Visualisierung der neuen Frontansicht der Stuttgarter Arena. Foto: asp Architekten

Die Mercedes-Benz-Arena befindet sich in der Umbauphase für die EM 2024. Wieder einmal. Wir blicken auf die Historie aller Umbauten – und ihrer exorbitanten Preise.

„Stuttgarter Kampfbahn“ lautete 1929 der markige Arbeitstitel der Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eigen Scholer. Die Herren verantworteten einst den Bau des Stuttgarter Stadions im Neckarpark im Stadtbezirk Bad Cannstatt. Zwischen zweieinhalb und drei Millionen Reichsmark wurden für den Bau anlässlich des 15. Deutschen Turnfests veranschlagt – die exakte Summe lässt sich nicht mehr verifizieren. Akten aus dieser Zeit liegen im Stuttgarter Stadtarchiv nicht mehr vor.

 

Bei der Fertigstellung wurde „Stuttgart“ im Namen des Stadions durch „Adolf Hitler“ ersetzt. Ab 1945 nannten die Alliierten die Sportstätte erst „Community Stadion“ (1945), dann war es wieder die „Kampfbahn“ (1945 bis 1949), ehe die „Zeppelin-Arena“ (1949) kurzzeitig in Stuttgart stand und das Stadion dann zum „Neckarstadion“ (1949 - 1993) wurde. Noch heute der gängige Sprachgebrauch für Viele.

Erste Ertüchtigung bereits 1935

Es folgte die bis heute andauernde Ära der Sponsoren-Namensgebung. Die Namen „Gottlieb-Daimler-Stadion“ (1993 - 2008) und „Mercedes-Benz-Arena“ (seit 2008) wurden, beziehungsweise werden vom Unternehmen mit dem Stern alimentiert. Mindestens so vielfältig wie die Namenshistorie ist auch die der Umbaumaßnahmen und der damit verbundenen Kosten.

Bereits 1935 fand die erste Maßnahme statt, als das Stadion von 40 000 auf 80 000 Plätze vergrößert wurde. Großzüge 4,5 Millionen Reichsmark wurden im Stuttgarter Haushalt veranschlagt, ursprünglich sollte gar auf 90 000 Plätze erweitert werde. Doch von sechs Bauphasen wurden nur drei bis zum Kriegsausbruch realisiert, insgesamt 1 256 000 Reichsmark verwendet. Zum heutigen Kurs und ausgehend von 2,5 Millionen Reichsmark für den Erbau umgerechnet wären das insgesamt 960 206,15 Euro. Zwischen 1949 und 1951 wurde eine offene Gegentribüne errichtet. Nach dem Ausbau fasste das Stadion 97 500 Zuschauer. 540 000 Mark kostete die Maßnahme.

1954 wurden weitere 2,5 Millionen Mark fällig, das Stadion fasste nun 102 000 Zuschauer. In den Jahren danach (1955 bis 1957) wurden die Kurven modernisiert. Für die Cannstatter Kurve wurden 1 115 000 Mark fällig, die Untertürkheimer Kurve war teurer, kostete 1 228 000 Mark. Zwei Jahre später investierte man großflächig in Sitzplätze. Kostenpunkt: 1 249 000 Mark. In Summe wurden also 6 632 000 DM investiert, umgerechnet 3 390 887,76 Euro.

Und auch für die WM 1974 gab es einiges zu ertüchtigen. Drei Jahre dauerte die Bauphase. Die Haupttribüne wurde abgerissen und an ihrer Stelle eine neue dreigeschossige Tribüne errichtet. Die Gegentribüne wurde überdacht, und in der Mitte der Untertürkheimer Kurve wurde eine Anzeigetafel errichtet. Die Kosten für diese Maßnahmen? Schwer zu validieren. Die entsprechenden Akten hält man im Stadtarchiv unter Verschluss. Der Grund: der „Schutz von Persönlichkeitsrechten“. Die letzte größere Modernisierungsmaßnahme, zu der Zahlen vorliegen, wurde 1965 realisiert. Zwei Jahre nach der Einführung der Bundesliga verbaute man 646 637,87 Mark für eine Flutlichtanlage.

Umbau-Kosten seit 1993

Besser ist die Datenbasis ab 1993. Für die Ertüchtigung anlässlich der Leichtathletik-WM wurden 27,3 Millionen Euro fällig. 51,25 Millionen Euro kosteten die Maßnahmen vor der WM 2006. Der Umbau zur reinen Fußball-Arena 2010 wurde mit 62,9 Millionen Euro veranschlagt. 2017 wurden dringende Erneuerungen an der markanten Dachkonstruktion vorgenommen (9,75 Millionen Euro). Der jetzige Mega-Umbau vor der EM 2024 verschlingt satte 130 Millionen Euro, rund 55 davon stemmt der VfB Stuttgart. Macht in Summe 281,23 Millionen Euro seit 1993. Eine atemberaubende Zahl. Zum Vergleich: Die Münchner Allianz Arena kostete 346 Millionen Euro.

Es ist allerdings ein hinkender Vergleich. Denn alle Stuttgarter Renovierungen waren sogenannte Bestandsbau-Umbauten. Also Maßnahmen an einem bereits existierenden Gebäude und während des laufenden Betriebs. Solche Maßnahmen sind traditionell teurer als Neubaumaßnahmen. Bei der Summe für die Allianz Arena in München ist zudem zu bedenken, dass sie nur die Kosten für den Stadionbau umfasst. Notwendige infrastrukturelle Maßnahmen (Verkehrsanbindung Straße/Schiene, Parkplätze, etc.) sind nicht eingerechnet.

Spätestens bis zur Europameisterschaft 2024 sollen nun in Stuttgart alle Maßnahmen abgeschlossen sein. Im Kessel stehe dann, so ist es aus dem Vereinsumfeld zu vernehmen, eine der modernsten Arenen Europas.