage lassen?

Das hängt vom Regulativ ab. In gewissen Ländern dürfen nur geimpfte Spieler auf den Platz. Bis jetzt sind ja alle Spieler mittlerweile geimpft, also so habe ich es verstanden. Und so wie ich die Pandemie einschätze, ist die Impfung ein wichtiges Thema. Also ja: Ich würde dafür plädieren, dass bei uns nur geimpfte Spieler mitmachen können.

Was glauben Sie: Wird Novak Djokovic mal in Stuttgart aufschlagen, oder ist das utopisch?

Unser Turnier findet immer eine Woche nach Roland Garros statt. Wenn er dort im Finale stehen sollte, ist es immer schwer, so einen Spieler wenig später schon in Stuttgart spielen zu lassen. Aber wir halten in solch einem Fall für alle Topspieler natürlich Wildcards bereit.